Quelle: DVD Cover und Bildzitate: Eurovideo
Quelle: DVD Cover und Bildzitate: Eurovideo

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

The Day after - Der Tag danach, original: The Day after (1983)

ABC Circle Films, American Broadcasting Company,  DVD: Eurovideo;

Produktionsland: USA, Länge: 115 Minuten

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Darsteller Team
Jason Robards als Dr. Oakes Regie: Nicholas Meyer
Steve Guttenberg als Stephen Klein Produktion: Stephanie Austin, Robert A. Papazian Jr.
JoBeth Williams als Nancy Bauer Drehbuch: Edward Hume
Calvin Jung als Dr. Sam Hachiya Kamera: Gayne Rescher
William Allen Young als Soldat Billy Schnitt: William Paul Dornisch, Robert Florio
 Bibi Besch als Eve Dahlberg  Musik: David Raksin

Besprechung:

Inhalt:

1983: während in Kansas City das normale Leben seinen Gang nimmt, häufen sich die Nachrichten über Spannungen zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland. Bald werden die Meldungen drastischer. Erich Honecker verhängt nach vierunddreißig Jahren eine Blockade gegen Westberlin und annektiert die Stadt. Truppen werden in höchste Alarmbereitschaft versetzt und verstärkt. Schließlich geschieht das Unfassbare. Die Sowjetunion überrennt die NATO Grenztruppen und besetzt Teile West-Deutschlands. Die Situation eskaliert immer weiter und eines Morgens sehen die Menschen plötzlich Raketen in den Himmel aufsteigen – der dritte Weltkrieg ist ausgebrochen.

 

Innerhalb von dreißig Minuten ändert sich das Leben in Kansas schlagartig. Als Stützpunkt atomarer Fernraketen ist die Stadt ein Ziel oberster Priorität und wird von zwei Atombomben getroffen. Millionen sterben augenblicklich. Dr. Russel Oakes, der Student Stephen Klein, die Farmersfamilie Dahlberg und der Soldat Billy McCoy sind einige der Unglücklichen, die noch leben. Doch der Fallout ist allgegenwärtig, die Strahlung durchdringt Mauern, Haut und Fleisch. Obwohl dem Tod geweiht, versuchen sie alle auf ihre Art, das Beste aus der ihnen verbleibenden Zeit zu machen. Billy versucht, zu Frau und Familie zurückzukehren und rettet dabei einem stummen Vagabunden das Leben. Stephen schließt sich der Farmersfamilie Dahlberg an und nimmt den beschwerlichen Weg nach Kansas City auf sich, um wenigstens die Kinder zu retten. Und Dr. Oakes widmet sich  der Rettung möglichst vieler Überlebender. Doch trotz der aufmunternden Worte des US Präsidenten, wird es für sie alle keine Rettung geben...

 

Fazit:

Dabei gelingt es dem Regisseur weitestgehend, auf die eigentliche Brutalität des Individuums zu verzichten. Der Kampf um das nackte Überleben treibt so Manchen in verzweifelte Taten, etwa als ein Militärkonvoi mit Lebensmitteln gestürmt und die Soldaten erschlagen werden. Ihnen steht der wahre Heldenmut der Helfer gegenüber, die alles daran geben, Leben zu retten. Da ist beispielsweise der Arzt Dr. Oakes, der sein Heim und seine Familie verloren hat und sich in seinem Schmerz in seine Arbeit verbeißt. So rettet er Hunderten das Leben. Sein Assistent und Freund Dr. Sam Hachiya geht diesen schweren Weg mit ihm, bis Oakes schließlich, dem Tode geweiht, ins zerstörte Kansas City zurückkehrt. Dem Wahnsinn nahe erklettert er die Ruinen seines Hauses, in denen die Überlebenden einer Familie kampieren. Das Bild, wie sich zwei alte Männer gegenseitig in einer zerstörten Metropole zu trösten versuchen, ist nicht nur bedrückend, sondern unvergesslich. Ohne eine Orgie der Zerstörung zu inszenieren, gelingt es Cast und Crew mit solchen Bildern, eine Kakophonie des Grauens zu entwickeln, die mich nachdenklich zurücklässt. Denn The Day after lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die zeitnahen Auswirkungen eines Atomschlages ebenso fürchterliche wie grausame Ausmaße annehmen würden.

The Day after ist eigentlich keine Science Fiction im klassischen Sinne. Es handelt es sich eher um ein sogenanntes „What if“ Szenario. Da das Werk allerdings starke postapoklayptische Züge aufweist, wage ich einmal den Versuch, diesen Klassiker hier zu besprechen. In der heutigen Zeit, in der Politiker im Wahlkampf damit punkten, atomar aufrüsten zu wollen, sind Themen wie die hier gezeigten gar nicht hoch genug zu bewerten. So stellt der Film nicht nur die Frage nach dem „was wäre wenn“, sondern zeichnet die möglichen Auswirkungen eines Atomkrieges in möglichst realistischen Bildern. Entgegen reißerischer Ansätze, wie etwa Mad Max, oder Straße der Verdammnis, gibt es hier keine mutierten Skorpione oder kannibalischen Punks. Nicholas Meyer präsentiert uns eine Leere der Zerstörung, die nicht nur das urbane Amerika, sondern auch nach und nach die Herzen der Figuren und Zuschauer erfasst.

Dabei gelingt es dem Regisseur weitestgehend, auf die eigentliche Brutalität des Individuums zu verzichten. Der Kampf um das nackte Überleben treibt so Manchen in verzweifelte Taten, etwa als ein Militärkonvoi mit Lebensmitteln gestürmt und die Soldaten erschlagen werden. Ihnen steht der wahre Heldenmut der Helfer gegenüber, die alles daran geben, Leben zu retten. Da ist beispielsweise der Arzt Dr. Oakes, der sein Heim und seine Familie verloren hat und sich in seinem Schmerz in seine Arbeit verbeißt. So rettet er Hunderten das Leben. Sein Assistent und Freund Dr. Sam Hachiya geht diesen schweren Weg mit ihm, bis Oakes schließlich, dem Tode geweiht, ins zerstörte Kansas City zurückkehrt. Dem Wahnsinn nahe erklettert er die Ruinen seines Hauses, in denen die Überlebenden einer Familie kampieren. Das Bild, wie sich zwei alte Männer gegenseitig in einer zerstörten Metropole zu trösten versuchen, ist nicht nur bedrückend, sondern unvergesslich. Ohne eine Orgie der Zerstörung zu inszenieren, gelingt es Cast und Crew mit solchen Bildern, eine Kakophonie des Grauens zu entwickeln, die mich nachdenklich zurücklässt. Denn The Day after lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass die zeitnahen Auswirkungen eines Atomschlages ebenso fürchterliche wie grausame Ausmaße annehmen würden.

Der Streifen war von Drehbuchautor Edward Hume und Nicholas Meyer bewusst so angelegt, dass er eine möglichst große Wirkung entfalten sollte. So lässt das Team nur eine der Hauptfiguren ermorden. Die anderen Sympathieträger erliegen der Strahlenkrankheit. In der Darstellung der Symptome hält man sich weitestgehend an die bekannten wissenschaftlichen Fakten, ohne hier etwas zu beschönigen. Wucherungen auf der Haut, Haar- und Zahnausfall, unkontrollierte Blutungen, Schwäche, Schwindel und schließlich Wahnsinn sind nur einige der sichtbaren Auswirkungen. Dies alles wird visuell eindrücklich genug dargestellt, ohne dem heutigen Blutwahn mancher Filmemacher Rechnung zu tragen. Die gewünschte Wirkung wurde letztlich erzielt, so dass wir hier heute einen TV Klassiker vor uns haben, der meines Erachtens seines Gleichen sucht.

 

Das ist nicht nur der hervorragenden Regiearbeit, sondern allgemein auch der superben schauspielerischen Leistung zuzuschreiben. Jason Robards als Dr. Oakes legt eine beeindruckende Darbietung hin. Der Oscarpreisträger (1977 für seine Nebenrolle in „Julia“) fesselt den Zuschauer und lässt ihn scheinbar direkt und unmittelbar an seinem Schicksal teilhaben. Die unermüdliche lebensrettende Arbeit ist dabei keineswegs nur selbstlos, lenkt sie ihn doch vom Schmerz des eigenen Verlustes ab. Steve Guttenberg, der den Studenten Steven Klein gibt, ist Fans vor allem durch seine Auftritte in Cocoon, Nr 5 lebt, oder die „Police Academy“ Reihe bekannt. Dass er durchaus ein ernstzunehmender Mime ist, beweist er hier. Hervorragend besetzt sind auch die Nebenrollen, etwa die des Soldaten Billy McCoy, der den Dienst desertiert, um im Chaos vielleicht doch Frau und Kind wiederzufinden. Weiterhin erwähnenswert ist die tolle Darbietung Calvin Jungs als Dr. Sam Hachiya, der sich in der Zeit des Chaos für Dr. Oakes als Fels in der Brandung erweist.

Abschließend sei noch mit einigen Worten auf die Effekt- und Maskenabteilung eingegangen. Michael Westmoore zeichnet für das Make Up Design verantwortlich. Westmoore dürfte Fans durch seine mehrfach ausgezeichnete Arbeit für diverse Star Trek Serien ein Begriff sein. Bob Dorson, ebenfalls ein Star Trek Veteran (Star Trek II und III), sowie Robert Blalack (Star Wars, Robocop) gestalteten die Special Effects. Entsprechend gut ist die hier mit relativ geringem TV-Budget umgesetzte Arbeit gelungen. Und obwohl man nach heutigen Gesichtspunkten die ein oder andere Schwäche entdecken mag, wurde der Film doch völlig zurecht für die hervorragende Arbeit mit einem Emmy ausgezeichnet.

 

Letztlich ist The Day after ein Pladoyer an die Vernunft der Mächtigen, es nie so weit kommen zu lassen. Leider scheinen wir Menschen nicht aus unserer Geschichte zu lernen. Wenn die Globalisierung dazu führt, dass nur ein relativ kleiner Teil der Weltbevölkerung davon profitiert, während andere am Rande stehen, muss man sich nicht wundern, wenn Angst um sich greift. Furcht und Armut brachten schon immer Populismus hervor. Da nützt es nichts, wenn uns die Politiker versichern, es ginge uns finanziell so gut, wie nie zuvor. In einer Gesellschaft, die des Kampfes für soziale Gerechtigkeit überdrüssig geworden zu sein scheint, in der Sender wie RTL die Dekadenz der Supperreichen feiern, sind Neid, Wut und Hass die logische Konsequenz. Man gibt sich, vor allem in der Presse, gerne kämpferisch. Doch verhindert dies, dass immer mehr eine Gesinnung um uns greift, die mich frappierend an meinen Geschichtsunterricht erinnert? Sind Aussagen wie „ein Mahnmal der Schande“ (Höcke, AfD) und „Die Schande von Verdun“ (Hitler, NSDAP) rhetorisch gesehen nicht ein und dasselbe? Oder wie wäre es mit Hitler 1932: „Die Kundgebung der Nationalsozialisten war die machtvollste Veranstaltung politischer Art, die je in Oldenburg stattgefunden hat.“  im direkten Vergleich zu Trump Sprecher Sean Spice: „This was the largest audience to ever witness an inauguration, period. both in and around the globe“ („Dies war das größte Publikum, dass jemals für eine Inauguaration bezeugt wurde, sowohl hier, als auch weltweit“). Die USA, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Deutschland, die Türkei, Russland. Dies alles sind Länder, die wir auf dem sicheren Boden der Demokratie verankert glaubten. Doch wo Protektionismus erneut als heilsbringende Lösung und die atomare Aufrüstung als Symbol der Stärke verstanden werden, in so einer Zeit ist vielleicht ein Film wie The Day after wichtiger denn je. Denn er zeigt uns eindrucksvoll, wohin jene Einstellung letztlich führt: in unser aller Vernichtung.

persönliche Bewertung: 6/6