Quelle: Universal Home Entertainment, RTL Nitro
Quelle: Universal Home Entertainment, RTL Nitro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Airwolf, original: Airwolf (1984-1987)

Bellisarius Productions. Universal TV, RTL Nitro (derzeitig ausstrahlender Sender)

1 Pilotfilm á ca. 90 min und 77 Episoden á ca. 45 min in 4 Staffeln; 4. Staffel mit komplett neuer Besetzung,

inoffiziell Airwolf II; Produktionsland: USA, Produktion und Idee: Donald Bellisario; Musik: Sylvester Levay

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Darsteller  
Jean Michel Vincent als Huckleberry Hawk Ernest Borgnine als Dominic Santini
Alex Cord als Archangel Deborath Pratt als Marella
Barry van Dyke als Saint John Hawke (Staffel 4) Michelle Scarabelli als „Jo“ Santini (Staffel 4)
Geraint Wyn Davies als Major Mike Rivers (Staffel 4) Anthony Sherwood als Jason Locke (Staffel 4)

Besprechung:

Inhalt:
Der Waffenexperte und Wissenschaftler Dr. Charles Moffet entwickelt einen Superhubschrauber, der den Forschungen anderer Länder um Jahre, wenn nicht Jahrzehnte voraus ist. Das AIRWOLF genannte Gerät ist nicht nur in der Lage über Mach 1 zu fliegen, sondern verfügt auch über Laserkanonen, sowie die fortschrittlichsten Lenkraketensysteme und Sensoren seiner Zeit. Während der ersten offiziellen Vorführung stiehlt Mofett seine Erfindung jedoch, nachdem er jedes einzelne Mitglied des Entwicklerteams ermordet hat. Lediglich „Archangel“ sein einstiger Vertrauter und seines Zeichens Chef einer „Firma“ genannten US-Geheimorganisation, überlebt schwer verletzt. Ein verkrüppeltes Bein und der Verlust eines Auge sind die Langzeitfolgen des heimtückischen Verrats.

Gemeinsam entscheiden sie, dass das Gefährt das Gleichgewicht der Mächte so entscheidend verändern könnte, dass er keinesfalls den US Militärs in die Hände fallen darf. Zu groß ist die Gefahr, dass das Pentagon eine Armada AIRWOLFS bauen ließe. Dennoch erklären sich Santini und Hawk bereit, für Archangel heikle Aufträge für „die Firma“ anzunehmen und ihrer Heimat auf diese Weise zu dienen. Von nun sind sie die Feuerwehr wenn es darum geht, gegen Terroristen, Schurkenstaaten, Kartellbosse und Bösewichte aller Art vorzugehen. Doch auch Freunden hilft Hawk immer wieder, denn letztlich verstehen Dominic und er, dass der Hubschrauber viel Gutes bewirken kann, wenn er richtig eingesetzt wird. Doch sie müssen auf der Hut sein. Archangel und die Militärs wollen um jeden Preis erfahren, wo AIRWOLF versteckt ist...

 

Nach seiner Genesung beauftragt Archangel seinen Freund, den Airwolf-Testpiloten Stringfellow Hawk, mit der Wiederbeschaffung AIRWOLFS der sich inzwischen in der Hand der Libyer befindet. Hawk ist abgesehen von Moffet der einzige Mensch, der „die Lady“ fliegen kann. Die physischen und psychischen Anforderungen sind für einen Untrainierten zu hoch. Als Copilot dient ihm sein Ziehvater und alter Freund Dominic Santini, der seit dem Koreakrieg ein erfahrener Pilot ist. Der Auftrag stellt sich als extrem hart heraus, doch letztlich schaffen es die Beiden, den Wunderhubschrauber zurückzubekommen.


Fazit:
Die 80er und frühen 90er Jahre waren, zumindest was die SciFi angeht, das Zeitalter der futuristischen Fahrzeuge. Die erste große Computerwelle war im Gang.  Atari und  Nintendo NES Konsolen machten die Kinderzimmer unsicher. Der Commodore 64 hatte es als einer der ersten massenhaft verkaufen Heimcomputer möglich gemacht, technische Innovation und ungeahnte Möglichkeiten direkt ins heimische Wohnzimmer zu bringen. Kein Wunder also, dass Produzenten wie Glen A. Larson (Knight Rider), Donald P. Bellisario (Airwolf), das Team Lansbury/Belous/Wolterstorff (Street Hawk) und etwas später M. Berk, D. Schwartz und G. J. Bonann mit Thunder in Paradise, sich für ihre jeweiligen Boliden allehand Schnickschnack einfallen ließen.

So verfügten sowohl K.I.T.T, als auch Street Hawk und „die Lady“ über eine fast undurchdringbare Panzerung, Supergeschwindigkeit, einen GPS Vorgänger (für die Jüngeren: es gab tatsächlich mal Zeiten ohne Google Maps und Navi), sowie die fortschrittlichsten Radar- und Waffensysteme, die man sich in dieser Zeit vorstellen konnte. Natürlich gehörten auch Supercomputer dazu, die klein genug waren, in ein Auto oder auf das Cockpit einer Honda zu passen. Heute im Zeitalter von Laptops und Smartphones mit Achtkernprozessoren und vier Gigabyte RAM mag das altbacken klingen, doch in jenen Tagen stellte man sich die Zukunft eben so vor. Da man darüber hinaus Actionszenen nicht am Computer frisieren konnte, drehte man sie von Hand. Das Budget für Actionserien war daher relativ üppig bemessen. Der heimliche Star der Show, also das Wunderfahrzeug, sollte mindestens zwei mal voll zur Geltung kommen. Das erforderte Stunts, Pyrotechniker, Setbauer und mehrere Kameraleute, die die jeweilige Szene aus unterschiedlichen Blickwinkel filmen mussten.

Airwolf war indes noch eine eigene Hausnummer, da „die Lady“ eben ein Hubschrauber war und entsprechend viele Luftaufnahmen erforderte. Der optisch modizifizierte Bell 222 sah absolut klasse aus und die für die Show gecasteten Mimen gefielen mir auf Anhieb. Jean-Michel Vincent war der All American Sunnyboy, gutaussehend, immer cool, mutig und stets bereit, das Richtige zu tun. Kurz und gut: er war so, wie man als junger Mann in dieser Zeit gerne sein wollte. Inerhalb der drei ersten Staffeln, die er den Stringfellow Hawk gab, mauserte er sich  zum bestbezahlten US-amerikanischen TV-Schauspieler seiner Zeit. Das führte dazu, dass er, als Airwolf an einen anderen Sender überging, der wesentlich kostengünstiger produzieren wollte, entlassen wurde. Leider erholte sich Vincent davon nicht wirklich. Schon während der Dreharbeiten zur Serie hatte er mit Drogen- und Alkoholproblemen zu kämpfen. Als in der Nachfolge die Angebote ausblieben, verschlimmerte sich seine Sucht noch. Heute ist er ein gebrochener Mann, der aufgrund von Unfällen ein Bein und seine Stimmbänder eingebüßt hat. Er ist hochverschuldet und nur noch ein Schatten seiner selbst (siehe Quellen weiter unten)

Mit Ernest Borgnine als Dominic Santini gewann Universal einen meiner Lieblingsschauspieler für die zweite Hauptrolle Borgnine war seit 1951 im Geschäft und unter anderem in Klassikern wie „Verdammt in alle Ewigkeit“ (1953); „Vera Cruz“ 1954), „Die Wikinger“ (1958), „Das dreckige Dutzend“ (1967) und später in vielen Science Fiction Produktionen wie Die Klapperschlange, Der Schatz im All, Gattaca u.v.m zu sehen. In seiner langen Karriere wirkte er in über 200 Produktionen mit. Er starb am 08. Juli 2012 im gesegneten Alter von 95 Jahren. Alex Cord gab den geheimnisumwitterten Arc Angel, der dem zweiköpfigen Team Aufträge "der Firma" zuschusterte. Seine Rolle deckte sich im Großen und Ganzen mit der von Edward Mulhare als Devon Miles in Knight Rider. Arc Angel war vielleicht noch etwas undurchsichtiger, immer zwischen seiner Freundschaft zu Huckleberry und seinen Pflichten hin und hergerissen. Außerdem trug er stets einen extravaganten weißen Anzug, cool!

Bereits zum Ende der ersten Staffel gab es Schwierigkeiten zwischen Universal und Bellisario, die die Sendung trotz ihres großen Erfolges familientauglicher gestaltet sehen wollten. Es sollte eine weibliche Identifikationsfigur eingeführt werden. Universal setzte sich schließlich gegen den Produzenten durch und so standen Hawk und Santini ab Folge 1x22 die (später ehemalige) Polizistin Caitlin O'Shannessy, gespielt von Deborah Pratt, zur Seite. Mich störte das nicht wirklich. Der für damlige Verhältnisse deftige Actionanteil blieb weitestgehend erhalten, die Geschichten drehten sich nach wie vor um Verbrecher- und Schurkenstaaten. Manchmal jagte man auch einen verrückten Wissenschaftler oder half einem Freund. Doch auch ernstere Themen wie Rassenhass oder Ausgrenzung von behinderten Menschen wurden thematisiert, wenn auch eher am Rande. Alles in allem war meine kleine Fanwelt in Ordnung, bis ich die letzte Folge von Staffel 3, und noch schlimmer, die erste von Staffel 4 sah. Inzwischen hatten Bellisario und der ausstrahlende Sender CBS hingeworfen und Airwolf war vom USA Network aquiriert worden. Das bedeutete in erster Linie eines: Kosteneinsparungen. Alle Hauptdarsteller wurden ausgestauscht und der Produktionsstandort nach Kanada verlegt. Barry van Dyke gefiel mir als Hawks Bruder Saint John noch ganz gut, wurde die Suche nach ihm doch in den ersten drei Staffeln immer wieder thematisiert. Richtig schlimm fand ich die Entscheidungen, auch Deborah Pratt, Ernest Borgnine und Alex Cord durch die unbekannten Geraint Wynn Davies, Michele Scarabelli und, für mich der größte Frevel, Anthony Sherwood zu ersetzen.

Zusätzlich flachte auch das Produktionsniveau ab. Immer häufiger wurden Actionsequenzen schlecht recycelt, oder/und Szenen billig und unschön in Szene gesetzt (ein kanadisches Waldstück musste etwa als asiatischer Dschungel herhalten, ein Kampf gegen eine große Söldnertruppe wurde mit nur fünf Statisten abgedreht etc.). Dazu kamen leider immer schlechtere, stereotype und repetitive Drehbücher. Schließlich war nach Staffel 4 dann Schluss und das war im Hinblick auf das, was uns in einer möglichen Staffel 5 erwartet hätte, wohl auch gut so. Dennoch bleibt Airwolf ein cooles Stück Serienerinnerung für mich. Es ist noch gar nicht lange her, da habe ich mit meiner Frau zusammen noch einige Folgen auf DVD abends geschaut und wir beide sind der Meinung, dass diese Show auch heute noch Spaß macht.

persönliche Bewertung Staffel 1 - 3: 4(+)/6

persönliche Bewertung Staffel 4 - 4: 3/6