Quelle: offizielles Promoposter Fox
Quelle: offizielles Promoposter Fox

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

The Orville, original: The Orville (ab 2017)

Fuzzy Door Productions, 20th Century Fox Television, Ausstrahlung BRD: Pro 7; 12 Folgen + Folgen in 1+ Staffeln,  Idee: Seth MacFarlane;

Produktionsland: USA, Produktion: Seth MacFarlane, Brannon Braga, Jason Clark, David A. Goodman, Liz Heldens, Musik: Bruce Broughton

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Darsteller  
Seth MacFarlane als Captain Ed Mercer Adrianne Palicki als Commander Kelly Grayson
Penny Johnson Jerals als Lt. Com. Dr. Claire Finn Scott Grimes als Lt. Gordon Malloy
Peter Macon als Lt. Commander Bortus Halston Sage als Lt. Alara Kitan
J. Lee als Lt. John LaMarr Marc Jackson als Wissenschaftsoffizier Isaac

Besprechung:

 

Fazit:

Als Star Trek Discovery anlief, schrieb ich jeweils einen Artikel zu Serienbeginn und -Ende. Da Seth MacFarlanes neue Science Fiction Serie The Orville einen ähnlichen  Hype wie der neueste Star Trek Ableger auslöse und sich selbst offenbar in bester Tradition zum Franchise sieht, werde ich dieser Show die gleiche Fairness angedeihen lassen. Die ersten beiden Episoden flimmerten am 27.02.2018 bei Pro 7 über die Bildschirme, wobei der dankbare TV Zuschauer mit einer schon unverschämt zu nennenden Werbeflut überschüttet wurde. Wohl dem, der eine Festplatte am TV installiert hat und sich das Spektakel im Anschluss in Ruhe zu Gemüte führen konnte.

 

Das erste Positiv-Highlight der Serie sind sicherlich die sympathischen Figuren, denen man schon jetzt anmerkt, dass sie ihren Part zum Gelingen der Season beitragen werden. Da steckt eine Menge erzählerisches Potential drin, dass - wenn man den Fans, die bereits über VPN in den USA gespickt haben – glaubt, auch ausgenutzt wird. Gut so. MacFarlanes Humor mag nicht jedermanns Sache sein, doch als Captain macht er insgesamt eine gute Figur, an die ich mich durchaus gewöhnen kann.  Kelly Grayson kommt weniger klamaukhaft daher, was dem teilweise nervigen Gequatsche der Figur des Lt. Gordon Malloy (angemessen von Scott Grimes verkörpert) ein wenig entgegensteuert. Eine ähnliche Aufgabe verkörpert Gott sei Dank Penny Johnson Jerald als Dr. Claire Finn, die bisher den Part des weisen Beraters übernimmt, den die Crew der Oriville auch bitter nötig hat. Dem obligatorischen    Brücken-Alien Bortus wird ein eher trockener Humor in den Mund gelegt, der bisweilen etwas stumpf wirkt, aber zum Charakter passt. Auch die erst 24 jährige Halston Sage, die in ihrer Karriere bislang eher durch Nebenrollen auffiel, trägt als Sympathieträger zum guten Gesamteindruck des Casts bei.

 

Der Plot der ersten Folge ist recht solide, allerdings auch nicht mehr. Als Hommage an Star Trek von MacFarlane gedacht, nimmt sich die Serie das Recht heraus, fast schon schamlos beim großen Vorbild abzukupfern. Tatsächlich wurde so viel übernommen, dass es Gerüchte darüber gibt, CBS hätte Plagiatsvorwürfe geprüft, sich aber dann anders entschieden, weil viele Elemente aus Roddenberrys Vision inzwischen in die allgemeine Ikonografie und den Sprachgebrauch der modernen Science Fiction übergegangen sind. So kopiert, parodiert und persifliert das teilweise aus The Next Generation und Deep Space Nine Veteranen rekrutierte Team munter vor sich hin, ohne dabei allerdings immer gefällig zu sein. Versteht mich nicht falsch. Ich liebe auch albernen Humor, beispielsweise in Form von Bully Herbig, Monty Python und Mel Brooks. Doch hier wirken die humoristischen Einlagen vor allem in der Pilotepisode für meinen Geschmack teilweise übergestülpt und deplatziert. Das mag daran liegen, dass The Orville nach Seth MacFarlanes eigenen Aussagen eigentlich nicht wirklich Comedy sein will.  Der Emmy-Preisträger hätte für sein Leben gerne eine Star Trek Serie produziert, wurde aber von CBS abgelehnt. So wird der VFX Künstler Robert Legato (Oscarpreisträger und selbst jahrelang als VFX Supervisor bei Star Trek beschäftigt) beispielsweise auf fx.guide.com zitiert: "Seth really liked the show (ST:TNG) and he didn't want to do a parody of it, he wanted to do a straight up show that was inspired by it, so he could create his own science fiction, next generation-like enterprise - if you'll pardon the pun.“ („Seth liebte ST:TNG und er wollte keine Parodie davon kreieren. Er wollte eine gerade, direkte Show, die davon inspiriert ist, eine Art Nächste Generation zu TNG, wenn Sie so wollen." Wie man übrigens in den einschlägigen Foren und Facebook Gruppen liest, reduziert sich der spezielle MacFarlane Humor im Verlauf der Staffel denn auch auf ein erträgliches Minimum und rückt die jeweiligen Stories of the Week in den Fokus. Diese Aussagen bestätigen sich teilweise bereits in Folge 2, die wesentlich besser geschrieben wurde und die Unsicherheit der jungen Sicherheitsoffizierin Alara Kitan beleuchtet, die unvermittelt das Kommando über das Schiff übernehmen muss. Der Plot kommt mit weniger Klamauk aus und setzt – vor allem am Ende – auf einen etwas erwachseneren Humor.

 

 

 

 

 

Das Licht- und Schattenspiel setzt sich in der Visualisierung fort.  Auf der oben zitierten Webseite wird berichtet, wie man „das beste aus der Verwendung von CG und klassischem Motion Control Verfahren herausholte“, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen. Diese sollten sogar jene aus Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert übertreffen. Dem hohen Anspruch wird die Show leider nur selten gerecht. Während viele Raumschiffsequenzen gut gelungen sind (als Beispiel sei das Auftauchen der Krill in Folge 1 „Alte Wunden“ genannt) wirken viele CGI-Features eher mittelmäßig. Dieses Manko lässt sich dann auch nicht mit dem angestrebten 90er Jahre Feeling erklären, auf das viele Fans offenbar gerne pochen. Es gibt leider keine offiziellen Angaben zum Budget, in Foren wird gemunkelt, der 45 minütige Pilotfilm hätte bis zu 7 Millionen Dollar verschlungen. Ein großer Batzen davon muss anscheinend in die Arbeit mit den Handmade- Modellen geflossen sein. Motion Control wird seit mehr als 20 Jahren so gut wie nicht mehr in der Filmbranche praktiziert und ist teuer. Gespart wurde hingegen ganz offensichtlich an den CGI Mattepaintings, sowie bei vielen anderen Sequenzen, die den Einsatz von Computern erfordern. Ebenso wirken die Setbauten, für mich eines der wichtigsten optischen Elemente einer Serie, teilweise wenig gelungen. Gerade im Hinblick auf die Tatsache, dass man jene Elemente immer wieder zu sehen bekommt, wäre hier etwas mehr finanzieller Aufwand sicherlich die richtige Wahl gewesen.

 

Die Fans verzeihen diese Unzulänglichkeiten offenbar. Beim Publikum kommt The Orville gut an, während die professionellen Kritiker massenhaft die Messer wetzen. Im Kritikerteil von Rotten Tomatoes etwa erreicht die erste Season gerade einmal 19% der Autoren, während 93% der Zuschauer zufrieden sind. Große Diskrepanzen wie diese zeigen, wie leicht das Publikum bereit ist, einer Serie Unzulänglichkeiten zu verzeihen, die sie mehr in ihre Jugend und Kindheit zu versetzen vermag, als es das eher düstere und moderne Star Trek Discovery tut. Mit anderen Genrevertretern, wie beispielsweise Dark Matter, die ebenfalls ein gutes altes Old School Feeling heraufbeschwören will, geht man da schon härter ins Gericht. Ob dies letztlich fair ist, muss jeder für sich entscheiden, denn im Endeffekt ist Geschmack nicht verhandelbar und rein individuell. Ich gehöre jedenfalls zu der Zuschauergruppe, bei denen The Orville trotz seiner Schwächen zündet. Ich freue mich jedenfalls auf weitere Abenteuer und harre der Dinge, die da kommen mögen, bis ich nach der 12. Folge dann ein endgültiges Urteil für mich fällen kann.

persönliche Bewertung: 4/6