Cover und Bildzitate: 20th Century Fox
Cover und Bildzitate: 20th Century Fox

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Terra Nova, original: Terra Nova (2011)

 

20th Century Fox Television, Amblin Television, Chernin Entertainment, Kapital Entertainment,

 

Siesta Productions; 13 Folgen in einer Staffel á ca. 45 min; Produktionsland: USA;  Idee: Kelly Marcel und Craig Silverstein; Produktion: Brannon Braga, Neal Ahern Jr. Paul Grellong; Musik: Brian Tyler

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Darsteller:  
Jason O´Mara als Jim Shannon Stephen Lang als Nathaniel Taylor
Shelley Conn als Elisabeth Shannon Allison Miller als Skye
Landon Liboiron als Josh Shannon Rod Hallet als Malcolm Wallace
Naomi Scott als Maddy Shannon Simone Kessell als Lt. Alicia Washington
Alana Mansour als Zoe Shannon Christine Adams als Mira

Besprechung:

Inhalt:
Im Jahr 2149 ist die Erde aufgrund von Raubbau, Umweltverschmutzung und, trotz Populationskontrolle, Überbevölkerung dem Untergang geweiht. Die Familie Shannon scheint sich in dieser brutalen Welt eine gewisse Normalität bewahrt zu haben. Jim ist Polizist, Elisabeth Ärztin. Dennoch sind beide Gesetzesbrecher:  Sie haben zwei Kinder im Teenageralter und eine fünfjährige Tochter. Allerdings dürfen Familien nicht mehr als zwei Kinder haben und so kommt es eines Tages, wie es kommen muss: eine Spezialeinheit stürmt die Wohnung und findet die kleine Zoe. Jim wird inhaftiert.

 

Doch trotz der scheinbar aussichtslosen Lage besteht Hoffnung. Vor einigen Jahren wurde ein Zeitriss entdeckt, der in eine alternative Realität vor 85 Millionen Jahre führt. Als es endlich gelingt, ein stabiles, aber nur in eine Richtung führendes, Portal zu bauen beginnt man, Umsiedlungswellen in die Vergangenheit zu schicken. Das Ziel ist, eine Kolonie aufzubauen und schließlich immer mehr Menschen nachzuholen. Und Elisabeth wurde aufgrund ihrer herausragenden Leistungen für die nächste Umsiedlung rekrutiert. Sie besticht einen Gefängniswärter und schafft es schließlich, Jim zu befreien. Im letzten Moment gelingt der Familie die Flucht in die Vergangenheit, nach Terra Nova.

 

Die Kolonie wird von Commander Nathaniel Taylor geführt, der nicht gewillt ist, die Fehler der Menschheit zu wiederholen. So begrüßt er die Ankömmlinge und gibt Jim eine faire Chance, die dieser auch bald zu nutzen versteht. Denn eine Widerstandsgruppe, genannt „Sixer“, versucht, Taylor zu töten. Shannon tut, wozu er einst als Cop ausgebildet wurde und rettet Taylor damit das Leben. Doch dies ist nur der Anfang, denn die Sixer haben mächtige Unterstützung aus der Zukunft. Und die hat nur ein Ziel: die Eroberung neuer Ressourcen.

 

Fazit:

Terra Nova gehört zu den zahlreichen Science Fiction Serien der letzten Jahre, die großes Potential hatten und trotz relativ vernünftiger Quoten, in den U.S.A. sahen immerhin durchschnittlich 10,8 Millionen Zuschauer zu, eingestellt wurde. Ich persönlich kann diese Entscheidung nicht ganz nachvollziehen. Ich hatte die Serie bislang nicht gesehen. Es gibt einfach zu viele Shows, die über die ersten ein, zwei Staffeln nicht mehr hinausgelangen und wer-weiß-wo überall ausgestrahlt werden. Den Überblick in diesem Wust zu behalten, ist alles andere als leicht. Der Erwerb der DVD Box stellte sich allerdings schnell als gute Entscheidung heraus. Denn Terra Nova sticht aus dieser Masse an Serien hervor. Sympathische Helden, tolle Sets, gute Effekte, etwas prüde vielleicht, aber dafür eben auch familientauglich und schlicht und ergreifend einfach mal etwas Neues. Dazu gesellte sich eine gute Mischung aus erfahrenen Schauspielern und jungen, unverbrauchten Gesichtern sowie eine Staffel mit dreizehn Episoden, die die Story vorantrieb und nicht auf der Stelle trat.

 

Ja, es gab Anlass zur Kritik. Insgesamt war der Plot durchschaubar, die Bösewichte genauso eindimensional wie die Helden und daher finden sich sich kaum Grautöne, auf die moderne Serien so viel Wert legen. Doch verglichen etwa mit Shows wie Under the Dome, Continuum oder dem sich trotz aller Qualität doch ständig wiederholenden Superhelden-Einheitsbrei, wurden endlich wieder einmal gute Ideen präsentiert. Leider schaffen es Spielberg'schen Amblin TV Studios bei Science- Fiction-Serien relativ selten, gute Ideen konsequent zu Ende zu denken. Mal werden Serien vorzeitig eingestellt, wie etwa die hervorragende Earth 2, die seinerzeit ebenfalls an den Quoten scheiterte, manchmal wird das Grundkonzept einer Show solange verändert, bis die Zuschauer die Lust verlieren (etwa bei Seaquest DSV). Ein drittes Manko stellen ganz offensichtlich oft genug die Drehbücher dar. Fing eine Show wie Falling Skies noch superspannend an und entwickelte sich  bis zur dritten Staffel sehr positiv, ließ der Storybogen in den letzten beiden Staffeln sehr nach und mündete in einem mehr als enttäuschenden Finale.

 

Ob derartige Fehler bei Terra Nova auch gemacht worden wären, wissen wir leider nicht. Zumindest wurde die Staffel in sich zu einem befriedigenden Abschluss geführt, der allerdings Raum für weitere Entwicklungen ließ. Die letzte, in der DVD Box als verlängerte Doppelfolge enthaltene, Episode führte jedenfalls ein neues Rätsel und neue Feinde ein, die für die zweite Season einiges an Spannung und weitere tolle Action versprach. Amblin, der ehemalige Star Trek Produzent und Showrunner Brannon Braga sowie die Produzenten Neal Ahern Jr. und Paul Grellong waren jedenfalls von dem Konzept und ihren Ideen so überzeugt, dass sie nach dem durch 20th Century Fox eingeläuteten vorzeitigem Aus noch längere Zeit um eine Weiterführung, unter anderem bei Netflix, kämpften. Leider schien anderen Sendern und Streamingdiensten das Risiko jedoch zu hoch. Immerhin beanspruchte die Show 4 Millionen Dollar pro Folge.

Der Pilotfilm verfügte allein schon über ein Budget von 20 Millionen Dollar, von denen letztlich 14 Millionen benötigt wurden. Mit diesem Geld wurde sehr gut umgegangen. Das Set für die Siedlung Terra Nova war wundervoll und riesig. Es wurden mehrere Fahrzeuge, Uniformen und zahlreiche Probs angefertigt. Die Dinosauriersequenzen etwa wurden mit allerhand Tricks umgesetzt. Darunter befinden sich animatronische Körperteile wie Krallen und ganze Köpfe, CGI, und lebensgroße Modelle. Die CGI ist in der ersten Doppelfolge schlicht und ergreifend sehr gut und sieht auf meinem Panasonic Flatscreen klasse aus. Leider ließ die Qualität später etwas nach, blieb für eine TV Serie aber dennoch angemessen. Rein technisch und fotografisch gab und gibt es für mich also genauso wenig auszusetzen, wie an dem Rest der Staffel. Sicherlich hätte der Spannungsbogen noch etwas anziehen dürfen, Konflikte hätten sich ausweiten, die Figuren noch tiefschichtiger werden können. Doch in nur 13 Folgen lässt sich nun einmal nicht alles bewerkstelligen. Außerdem macht es nicht immer Spaß, sich, wie zur Zeit im Tatort in Mode gekommen, kaputte Charaktere anzuschauen, die alles andere als Gutmenschen sind und dennoch ihren Job hervorragend machen. Warum darf es nicht auch Menschen geben, die es wirklich gut mit ihren Mitmenschen meinen und eine zweite Chance zu nutzen wissen?

 

Zum Abschluss für die Interessierten unter Euch ein paar Worte zu den Schauspielern. Besonders auffällig ist natürlich, dass der heute knapp 64jährige Stephen Lang, Fans als Col. Miles Quaritch aus Avatar bekannt, für eine der tragenden Rollen, nämlich des Commanders von Terra Nova, Nathaniel Taylor, gewonnen werden konnte. Derzeit ist Lang in „Salem“ zu bewundern, für das übrigens wiederum Brannon Braga mitverantwortlich zeichnet.

Der irisch stämmige US-Amerikaner Jason O'Mara gab den Cop und Familienvater Jim Shannon, der gegen das bestehende Populationsgesetz des Jahres 2149 verstieß und mit seiner Familie nach Terra Nova flüchtet. 1996 hatte er seinen Auftritt im guten SciFi-B-Movie Space Truckers und war später in „Band of Brothers“ zu sehen. Nach einigen längeren Gastrollen in verschiedenen Serien erhielt er in Resident Evil – Extinction die kleine Rolle des Albert Wesker und ergatterte daraufhin die Hauptrolle in der Crime-Mystery Serie „Life on Mars“, die allerdings nach nur einer Staffel eingestellt wurde. Seine nächste Hauptrolle in Terra Nova brachte ihm weitere wiederkehrende Rollen ein, so dass er derzeit zu Recht gut beschäftigt ist. Neben anderen mehr oder weniger erfolgreichen Serienschauspielern wie Allison Miller und die als Dr. Elisabeth Shannon überaus sympathisch agierende Shelley Conn wurden natürlich auch junge, relativ frische Gesichter wie Landon Liboiron, der seit 2013 in „Hemlock Grove“ zu sehen ist oder Naomi Scott (zuletzt etwa in Der Marsianer) gecastet.

 

Alles in allem hätte aus dieser Serie also eine wirklich große Sache werden können, wenn man der Serie nur Zeit zur Entwicklung gelassen hätte. Ob Amblin dem Druck gerecht geworden wäre, sei dahin gestellt, denn trotz vieler erfolgreicher Projekte sind es immer wieder gerade die Science Fiction Serien, deren Qualität das Studio leider nicht dauerhaft aufrecht erhalten kann. Dennoch: ich bedaure den viel zu frühen Ausstieg und hätte sehr gerne mehr gesehen. Meines Erachtens wurde hier  mal wieder eine Form der Scifi gezeigt, die sowohl Spannung, Drama, Action als auch Familientauglichkeit bot.

persönliche Bewertung: 4(+)/6