Quelle: DVD Cover: UK Import, Szenenfotos: 20th Century Fox, TV Mitschnitt
Quelle: DVD Cover: UK Import, Szenenfotos: 20th Century Fox, TV Mitschnitt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Alien Nation, Original: Alien Nation (1988-1989; 1994-1997)

 

20th Century Fox, Produktionsland: USA; 1 Kinofilm á 91 min, 1 Pilotfilm á 90 min, 20 Episoden á ca. 45 min, 5

 

Fernsehfilme (1994-1997) á ca. 90 min; Idee: Kenneth Johnson: Produktion: Kenneth Johnson: Musik: Joe Harnell, SteveDorff

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Darsteller  
Gary Graham als Detective Matthew Sykes Eric Pierpoint als Detective George Francisco
Jeff Doucette als Burns
Lauren Woodland als Emily Francisco
Michele Scarabelli als Susan Francisco
Jeff Marcus als Albert Einstein     
Lawrence Hilton-Jacobs als Sergeant Dobbs Terri Treas als Cathy Frankel    
Sean Six als Buck Francisco Ron Fassler als Captain Brian Grazer

Besprechung:

Inhalt:

Im Jahr 1991 notlandet in der Mohavewüste ein Raumschiff mit 250000 Alien-Sklaven an Bord. Niemand weiß, woher die Außerirdischen stammen, oder wohin sie wollten. Kurz nach der Landung wird das Schiff zerstört, also gibt es keine Möglichkeit, nach Hause zurück zu kehren. Nach einer endlos erscheinenden Quarantänephase werden die „Newcomer“ in L.A. angesiedelt, wo schnell ein neues Ghetto, "Slagtown", entsteht. Die Slags sind bei den Menschen wenig beliebt, doch sie verfügen über den Vorteil einer überlegenen Stärke und Intelligenz, die es einigen von ihnen ermöglicht, sich schnell auf der Erde zu integrieren und mit ihrem Wissen in gute Positionen, z.B. als Ärzte, Biologen oder auch Polizisten, aufzusteigen.

 

 

Einer dieser Aufsteiger ist der Polizist Detective George Francisco, der mit seiner Frau, seiner kleinen Tochter und einem pubertierenden Sohn in einer der besseren Gegenden L.A.'s wohnt. Er wird der Partner von Detective Matthew Sikes, der in einem Feuergefecht mit einer „Slag-Bande“ seinen Partner und Freund verloren hat. Naturgemäß tut sich Sykes schwer mit seinem neuen Kollegen und so kommt es zu einigen Schwierigkeiten. Als jedoch eine Puristenvereinigung immer stärker wird, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Georges Kind nicht einschulen zu lassen, greift der engagierte Detective beherzt ein und gewinnt, ob er will oder nicht, das Herz der Familie Franciso. Kaum ist jedoch so etwas wie eine beginnende Freundschaft entstanden, machen Gerüchte die Runde, dass sich einige Slags in eine Art Rieseninsekt verwandeln und Menschen töten, um sie zu essen. Seltsamerweise wird die Geschichte immer brisanter, als eine Abstimmung darüber, ob die Newcomer in Zukunft wählen dürfen, kurz bevor steht. Sykes und Francisco müssen den Fall schnell lösen, denn die Emotionen kochen hoch und die Übergriffe auf Aliens häufen sich dramatisch...


Fazit:

Ich finde es manchmal unglaublich, wie komplex Fernsehserien sein können, auch wenn Sie nur eine Staffel lang Bestand hatten. Die Serie „Alien Nation“ von 1989 ist so ein Fall. Die kahlköpfigen und gefleckten „Newcomer“, die von den Menschen nur verächtlich „Slags“ genannt werden, gehören zu den am besten entwickeltsten Alienrassen, an die ich mich in der Serienlandschaft der 80er und frühen 90er Jahren erinnern kann. Dabei fing alles mit dem recht erfolgreichen Kinofilm:Space Cop L. A. Alien Nation 1991 an, in dem der spätere Serien-Hauptdarsteller Gary Graham noch gar nicht vorkommt. In der Pilot-Doppelfolge gibt es einen Rückblick, in dem der eigentliche Hauptdarsteller des Films, James Caan, kurzerhand herausgeschnitten und dafür eigens mit Gary Graham neu gedrehte Sequenzen eingefügt wurden. Das ist nichts ungewöhnliches, ähnliches kann man auch bei "Stargate" (Kurt Russel/Richard Dean Anderson) beobachten.

 

Kenneth Johnson, der zusammen mit Glen A. Larson maßgeblich an Serien wie Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann und Die Sieben-Millionen-Dollar-Frau, aber auch der Ideengeber von Der unglaubliche Hulk, und V - die außerirdischen Besucher kommen (eine meiner Lieblingserien) war, übernahm die Grundzüge aus dem Film und dachte sich davon ausgehend eine komplexe Kultur inklusive einer Sprache mit Klickgeräuschen (ähnlichen den Buschleuten in Südafrika) aus, die den Zuschauer in jeder Folge tief in die jeweils aktuelle Geschichte abtauchen lässt.

Dabei sehen die Außerirdischen abgesehen von ihren etwas seltsam geformten Kahlköpfen, ihren Ohren und den Flecken, die bis zur Schulter reichen, wie ganz normale Menschen aus. Als ich die Show zum ersten mal sah, war ich zwar sofort von der Geschichte begeistert, dass die Aliens in einem riesigen Raumschiff auf der Erde gestrandet sind (was mich übrigens sehr an „District 9“ erinnert), auch fand ich die Kameraeinstellung mit dem riesigen Ufo über der Mohave Wüste überaus faszinierend, doch als ich die Slags sah, war ich dann doch erst mal ein wenig enttäuscht.

Das änderte sich aber schnell. Die Newcomer waren Sklaven in ihrer Welt, doch sind sie den Menschen weit überlegen. Da für die Sklavenarbeit eigens gezüchtet, sind sie wesentlich stärker. Geruchs- und Sehsinne sind weiter entwickelt und sie können sich nahezu jeder Atmosphäre anpassen. Darüber hinaus sind sie wesentlich intelligenter, als die meisten Menschen. Einige Jahre verbrachten sie in Quarantäne, bis sie sich in Los Angeles ansiedeln durften. Dort entstand schnell ein Ghetto, aus dem es allerdings mehr und mehr Newcomer heraus in eine bessere Gegend schaffen.

 

Immer für einen Gag gut sind die Unterschiede in der Nahrungsaufnahme. Die Aliens vertragen keine gekochte Nahrung und scheinen rohes Biberfleisch zu lieben. Außerdem ähnelt die Wirkung saurer Milch der des Alkohol bei Menschen. Salzwasser wirkt auf die neuen Erdbewohner jedoch wie Salzsäure auf Menschen.

Selbst eigenständige Religionen erdachte Johnson: die meisten Newcomer sind Anhänger der Lehre von „Andarco und Celine“, einem jungen Paar, dass es laut Legende wider alle Umstände auf mystische Art und Weise geschafft hatte, die Freiheit zu erlangen. Andere hängen einer eher inneren Philosophie nach, die ein wenig an den Buddhismus erinnert.

Das alles klingt zwar erst einmal banal, schafft aber aufgrund der zahlreichen, teils feinen, Unterschiede zwischen Menschen und Slags eine dichte Atmosphäre. Um zusätzlich einen Gegenpol einzubauen, erdachte Kenneth Johnson die „Aufseher“, die nach der Bruchlandung des Raumschiffs untertauchten und starke Kontakte zur Unterwelt pflegen. Unsere beiden Helden Matthew Sykes (hervorragend gespielt von Gary Graham, Robo Jox) und Detective George Francisco (die Rolle ist Schauspieler Eric Pierpoint wie auf den Leib geschrieben), bekommen es immer wieder mit diesen skrupellosen Verbrechern zu tun, die nichts unversucht lassen, Macht über die Newcomer auszuüben. So gibt es etwa eine stark abhängig machende Droge, eine Krankheit, die nur Slags befällt, oder auch ein Gas, dass im Raumschiff versprüht wurde und die 250000 Sklaven gefügig hielt.

 

Die Idee gefiel mir persönlich sehr gut. Sie gleicht die Tatsache aus, dass die Serie insgesamt gesehen kaum große Spezialeffekte bietet. Da die Story auf der Erde im Jahr 1991 angesiedelt ist, ist dies auch kaum nötig. Erst in den später gedrehten Filmen sollte es einige Weltraum- und Raumschiff-Spezialeffekte geben. Tatsächlich vermisste ich das auch nie, denn erstens waren die Geschichten immer super erzählt, zweitens die Schauspieler klasse und drittens tauchten immer mal wieder Alien-Artefakte, Waffen oder anderes Material auf, was das Science Fiction Feeling aufrecht erhielt.

Mir machte es auch immer große Freude, George' s Familie dabei zu beobachten wie sie versucht, sich in einer der besseren Gegenden Los Angeles zu etablieren. Im ersten Teil der Serie gibt es eine Puristenvereinigung, die den Aliens das Recht auf ein anständiges Leben absprechen will. Zynischerweise gehören dieser Vereinigung sogar Schwarze an, obwohl gerade diese Bevölkerungsgruppe es besser wissen müsste.

Auf diese Weise fasst Johnson auch immer wieder heiße Eisen an. Vor allem die Themen Rassenhass und Sklaverei ist für eine Serie wie diese ja prädestiniert und so ließ es sich Kenneth Johnson auch nicht nehmen, diesen Themenkomplex immer wieder aufzugreifen und so einen schlimmen Teil der amerikanischen Geschichte ein wenig aufzuarbeiten.

 

Für den Witz in der Serie sorgen sowohl die Unterschiede, als auch die Missverständnisse zwischen beiden Völkern. Es entstehen schon lustige Situationen, wenn George stark blinzelt, weil er erkältet ist, oder er das Attribut „komischer Kauz“ als Kompliment für sein nicht vorhandenes komisches Talent auffasst. Von derartigen kleinen „Nickeligkeiten“ wimmelt es in Alien Nation. So bietet die Show Folge für Folge Spannung, Witz und Ernst. Was will man mehr?

Dass es Alien Nation trotz des Erfolges der Serie nicht auf eine zweite Staffel brachte, wird wohl auf ewig eines der vielen Rätsel der Fernsehlandschaft bleiben. Mitte der 90er erkannten die Verantwortlichen wohl, dass es eine viel größere Fangemeinde gab, als man glaubte. Die Serie hörte mit einem Cliffhanger auf. Zahlreiche Fanaktionen und Wiederholungs- und Wiederaufnahmewünsche, sowie hervorragende Einschaltquoten während der Wiederholungen sorgten dafür, dass die Serie 1994 mit einem 90 minütigen Spielfilm wieder ins Leben zurück kehrte. Von 1994 bis 1997 entstanden so fünf Fernsehfilme:

1994: Alien Nation: Dark Horizon,

1995: Alien Nation: Die neue Generation (Body and Soul)

1996: Alien Nation: Millenium

1996: Alien Nation: Der Feind ist unter uns (The Enemy within)

1997: Alien Nation: Das Udara-Vermächtnis (The Udara Legacy)

 

Sie führen den Erzählstrang zu einem vernünftigen Ende, so dass man sich als Fan wenigstens in diesem Fall „befriedigt“ zurück lehnen kann, wenn man alle Folgen und Filme gesehen hat.

persönliche Bewertung: 5/6