Quelle:  Cover und Bildzitate: 2oth Century Fox
Quelle: Cover und Bildzitate: 2oth Century Fox

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

The Abyss - Abgrund des Todes, original: The Abyss (1989)

Twentieth Century Fox, Pacific Western, Lightstorm Entertainment; Produktionsland: USA

Länge: Kinoversion. 138 Minuten, Directors Cut: 164 Minuten

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Darsteller Team
Ed Harris als „Bud“ Brigman Regie: James Cameron
Mary Elizabeth Mastrantonio als Lindsey Brigman Drehbuch: James Cameron
Michael Biehn als Lt. Hiram Coffey Produzent: Gale Anne Hurd, Van Ling (Special Edition)
Leo Burmeister als Catfish De Vries Kamera: Mikael Salomon, Al Giddings (Unterwasser)
J. C. Quinn als Sonny Dawson Schnitt: C. Buff, J. Goodman, H. E. Smith, S, Quale (S. E.)
 John Bedford Lloyd als Jammer Willis  Musik: Alan Silvest

Besprechung:

Inhalt:

1988, noch immer herrscht der Kalte Krieg: das US-Atom-U-Boot USS MONTANA versinkt aus ungeklärter Ursache am Rande des Abgrundes des Kaimangrabens und strandet schließlich in 600 Meter Tiefe. Eine Rettungsmission gestaltet sich heikel, da  der Fundort nur 80 Kilometer vor der kubanischen Küste liegt. Sowohl sowjetische, als auch kubanische Spionageboote beobachten argwöhnisch jede Aktivität des eingesetzten US-Marine-Schiffes. Die Situation könnte jeden Augenblick eskalieren.

Handlungsunfähig beschließt das Einsatzkommando der Marine verzweifelt, die revolutionäre Tiefenbohrinsel DEEPCORE, unter der Leitung von „Bud“ Brigman zu engagieren. Nach anfänglichem Misstrauen stimmt die Crew aufgrund einer attraktiven Auslöse für den Rettungseinsatz, erfährt aber erst im Anschluss, dass sowohl Brigmans Exfrau, die Tiefseestation mitentwickelte, als auch, dass ein Navy Seals Team auf der DEEPCORE stationiert wird. Angeblich soll die Einheit den Rettungseinsatz koordinieren und leiten. In Wirklichkeit erhielt Lt. Hiram Coffey jedoch den Auftrag, die auf der MONTANA stationierten Atomsprengköpfe zu bergen und notfalls einzusetzen. Denn das U-Boot ist keineswegs aus ungeklärter Ursache gesunken, sondern wurde von einem sogenannten USO, ein unidentifiziertes unterseeisches Objekt, gerammt.

 

Weder Lindsey Brigman, noch Bud oder der Rest der Crew wissen von diesem Auftrag. Als das US-U-Boot  gefunden und allmählich klar wird, dass in den Tiefen des Meeres eine nicht irdische Intelligenz existiert, verfällt Lt. Coffey immer mehr dem Tiefenkoller. Seine Wahnvorstellungen reichen schließlich so weit, dass er den geborgenen Atomsprengkopf gegen die Aliens einsetzen will. Nun entbrennt in der ewigen Nacht der Tiefsee auf der engen Station ein Kampf um Leben um Tod, den letztlich nur einer gewinnen kann...

 

Fazit:Science Fiction als Gattung oder Genre verfügt ja bekanntlich über zahlreiche Subgenres. Von der Utopie bis zur Dystopie, Space Opera, Military SciFi, Postapokalyptik, Cyber- und Biopunk und sogar  Science Fiction-Western existieren zahlreiche Spielarten, die gerne auch wild miteinander vermischt werden. Da verwundert es eigentlich schon fast, dass es so etwas wie „Tiefsee- oder Meeres-SciFi“ bisher eigentlich nicht als eigenständige Unterart gibt. Dabei wissen wir auch heute noch leider wesentlich mehr über das Weltall, als über die Tiefsee. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass SF-Bücher und Filme die im Meer angesiedelt sind, oder diesen spannenden Lebensraum doch zumindest thematisieren, eher selten sind.

Dabei bewies schon Jules Verne mit seinem 1869/1870 erschienen Meisterwerk 20000 Meilen unter dem Meer ("Vingt mille lieus sous les mers"), wie spannend die Thematik sein kann. Immerhin brachte es der Roman seit 1906 bisher mindestens auf 12 Verfilmungen, wobei die hier bereits vorgestellen Versionen von 1916, 1954 und 1996 wohl die bekanntesten sein dürften. Gerade das Werk von Stuart Paton (1916) ist hier für Fans besonders interessant, denn die dort gezeigten, in einem Tank in Nassau gedrehten, Unterwasseraufnahmen gehören zu den ersten ihrer Art und legten den Grundstein für die grandiosen Aufnahmen, die wir 1989 in James Camerons The Abyss bewundern durften.

Tatsächlich handelt es sich bei diesem Film für mich um den bisher besten, der bis heute in dieser Richtung gedreht wurde. Das liegt zum einen an den grandiosen, von Al Giddings geleiteten, Unterwasseraufnahmen. Die Produzentin Gale Anne Hurd berichtet in einer auf der Special Editon enthaltenen Dokumentation etwa: „Es war eine Herausforderung. Etwas so Schwieriges werde ich wohl nie wieder machen. 40% der Aufnahmen erfolgten unter Wasser. Also wollten wir die besten Unterwasserspezialisten.“ ("Hinter den Kulissen"). Diese Aussage wird noch deutlicher, wenn man sich ein paar Fakten vor Augen führt. So konnte der Film etwa trotz aller Vorbereitungen nicht im Meer realisiert werden, wie Cameron es geplant hatte. Stattdessen wurde in Gaffney, South Carolina, das nie fertiggestellte Atomkraftwerk "Cherokee" entdeckt, dessen Behälter mit rund 28 Millionen Liter Wasser gefüllt wurde. Eine riesige dunkle Plane wurde gespannt und etwa 7 Milliarden schwarze Plastikkügelchen ins Becken gekippt, um Lichtreflexionen zu verhindern und so die ewige Nacht der Tiefsee zu simulieren. Die Bauzeit für das Hauptset der Rig und die sie umgebende Meereslandschaft betrug vier Monate und wurde erst fertig gestellt, als schon Wasser in den Tank gelassen wurde. Ein zweiter Tank, B-Tank genannt, war immerhin noch 64 Meter lang und 6 Meter tief und fasste über elf Millionen Liter Wasser.

 

Um die Aufnahmen möglichst realistisch und ansprechend zu gestalten, wurden teilweise echte Unterwasserfahrzeuge, wie etwa kleine U-Boote oder Seascooter verwendet. Für Crew und Cast wurden eigens neue Helme erdacht, durch die die Gesichter der Akteure zu sehen waren. Vom U.S. Militär entwickelte unterwassertaugliche Mikrofone wurden eingebaut. Abgesehen von Ed Harris besaß übrigens keiner der anderen Schauspieler Taucherfahrung, weshalb sie zuerst einen Tauchkurs und anschließend bis zu 10 Stunden tägliches Training absolvieren mussten, bis die Dreharbeiten endlich losgingen. Außerdem lernten sie, die oben angesprochenen Fahrzeuge zu bedienen, wenn auch teilweise nur rudimentär.

 

Einige Spezialeffekte waren für die damalige Zeit bahnbrechend, so etwa der bekannte Wasserwurm. Dieser wurde von der u.a. auch für Star Wars und Star Trek tätigen Spezialeffekte Firma „Industrial Light & Magic“ in Zusammenarbeit mit der kanadischen Firma „Alias“ realisiert, die seit einiger Zeit mit möglichst realitätsnahen Computermodellen experimentierten. Rolf Gießen schreibt dazu auf Seite 161 seines Buches „Künstliche Welten“, es handele sich um einen „nichtterrestrischen Unterwasser-Pseudopod aus dem Computer...Cameron hatte vor, für die Realisierung zuerst Stop Motion, Replacement Animation oder hydraulische Wassersysteme zu benutzen“. Abschließend bezeichnet er die fünfundsiebzig Filmesekunden als einen ersten „Höhepunkt der Computer Animation“.

Der betriebene technische Aufwand dieses fast siebzig Millionen Dollar teuren Filmes erscheint mir auch heute noch absolut gerechtfertigt, denn The Abyss wirkt auch nach über siebenundzwanzig Jahren absolut zeitlos. Das trifft im Übrigen auch auf die grandios gezeichneten Figuren in Camerons Drehbuch zu, die durchaus einige Ähnlichkeiten zu seinem drei Jahre zuvor erschienen SF-Horror Aliens aufweisen. Außerdem holte sich der Regisseur wohl Anregungen bei „Das Boot“ (1981) und 2001, Odyssee im Weltraum, wie das TV Spielfilm Filmlexikon sehr richtig bemerkt.

 

Für die Hauptfiguren wurden mit Ed Harris als Bud Brigman, Mary Elizabeth Mastrantonio als Lindsey Brigman und Michael Biehn als Antagonist Lt. Hiram Coffey die bestmöglichen Schauspieler verpflichtet. Vor allem Michael Biehn, den eingefleischten Fans unter Euch natürlich aus Terminator, Aliens – Die Rückkehr und dem Director' s Cut von Terminator 2 bekannt, gefällt mir nach wie vor in seiner Rolle als Soldat, der dem Tiefenkoller verfällt, sehr gut. Aber auch Ed Harris bringt genau die richtige Portion an Sympathie und Härte mit, um zu überzeugen. Doch auch die durch Leo Burmeister als Catfish, Todd Graff als „Hippy“ und John Bedford Llyod, der übrigens auch in der Folge „Der Regulator“ der Serie Seaquest DSV zu sehen war, besetzten Nebenfiguren sind sehr gut gewählt.

Insgesamt handelt es sich bei  The Abyss für mich also um einen rundum gelungenen Film, der sich seinen Platz unter den moderneren Science Fiction Klassikern absolut verdient hat. Der Streifen hat alles, was zur Unterhaltung der Extraklasse notwendig ist: ein gutes Drehbuch, einen fantastischen Regisseur, tolle Schauspieler und atemberaubende Filmaufnahmen inklusive bahnbrechender Spezialeffekte. Er nutzt, anders als zehn Jahre später etwa Sphere das volle Potential des Themas und bringt darüber hinaus nicht nur einen metaphysischen, sondern auch einen ökologischen Aspekt ins Spiel.

persönliche Bewertung: 5(+)/6