Quelle: DVD Covers und Szenenfotos: 20th Century Fox Home Entertainment
Quelle: DVD Covers und Szenenfotos: 20th Century Fox Home Entertainment

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wargames - Kriegsspiele, original: Wargames (1983)

United Artists, Sherwood Productions 20th Century Fox Home Entertainment, gefilmt in Metrocolor,

Produktionsland: USA, Länge: 108 min

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Darsteller Team
Matthew Broderick als David Lightman Regie: John Badham
Dabney Coleman als Dr. John McKittrick Produktion: Harold Schneider, Leonard Goldberg
Ally Sheedy als Jennifer Katherine Mack
Drehbuch: L. Lasker, W. F. Parkes, W. Green
John Wood als Dr. Stephen Falken   Kamera: William A. Fraker
Barry Corbin als General Jack Beringer 
Schnitt: Tom Rolf
Dennis Lipscomp als Lyle Watson Musik: Arthur B. Rubinstein

Besprechung:

Inhalt:

Der Jugendliche David Lightman hasst die Schule und die Lehrer. Dafür liebt er Computer und vor allem Computerspiele. Zu Hause befasst er sich jede freie Minute mit seinem Heimcomputer IMSAI 8080. Eines Tages hackt er sich in den Computer seiner Schule und ändert seine Biologienote. Als er dasselbe für seine Freundin Jennifer tun möchte, zeigt sie sich erschrocken und verbietet David die Durchführung.

Der Teenager liest indes abends eine Computerzeitschrift, in der die neusten Spiele seines Lieblingsherstellers beworben werden und beschließt, in dessen System einzudringen, um diese Spiele im Vorfeld kostenlos spielen zu können. Als Jennifer David am Folgetag bittet, die Schulnote doch noch zu manipulieren, sitzt der Junge bereits an seinem Computer und versucht mittels Wardialing in die Leitung des Firmencomputers des Spielepublishers einzudringen. Dies gelingt. Jennifer zeigt sich beeindruckt und schaut zu, wie Lightman ein Spiel namens „Thermonuklearer Krieg“ beginnt. Begeistert ermutigt das Mädchen ihn, Raketen abzufeuern und U-Boote Richtung US-Westküste zu starten, da der Junge die UdSSR als seine Spielpartei gewählt hat.

Doch tatsächlich hat sich David, ohne es zu wissen, in das mit einer lernfähigen KI ausgestattete US-Verteidigungssystem WOPR gehackt und simuliert nun den dritten Weltkrieg. In der Zentrale greift in der Zwischenzeit die Angst um sich, denn Lightmans Aktionen erscheinen auf den Bildschirmen als handelte es sich um reale Begebenheiten. Wird die USA tatsächlich angegriffen? Muss der diensthabende General Jack Beringer den Gegenschlag empfehlen?...

 

Fazit:

Wargames ist einer jener Filme, die es immer wieder schaffen, mich zurück in meine Jugendzeit der 80er Jahre zu versetzen. 17 Jahre alt war ich, als ich den Titel zum ersten mal auf VHS Video sah. Damals beherrschte der Commodore 64 und die Nintendo NES die Kinderzimmer meiner Freunde. Der Traum von den endlosen Möglichkeiten der Elektronik, aber auch die Angst vor dem Kalten Krieg geisterte durch die Zeit und Köpfe der Menschen. Die DDR war eine Tatsache und niemand glaubte daran, dass die beiden Landesteile einige Jahre später wieder vereint sein könnten. Wir hörten Rock Musik und den damals aufkommenden Rap und trugen Jeans und Seidenhemden. Es war trotz allem eine unbeschwerte Zeit fern ab der Verantwortung eines Erwachsenen.

 

Genau so präsentiert sich der Anfang des hier besprochenen Werks. Matthew Broderick sprach uns Kids aus dem Herzen mit seiner Abneigung gegen Lehrer und der Schule. Heute würde man den von ihm so toll gespielten David Lightman abschätzig einen „Nerd“ nennen, damals lösten seine Kenntnisse bei uns Kids Begeisterungstürme aus. Seine Lust auf Computerspiele, die Anlage in seinem Zimmer, selbst die Kleidung und natürlich seine süße Freundin Jennifer, herrlich unbeschwert von Ally Sheedy dargestellt, taten ein übriges, um uns zu begeistern.

Dazu gesellt sich eine zwar typische, aber heute vielleicht aktueller, denn je wirkende 80er Jahre Kalter-Krieg-Story, die von Regisseur John Badham recht geschickt in ein mögliches Weltuntergangs-Szenario eingebettet wurde. Die Drehbücher jener Zeit hatten oft genug einen mahnenden Charakter, sie wollten bei aller Unterhaltsamkeit auch auf Missstände aufmerksam machen. Wo heute eine multinationale, fast paranoide Terroristenangst präsent ist, war es damals die Angst vor einem Atomkrieg. Der Unterschied ist vielleicht, dass die Bedrohung damals spürbarer und vielleicht auch realer war.

Wargames ist in seiner Struktur zwar einfach gestrickt, dafür aber intelligent und nahezu perfekt inszeniert. Sicherlich ist die Figur des David etwas überzeichnet, doch die spannende Geschichte wiegt dies bei weitem auf. Der Großrechner WOPR wirkt auf mich auch heute noch überaus bedrohlich, zumal die Automatisierung, ich möchte fast sagen, der „Computerisierung“ von Militär- und Zivilleben heute derart Überhand genommen hat, dass für uns ein Leben ohne Computer undenkbar geworden ist. Wir leben mit den Annehmlichkeiten der modernen Elektronik und den Vorzügen des Internet, vergessen dabei aber allzu oft die negativen Auswirkungen, wie zum Beispiel die globale Überwachung, der wir heute alle mehr oder weniger freiwillig ausgesetzt sind.

 

Wie leicht es heute selbst für Jugendliche und Jung-Erwachsene geworden ist, in angeblich noch so sichere Systeme zu hacken, beweisen die jüngsten Cyberangriffe der letzten Jahre, z.B. der Gruppe „Lizzard Squad“, die in Systeme von Banken und großen Spielepublishern wie Sony Entertainment ohne größere Probleme eindringen konnten. Selbst der Computerriese Microsoft blieb nicht verschont, eben sowenig die Server diverser Regierungen. Man darf sich also nach wie vor die Frage stellen, wie sicher die militärischen Großrechner der Supermächte wirklich sind und ob das illegale Eindringen in diese Systeme 1. nicht möglich und 2. nicht verheerende Wirkung haben könnte. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass schon Anfang der 80er Jahre eine engagierte Hackerszene existierte, die allerdings weit weniger kriminelle Energie aufwies. Einige der in „Wargames“gezeigten Computerkenntnisse Davids basieren auf realen Szene-Praktiken, die teilweise heute noch in ähnlicher Form Anwendung finden. So ist etwa das Hacking in ein Programm über eine Hintertür durchaus möglich. Auch Davids Replay Angriff mit dem Diktiergerät auf das Tastenkombination-geschützte Türschloss im Sanitätsraum der Militärzentrale ist durchaus denkbar.

 

Tatsächlich, und das ist vielleicht der spannendste Aspekt an dem Klassiker von 1983, gibt es für das Thema des Films eine interessante Parallele, die jedoch erst in den 90er Jahren weltweit bekannt wurde. Am 26.9.1983 meldete das Verteidigungssystem der damaligen UdSSR in den frühen Nachtstunden eine amerikanische Atomrakete, die auf russisches Gebiet zusteuerte. Der diensthabende Offizier stufte die Meldung als Fehlalarm ein, da seiner Ansicht nach ein Angriff mit wesentlich mehr, als nur einem Atomsprengkopf erfolgt wäre. Er meldete den Vorfall, doch kurze Zeit später wurden weitere Abschüsse gemeldet, insgesamt 5 Stück.

 

Die Entwicklung der künstlichen Intelligenz, im Film „Joshua“ genannt und als eine Art Hintertür im Hauptprogramm, die sich der Erfinder von WOPR, Dr. Stephen Falken in Erinnerung an seinen Sohn einst einbaute, war damals noch ein weit entfernterTraum. Heute ist die Entwicklung so weit gediegen, dass die Spezialisten der Ansicht sind, in 20 bis spätestens 50 Jahren würden wir über Systeme verfügen, die den menschlichen Geist weit übertreffen. Worauf sich die Menschheit da zubewegt, die Gefahren, die das mit sich bringt, werden dabei gerne übersehen. Umso wichtiger sind heute Filme wie "Wargames", die mit ihrer Grundthematik des Kalten Krieges zwar veraltet sein mögen, aber ansonsten so aktuell wie nie zuvor sind.

Doch auch hier behielt Petrow gottseidank den Überblick und vertrat weiterhin die feste Überzeugung, die USA würden wenn, dann einen Großangriff starten, da die Gegenreaktion der Sowjetunion die totale Vernichtung des „Klassenfeindes“ zur Folge haben würde. Man stelle sich nur den Druck vor, unter dem der russische Offizier gestanden haben muss. Was, wenn er sich irrte? Doch am Morgen des Folgetages war schließlich klar, dass sich der Computer geirrt hatte und Sonnenreflexionen auf Wolken in der Nähe einer Air Force Basis in Montana als reale Abschüsse interpretierte. Petrows besonne Reaktion verhinderte so den dritten Weltkrieg.

 

Wenn also sowohl Inszenierung, als auch Drehbuch und Hintergründe gut zusammen passen, sind die Voraussetzungen zu einem echten Klassiker geschaffen und zu diesen kann man Wargames – Kriegsspiele heute durchaus zählen. Denn der Streifen begeisterte eine ganze Generation junger Menschen, die in einer Zeit aufwuchs, als Handies und Tablets unbekannt, Heim- PCs eine Seltenheit waren und das Internet noch in weiter Ferne lag.

persönliche Bewertung: 5/6