Quelle: Cover und Bildzitate: Pidax
Quelle: Cover und Bildzitate: Pidax

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das verbotene Spiel (1979)

 

TV 2000, WDR, Pidax Serienklassiker,  3 Teile á 30 min, Produktionsland: BRD; Regie: Georg Moorse 

 

Buch: Nenad Djapic; Produktion: Günter Herbertz;  Kamera: Klaus Werner, Tony Hofmann; Musik: Edgar Froese

_____________________________________________________________________________________________________________________________________

Darsteller Spalte 2
Dieter Schidor als Lehrer Gen Wilfried Schröpfer als Gat
Y Sa Lo als Ala Rudolf Schündler als der Älteste
Martina Rackelmann als Asa Robinson Reichel als Jet
Wolfgang Sebastian Baur als Gos Florian Halm als Jer

Besprechung:

Inhalt:

Das Jahr 3088. Es gibt keine Kriege, kein Hunger, keine Krankheiten mehr. Die Menschheit lebt friedlich, von einem Ältestenrat regiert, in kleinen Waldsiedlungen zusammen. Allerdings sind Spiel und Fantasie unter Androhung der Verbannung verboten, denn Spiel führt zu Streit, Streit zu Gewalt und Gewalt zu Krieg!

 

Um den Kindern dieser fast perfekten Zukunft die Vorzüge einer solchen Gesellschaftsform zu vermitteln, werden kleine Gruppen zusammen mit einem Lehrer für kurze Zeit in die schlimmsten Epochen der Menschheitsgeschichte gesandt. Als der Lehrer Gen und die drei Kinder Jet, Jer und Asa in die „Epoche der sterbenden Fische“, die ausgehenden 70er Jahre, gesandt werden, geschieht jedoch etwas unvorhergesehenes: die Zeitreisenden treffen ausgerechnet auf ein kleines Marionettentheater und schlimmer noch: die beiden Darsteller schenken ihnen einen Kasper. Als die vierköpfige Gruppe die Marionette dann auch noch mit in die Zukunft nehmen, ist der Ältestenrat außer sich und ergreift Maßnahmen, die eigentlich seit Jahrhunderten abgeschafft sein sollten...


Fazit:

Es gab mal eine Zeit, in ferner Vergangenheit, da bestand das Fernsehen in Deutschland tatsächlich nur aus drei Programmen. Vor 8.00 Uhr Morgens und nach 01.00 Uhr Nachts gab es lediglich ein Testbild zu bewundern und Serien in Endlosschleifen waren noch Zukunftsmusik. Lang lang ist' s her, im Fall von Das verbotene Spiel mehr als 35 Jahre. Zur Zeit der Erstausstrahlung der Serie war ich noch elf Jahre jung, kurz vor meinem 12. Geburtstag. Ich muss zugeben, bis ich die DVD des Labels PIDAX in meinen Händen hielt, konnte ich mich absolut nicht mehr an diesen Dreiteiler aus ferner Vergangenheit erinnern.

 

Als ich den ersten Teil nun gestern anschaute und den wundervollen Rudolf Schündler (deutscher Film- und Fernsehschauspieler und Regisseur seit den 20er Jahren und Gründer des legendären Kabaretts „Die Schaubude“ in München) wiedersah, fiel es mir so langsam wie Schuppen von den Augen. Ich erinnerte mich allmählich wieder, wie ich als Kind gebannt vor dem in meinem Zimmer stehenden alten Schwarz/Weiß Löwe Fernseher gesessen habe. Als Hauptdarsteller ist der leider bereits mit 39 Jahren 1987 an den Folgen eines Selbstmordversuches und AIDS verstorbene Dieter Schidor zu sehen. Der hatte, obwohl noch recht jung, bereits eine recht beeindruckende Karriere hinter sich. 1971 spielte er im ebenfalls legendären Adventsvierteiler „Der Seewolf“ mit. 1976 war er in „Satansbraten“ (Regie: R. W. Fassinder) zu sehen und 1977 brillierte er im Kriegsfilmklassiker „Steiner – Das Eiserne Kreuz“. Darüber hinaus war er den Fernsehzuschauern aus zahlreichen „Derrick“-, „Tatort“- und „Der Alte“-Auftritten bekannt. Zusammen mit Schündler und dem damals noch jungen Robinson Reichel sind also die schauspielerischen Zutaten für einen Fan mit Hang zur TV- und Filmnostalgie wie mich absolut gegeben.

Eine Kurzserie wie diese auch heute noch zu mögen, steht absolut nichts im Wege, auch wenn die Optik inzwischen angestaubt sein mag. Doch abgesehen davon hat das Werk vor allem thematisch einiges zu bieten. Die Geschichte ist relativ schnell zusammengefasst: im Jahr 3080 hat die Menschheit nach verheerenden Kriegen einen neuen Weg eingeschlagen. Es gibt keinen Hunger, keine Kriege, keine Not. Man lebt mit und von der Natur in kleinen Zeltsiedlungen. Die drei wichtigsten Berufe sind Pflanzer, Lehrer und Helfer (eine Art Polizei- und Überwachungsorgan). Regiert wird diese Zukunft vom Ältestenrat. Der ist allerdings der Meinung, dass Eigenschaften wie Fantasie und Spieltrieb nur Verderben über die Menschen bringen können, denn wer spielt, streitet auch. Streit führt wiederum zu Krieg und Tod, so die Philosophie. Deshalb sind Spiel und Fantasie in dieser (allerdings nur fast) perfekten Zukunft verboten. Um die Rechtmäßigkeit dieser Maßnahme zu untermauern, werden kleine Gruppen Kinder mit einem Lehrer mittels einer Zeitmaschine in die schlimmsten Epochen der Menschheit geschickt.

Als eine dreiköpfige Gruppe von Kindern zusammen mit ihrem Lehrer namens Gen in die „Epoche der sterbenden Fische“, die ausgehenden 70er Jahre, geschickt werden, tritt etwas Unvorhergesehenes ein. Die Vier treffen auf die Schausteller eines Marionettentheaters, die ihnen prompt einen Marionettenkasper schenken. Zurück in der Zukunft löst dieser Vorfall eine Welle des Kontrollzwangs aus, der bald diktatorische Züge anzunehmen beginnt, denn die Existenz des Kaspers führt dazu, dass die Kinder und Lehrer der ganzen Siedlung beginnen, selbst Spielzeug herzustellen. Ein „Räumkommando“ unter Führung eines Helfers wird ausgesandt, alles Spielzeug und das zur Herstellung benötigte Werkzeug, sowie die auf Kristallen gespeicherten Anleitungen zu konfiszieren und zu verbrennen.

Natürlich drängen sich dem aufmerksamen Betrachter Parallelen zur Kristallnacht des 3. Reiches auf, die wohl auch völlig beabsichtigt waren. 1979 lag die Zeit des Nationalsozialismus noch nicht so weit weg, wie es uns heute erscheint. Es gab noch eine ganze Generation verhältnismäßig junger Menschen, die unter den Einflüssen der Hitlerjugend aufgewachsen waren. So verwundert es kaum, dass viele Jugendprogramme dieser Zeit auch einen Bildungsanspruch verfolgten, der darauf abzielte, den jungen Zuschauern vor Augen zu führen, wie wertvoll Demokratie und Freiheit sind. Das mag uns heute ein wenig aufgesetzt erscheinen, mit dem erhobenen Zeigefinger sozusagen, doch bin ich der Ansicht, dass Das verbotene Spiel gerade aus diesem Plot seinen Wert bezieht.

 

Die Tatsache, dass hier Science Fiction als Aufhänger genommen wurde zeigt darüber hinaus, dass man schon damals in Deutschland verstanden hatte, dass dieses Genre mehr als Strahlenkanonen und Laserschwerter bereit hielt. Der Beginn des Films regt eben jene Fantasie an, die vom Ältestenrat so verteufelt wird und führt sanft in die eigentliche Geschichte ein. Das ist gut gelungen und verfehlt, zumindest auf mich, seine Wirkung auch heute nicht. Untermalt wird die Geschichte von der wundervollen Musik von Edgar Froese, Leader der weltbekannten Band Tangerine Dream, die mit ihren Elektrosounds in den 70er Jahren für Furore sorgten. Froese erschuf einen durchaus futuristischen Sound, der prima zur Geschichte passt und nie aufdringlich oder überzogen wirkt.

 

So liegt hier ein von Pidax gefühlvoll restauriertes Stück Fernsehgeschichte vor, dessen erneutes Anschauen beim ein oder anderen sicherlich schöne Erinnerungen an eine Kindheit auslösen dürfte, die nicht von Handy, Tablet und Internet beherrscht wurde, eine Zeit, in der man sich noch an Puppen, Fliegern, Kreiseln und Kindermasken erfreute. Heutigen Kids wird man das Werk vielleicht eher weniger ans Herz legen können, es sei denn, um einmal zu zeigen, wie Papa und Mama damals gelebt haben. Es gibt weder CGI, noch andere großartige Spezialeffekte, keine Raumschiffe und keine Laserschwerter, sondern nur eine gut erzählte und inszenierte Geschichte, bei der ein Kind zuhören und zuschauen kann, ohne an Reizüberflutung zu leiden. Aber wer weiß? In einer Zeit, in der auch Pipi Langstrumpf und Michel aus Lönneberg immer noch große Erfolge feiern, hat vielleicht auch Das verbotene Spiel immer noch seine Berechtigung. Bei mir zu Hause ist der 3Teiler jedenfalls gar nicht mal schlecht angekommen.

persönliche Bewertung: 4/6