Quelle: Cover und Bildzitate: WME Home-Entertainment
Quelle: Cover und Bildzitate: WME Home-Entertainment

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Mann aus dem Meer, alternativ: Der Mann aus Atlantis, original: The man from Atlantis (1977-1978)

Solow Production Company, DVD: WME Home-Entertainment; 4 TV Filme á 60 bis 90 Minuten und 13 Episoden á 45

Minuten; Produktionsland: USA; Produktion: Herbert F. Solow, Robert H. Justman, Herman Miller; Idee: Herbert F.

Solow; Idee: Herbert F. Solow, Mayo Simon, Musik: Fred Karlin

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Darsteller  
Patrick Duffy als Mark Harris Belinda Montgomery als Dr. Merrill
Alan Fudge als Crawford Jean Marie Hon als Jane
Kenneth Tigar als Dr. Miller Simon (TV Filme 1-3) Victor Buono als Schubert
Robert Lussier als Brent Anson Downes als Luftschleusenoffizier
Rene Auberjonois als Stargast Pernell Roberts als Stargast
 Pat Morita als Stargast  Laurette Spang als Stargast

Besprechung:

Inhalt:

Nach einem Sturm wird ein Mann am Strand gefunden. Die Ärzte können dem Sterbenden nicht helfen.

Da hat die Meeresbiologin Dr. Merrill den rettenden Einfall.

Sie bringt ihn zurück ins Meer, woher er kam, und der scheinbar Tote beginnt wieder zu atmen.

Ist er wirklich der letzte Bewohner von Atlantis, dem versunkenen Kontinent?

 

Auch der Computer im Institut für Meeresforschung, wohin man den Unbekannten bringt, kann seine wirkliche Herkunft nur vermuten.

Er bekommt den Namen Mark Harris.

Er schwimmt schneller als ein Delphin, kann tiefer als jedes U-Boot tauchen und entwickelt unter Wasser erstaunliche Kräfte.

Unter der Aufsicht von Dr. Elizabeth Merrill absolviert der Mann aus dem Meer eine Reihe schwieriger Tests.“

gesprochenes Intro des zweiten Films:


Fazit:

Als die Planungen für eine zweite Star Trek Serie bei NBC zunächst im Sand verliefen, andererseits aber der riesige Erfolg von Star Wars absehbar wurde, beauftragte der Sender Herbert F. Solow mit der Produktion einer Idee, die er einige Zeit zuvor gemeinsam mit Mayo Simon entwickelt hatte. Solow hatte Star Trek 54 Folgen als Executive in charge of Production (eine Art Geschäftsführer) zur Verfügung gestanden, während Simon die Drehbücher für Filme wie Verschollen im Weltraum, Phase IV oder Futureworld verfasst hatte. Die beiden bildeten also ein gutes Team und schlugen NBC schließlich ein Projekt namens The Man from Atlantis vor. Dass die Show einige erstaunliche visuelle Parallelen zu Star Trek aufweist, kann dabei kaum verwundern.Solow arbeitete mit zahlreichen Künstlern und Handwerkern zusammen, die bereits für das große Vorbild aktiv geworden waren. Hauptdarsteller Patrick Duffy berichtet etwa in einem 1977 mit dem US Moderator Mike Douglas geführten Interview, dass die Schwimmhäute zwischen seinen Fingern vom selben Künstler stammten, der auch Spocks Ohren hergestellt hatte.

Obwohl auch diese Serie den üblichen Kostensachzwängen einer TV Show unterworfen war, wurden allerdings vor allem die ersten vier TV Filme sehr aufwendig produziert.  Man baute zahlreiche Miniaturen, die man geschickt unter Wasser in Szene setzte. Auch kurze Stop Motion Sequenzen, Rückprojektionen und allerlei andere fotografische Tricks wurden angewendet. Das Team um Wayne Rose (u. a. Flucht ins 23. Jahrhundert, Knight Rider, Predator 2) leiste insgesamt sehr gute Arbeit. Hinzu kommt, dass die Sets sehr hochwertig gestaltet sind und nur als überaus gelungen zu bezeichnet sind. Das Art Departement wollte einen Stil, der zwar leicht futuristisch wirken, sich aber dennoch am damals aktuellen Navydesign orientieren sollte.

Unterwasseraufnahmen sind in der Regel kostspielig und erfordern eine große Crew. Daher verlegte man sich darauf, vor allem Nahaufnahmen von Duffy in einem kleinen Tank zu drehen. Dieser befand sich vor einem Blue Screen und war gerade groß genug, um zusätzlich die notwendigen Kulissen einsetzen zu können. Im oben bereits erwähnten Interview erwähnt der Hauptdarsteller, wie komplex sich die Aufnahmen gestalteten. Zugute kam ihm, dass er einige Jahre zuvor von seiner Schwester, einer Tauchlehrerin, zum Taucher ausgebildet worden war. Dennoch gestaltete es sich schwierig, unter Wasser Sprache zu simulieren, ohne Blasen zu erzeugen. Die langen Aufenthalte im Bassin verursachten außerdem eine Ohrenentzündung. Dennoch gelang es dem damals noch Unbekannten durch viel Übung, bis zu zweieinhalb Minuten ohne Atempause drehen zu können. Allerdings konnten nicht alle Aufnahmen im Studio bewältigt werden. Im Meer befand sich stets ein großes Team von Tauchern an seiner Seite, die ständig ein wachsames Auge auf Duffy hatten.

Nach dem großen Erfolg der ersten vier Filme entschied NBC schließlich, das Konzept in Serie zu schicken. Dazu wurden einige Änderungen vorgenommen, die retrospektiv betrachtet vielleicht ein Fehler waren. Zunächst wurde die sympathische Figur des Dr. Miller Simon (gespielt von Kenneth Tigar) herausgeschrieben. Dann weitete man Patrick Duffys Rolle aus. Er wurde nun der Captain des High Tech U-Bootes CETACEAN (zu deutsch: Wal). Im gleichen Atemzug wurden die Auftritte von Belinda Montgomery als Dr. Elizabeth Merrill reduziert. Außerdem wurden die Geschichten immer skurriler, während das Budget immer weiter zu schrumpfen schien. So begibt sich der Mann aus Atlantis etwa in eine andere Dimension, die er durch ein Loch auf dem Meeresboden erreicht. In einer weiteren Folge züchtet Mr. Schubert, Marks unsäglicher Gegenspieler, eine Riesenqualle, die ganze Haie verspeist. Eine obligatorische Westernfolge, in der Harris seinen Zwillingsbruder wiederfindet, darf ebenso wenig fehlen, wie ein energetisches Kraftfeld auf dem Meeresgrund, hinter dem sich eine eigene Welt befindet. Stil und Kulissen, vor allem dieser Folge, scheinen dabei direkt der Mitte der 60er Jahren entsprungen zu sein. Pappmaché , Sperrholz und zu viel Farbe bestimmen das Bild, so dass sie den Sehgewohnheiten der Zuschauer der Spät-70er tatsächlich um Jahre hinterherhinkt. Hinzu kommt dann noch, dass das Auftauchen von Mr. Schubert immer unlogischer wird und kaum mehr für  Abwechslung sorgt.

 

Das ist schade, denn auch diese Fehlentscheidungen führten zum vorzeitigen Aus einer Science Fantasy Serie, die für die damalige Zeit einen völlig neuen Ansatz verfolgte und daher grundsätzlich sehr mutig war. Zu bedenken ist, dass bereits Jahre zuvor Star Trek bei den TV Zuschauern gescheitert war. Kurze Zeit später sollte heutigen Klassikern wie Kampfstern Galactica oder Buck Rogers in the 25th Century dasselbe Schicksal widerfahren. Es mag durchaus möglich sein, dass sich Solow in einer von Western, Krimi und Familiencomedy geprägten Fernsehwelt einfach zu weit aus dem Fenster gelehnt hat. Denn auch, wenn die ein oder andere Episode heute etwas arg trashig (und daher unfreiwillig komisch) wirkt, steckt Der Mann aus dem Meer doch voller toller Ideen. Mehr als die Hälfte der Serie ist nach meiner Ansicht absolut sehenswert.

Für Patrick Duffy bedeutete seine Hauptrolle den Start seiner Karriere in Hollywood. Eine Woche nach dem vorzeitigen Ende erhielt er eine Hauptrolle in „Dallas“ und wurde zum Superstar. Die kanadische Schauspielerin Belinda Montgomery hatte sich bereits Mitte der 60er Jahre einen gewissen Bekanntheitsgrad erarbeitet. Sie wirkte bislang in etwa einhundert Produktionen mit, darunter so bekannte Serien wie „Die Straßen von San Francisco“, „Marcus Welby M.D.“, „The Love Boat“, Street Hawk, „Simon & Simon“, oder „Miami Vice“. 2010 war sie in Tron Legacy zu bewundern.

 

Zur Box:

Tatsächlich hat es die Show trotz ihrer vorzeitigen Einstellung im Laufe der Jahre zu einer ansehnlichen Fangemeinde gebracht. Das führte dazu, dass die Serie zunächst als Einzel DVDs, und im Jahr 2016 schließlich in einer Gesamtbox erschien. Diese wurden von dem, offenbar noch recht jungen, Distributor WME Home Entertainment aufgelegt. Der Behauptung, dass die Serie vollständig restauriert worden sei, kann ich dabei nur teilweise zustimmen. Vor allem der Pilotfilm wurde meines Erachtens nicht sonderlich sorgfältig bearbeitet.Das Bild ist für eine digitale Restauration viel zu körnig und es sind noch immer Schmutzpartikel erkennbar. Die Serie selbst ist technisch aufwendiger bearbeitet worden. Das Bild ist klarer, der Ton besser. Schade ist weiterhin, dass es weder Untertitel, noch irgendwelche Extras gibt, obwohl diese existieren. Bei meinen Recherchen stieß ich auf ein etwa 15minütiges Interview zwischen dem US-Moderator Mike Douglas (The Mike Douglas Show war eine beliebte US Talkshow, die zwischen 1961 und 1981 lief), Patrick Duffy und Belinda Montgomery, dass für den Fan einen schönen Bonus dargstellt hätte. Anbei die Links zu den Videos:

 

The Mike Douglas Show Teil 1

The Mike Douglas Show Teil 2

The Mike Douglas Show Teil 3

The Mike Douglas Show Teil 4

 

persönliche Bewertung: 4/6