Quelle: Tele 5, Toei Animation. Bearbeitung: Reinhard Prahl)
Quelle: Tele 5, Toei Animation. Bearbeitung: Reinhard Prahl)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Königin der 1000 Jahre, alternativ: Queen Millennia, original: Shin Taketori Monogatari:Sen-nen Joō (1981)

Toei Animation, deutsche Erstausstrahlung: Tele 5 (1991),  bislang keine deutsche DVD Fassung;

Idee: Leiji Matsumoto, Regie: Nubotaka Nishizawa; Musik: Ryudo Uzaki und Tomoyuki Asakawa;

Titellied "Cosmos Dream" gesungen von: Masaki Takanashi

________________________________________________________________________________________________________________________________________

Synchronisation  
Hajime Amamori: Jens Wawrczeck der Chef der Diebe: Franz Josef Steffens
Die Königin der 1000 Jahre/Yayoi: Hansi Jochmann Yayois Vater: Peter Heinrich
Yayois Mutter: Hildegard Krekel der Mann im Trenchcoat: Walter Wiegand
Professor Amamori: Thomas Fritsch -

Besprechung:

Inhalt:

Nichts liebt der vierzehnjährige Hajime Amamori so sehr wie die Sterne. Das verwundert kaum, ist sein Vater doch Elektro-Ingenieur für Raumschiffantriebe und sein Onkel Leiter des größten und modernsten Observatoriums Japans. Als der Teenager daher eines Tages das versprochene, von seinem Vater selbst entworfene, Teleskop in seinem Zimmer vorfindet, ist er überglücklich. Doch die Freude wird jäh getrübt, denn als er sich auf dem Dach des Familienhauses den Sternenhimmel anschauen will, beobachtet er etwas Eigenartiges: ein Mann im Trenchcoat lungert unter einer Laterne herum und scheint die Amamoris zu observieren. Als Hajime seine Mutter ruft, ist der Mann fort. Am nächsten Morgen möchte der Junge seinen vielbeschäftigten Papa in dessen Werkstatt besuchen, doch als er näher kommt, blendet ihn ein leuchtend greller Schein. Ingenieur Amamori kann seinen Sohn gerade noch dazu bewegen, fortzulaufen, als das ganze Haus der Eltern in einem riesigen Flammenball explodiert. Nachdem klar ist, dass Vater und Mutter umgekommen sind und der Mann im Trenchcoat immer wieder auftaucht, keimt in Hajime ein schrecklicher Verdacht: wurde seine Familie ermordet? Aber wenn ja, warum? ...

 

Zeitgleich in der größten Sternwarte Japans: an dem Abend vor dem Tod des Bruders entdeckt Professor Amamori, Hajimes Onkel, gemeinsam mit seiner Assistentin Yayoi Yokino etwas, das die wissenschaftliche Gemeinschaft überrascht. Ein zehnter Planet befindet sich auf einer elliptischen Umlaufbahn um die Sonne und wird die Erde am 9.9.1999 und 9 Uhr und 9 Minuten sehr nah passieren. Dies könnte schreckliche Folgen für die ganze Welt nach sich ziehen - Erdbeben, Tsunamis, tektonische Plattenbewegungen, Vulkanausbrüche. Die Schwerkraft der fremden Welt würde die Erdkruste aufreißen lassen und Millionen, wenn nicht gar Milliarden Menschen den Tod finden lassen.

Zunächst hat der Astronom allerdings nicht viel Zeit, sich mit dem Phänomen zu befassen, denn als er erfährt, dass sein Bruder ums Leben gekommen ist, nimmt er sich des kleinen Hajimes an und holt ihn zu sich. Der kann seinen Onkel nach einigen beunruhigenden Vorfällen mit einer Organisation namens „Die Diebe der 1000 Jahre“ schließlich überzeugen, dass seine Eltern Opfer eines brutalen und feigen Mordes geworden sind. Während sich der fremde Planet als drohendes Unheil der Erde immer weiter nähert, suchen die beiden nun auch nach den Zusammenhängen, die zum Tod des geliebten Vaters, Bruders, der Mutter und Schwägerin führten....


Fazit:
ch bin kein allzu großer Manga- und Anime-Experte. Daher ist meine diesbezügliche Sammlung nicht sonderlich groß. Sicherlich finden sich einige repräsentative Werke, wie etwa Cowboy Bebob, Neon Evangelion, Saber Rider oder auch Captain Future darunter. Doch auf Die Königin der 1000 Jahre bin ich besonders stolz. Diese Serie ist bis heute meines Wissens in Deutschland nicht auf DVD/BD erschienen und tatsächlich verfüge ich noch über die damaligen Tele 5 Aufnahmen, die im Jahr 1991 ausgestrahlt wurden. Ich musste immer meinen VHS Rekorder programmieren, da die Sendung zu einer Zeit kam, in der ich meist noch auf der Arbeit war. Umso glücklicher bin ich, dass ich immer noch alle einundvierzig Folgen (eigentlich sind es zweiundvierzig, eine wurde jedoch nie ausgestrahlt) besitze.

Die Serie stammt vom japanischen Zeichner Leiji Matsumoto (u.a. Spacebattleship Yamato, Captain Harlock), der hier eher eine ungewöhnliche Figurenzeichnung gewählt hat. Während ein Teil der Haupt- und Nebenfiguren, so etwa Yayoi Yokino, der Chef der Diebe bzw. Selene, der Mann im Trenchcoat, sowie eigentlich fast die gesamte Erdbevölkerung relativ realistisch dargestellt ist, trifft dies auf exakt fünf Charaktere nicht zu: die Hauptfigur Hajime, seinen Onkel, den Eltern Yayois und Hajimes Vater. Sie alle zeichnen sich durch ein fast karikatives, comichaftes Aussehen aus, was sie gekonnt vom sonstigen Zeichenstil abhebt. Auf der einen Seite wurde dies häufiger von Zuschauern kritisiert. Auf der anderen Seite betrifft diese stilistische Eigenart genau jene Personen, die entweder Hajime, oder Yayoi den Wert der (Nächsten-) Liebe vermitteln, was dieser Entscheidung einer prominenten Bedeutung zuführt.

 

Die Geschichte selbst beruht mehr oder weniger lose auf dem mittelalterlichen japanischen Märchen „die Geschichte vom Bambussammler“ (Taketori Monogatari), im dem es um die Mondprinzessin Kaguya geht, die als Kind auf der Erde ausgesetzt wird. Sie wird von einem Bambussammler gefunden und von ihm und seiner Gattin gemeinsam wie ein eigenes Kind aufgezogen. Sie wächst zu einer, im Sinne des Wortes, „strahlenden Schönheit“ heran. Nachdem fünf Adlige und sogar der Kaiser um die gefreit haben, doch ihre Liebe letztlich nicht erringen konnten, kehrt sie in den Palast des Mondes und nie wieder zur Erde zurück.

Um den Beginn und das Ende dieser wundervollen Geschichte entwickelte Leiji Matsumoto eine nicht minder schöne  Science Fiction Story um die junge Yayoi vom Planeten Lametal, der sich in einer weiten Umlaufbahn um die Sonne bewegt und alle 1000 Jahre nahe an der Erde vorbeizieht. Die meiste Zeit ist die fremde Welt erstarrt, die Bewohner fristen ihr Dasein unter dem ewigen Eis. Deshalb werden kurz vor der kosmischen Begegnung die klügsten Köpfe der Erde entführt, um Lametal ewigen Wohlstand in der Zeit der Vereisung zu gewährleisten. Ihre Kinder und Kindeskinder werden als Sklaven in den Minen und Fabriken eingesetzt. Doch der Plan schlägt fehl, denn die junge Königin der 1000 Jahre entdeckt auf unserer Heimatwelt etwas ihr bislang Fremdes: dank Hajime, ihren Zieheltern und einigen anderen guten Menschen entwickelt sie Gefühle wie Nächstenliebe, Bruder- und Schwesterliebe, aber auch wahre Liebe. Dieser Teil hat zwar mit dem Märchen an sich nichts mehr gemein, gibt der Geschichte aber eine neue Richtung, die Matsumoto mit Spannung zu erzählen versteht.

Trotz dieser kindgerechten Thematik ist Die Königin der 1000 Jahre meiner Auffassung nach keine reine Jugendgeschichte. In Japan zieht man derartige Unterschiede sowieso eher weniger. Tatsächlich löste bereits Captain Future bei besorgten Eltern Entrüstungsstürme aus, da die Kinder- und Jugendserie für damalige Verhältnisse relativ hart war. Es kam nicht selten vor, dass geschossen wurde, oder gar jemand starb. Das war hier nicht viel anders. Doch 1991 war die Zeit gottseidank etwas weiter fortgeschritten. Die ersten Privatsender gaben nicht mehr allzu viel um erboste Elternbriefe und strahlten die Serie trotz ihres verhältnismäßig hohen Härtegrads dennoch vollständig aus. Darüber hinaus handelt es sich meines Wissens übrigens um das erste Science Fiction Anime überhaupt mit übergreifendem Handlungsbogen, dass in der BRD je gezeigt wurde. Insofern darf man Tele 5 für diese Pionierleistung durchaus dankbar sein.

 

Für mich ist Die Königin der 1000 Jahre daher ein wertvolles Stück Fernsehgeschichte und tolle Unterhaltung. Das empfinde ich heute nicht anders, als vor fünfundzwanzig Jahren. Titel- und Schlussmusik sind heute fast legendär, der Space Opera Anteil in meinen Augen so zeitlos, wie die gefühlvolle, tolle Geschichte. Action gibt es auch reichlich. Schade ist lediglich, dass es bisher anscheinend keine DVD- oder Blu Ray Veröffentlichung in deutscher Synchronisation gibt. Bleibt zu hoffen, dass dies irgendwann nachgeholt wird.

persönliche Bewertung: 5/6