Quelle: DVD Cover und Bildzitate: Universal
Quelle: DVD Cover und Bildzitate: Universal

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tarantula, original: Tarantula (1955)

Universal International Pictures, gedreht in schwarz/weiß; Produktionsland: USA, Länge: 80 Minuten

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Darsteller Team
John Agar als Dr. Matt Hastings Regie: Jack Arnold
Mara Corday als Stephanie/Steve Clayton Produktion: William Alland
Leo G. Carroll als Prof. Gerald Deemer Drehbuch: Robert M. Fresco und Jack Arnold
Nestor Paiva als Sheriff Andrews Kamera: George Robinson und Clifford Stine
Clint Eastwood als Bomberpilot Schnitt: William Morgan
 Raymond Bailey als Townsend  Musik: Joseph Gershenson

Besprechung:

Inhalt:

Desert Rock, in der Wüste von Arizona 1954: In der Wüste wird der Leichnam Dr. Eric Jacobs' gefunden. Der Tote weist schreckliche Deformationen auf. Schnell wird Dr. Matt Hastings, der Landarzt der Region, zur Hilfe gerufen, um eine Obduktion vorzunehmen. Auch Erics Freund und Kollege, Professor Deemer trifft in der Leichenhalle ein und bescheinigt entgegen Hastings Meinung, dass es sich bei den schlimmen krankhaften Veränderungen um ein Endstadium der Akromegalie handele. Einer Leichenbeschau könne er nicht zustimmen, der Totenschein sei bereits ausgestellt. Hastings mag dieser Diagnose nicht zustimmen, verläuft diese Krankheit doch im Normalfall langsam progredient, nicht aber derart akut, wie im Fall von Dr. Jacobs.

 

Nach einigem Zögern stimmt Deemer einer Obduktion doch noch zu. Deemers Aussage, es handelte sich um Akromegalie wird bestätigt. Doch Hastings bleibt weiter misstrauisch und als die junge hübsche Doktorandin Stephanie Clayton in Desert Rock eintrifft, um bei dem alten Professor ein Praktikum zu absolvieren, nutzt der junge Arzt die Gelegenheit, dem altehrwürdigen Professor einen Besuch abzustatten. Die Dämonen die er schuf, wendeten sich allerdings inzwischen gegen den Wissenschaftler. Denn er, Eric und ihr gemeinsamer Freund Paul forschten an einem künstlichen Nährstoffpräparat, dass Tieren ein unglaubliches Wachstum verleiht, bei Menschen aber instabil wirkt und Akromegalie auslöst, die im rasanten Tempo fortschreitet und zu Wahnsinn führt.

Paul, bei dem die Krankheit inzwischen voll ausgebrochen ist, greift Deemer in einem Anfall geistiger Umnachtung an, zerstört große Teile des Labors und injiziert ihm das Serum, Als Hastings und Miss Clayton eintreffen, liegt das Labor in Trümmern, alle Versuchstiere sind offenbar verbrannt. Doch einige Tage später meldet ein Farmer, dass einige seiner Tiere bis auf die Knochen abgenagt worden seien und ein seltsamer weißer Rückstand wird in großen Mengen entdeckt. Noch während Matt zum Arizona Agricultural Institute fliegt, um die Rückstände untersuchen zu lassen, wird das vollkommen entfleischte Skelett des Farmers entdeckt. In der Zwischenzeit erhält Hastings das Ergebnis: die Rückstände müssen von einer Tarantel stammen, die mindestens ein hundertmal so groß ist, wie normale Spinnen. Statt ein Mittel gegen den Hunger der Welt, erschuf Prof. Deemer ein Monster, dass es nun mit allen Mitteln aufzuhalten gilt...

 

Fazit:Kein Studio ist wahrscheinlich so mit dem Horror-Genre verbunden wie die Universal Studios. Berühmte Filmfiguren wie „Der Glöckner von Notre Dame“, „Das Phantom der Oper“, „Dracula“, Frankenstein, „Die Mumie“ oder „Der Wolfsmensch“ nahmen in diesen altehrwürdigen Studios, das eines der größten Filmarchive der Welt besitzt, ihren Anfang. Bereits in den 30er Jahren beinhalteten viele dieser Werke jedoch schon Science Fiction Anteile. So ist etwa das berühmte und typische SF-Szenario des „Mad Scientist“ bereits 1931 in oben genannter Mary Shelley Verfilmung und Der Unsichtbare zu bemerken, und setzt sich bis Ende der 50er Jahre fort, als der klassische Monsterfilm für das Publikum langsam seinen Reiz zu verlieren schien.

In den 50er Jahren war es vor allem Jack Arnold, der mit unterschwelligen Botschaften, guter Tricktechnik, großem Orchester und hervorragender Kameraführung, aber auch geringem Budget die Angst vor Monstern am Leben erhielt. Auf ihn geht Der Schrecken vom Amazonas mit seiner subtilen Erotik, Die unglaubliche Geschichte des Mr. C. mit seinem philosophischen Ende und natürlich auch Tarantula zurück, der zwischen beiden Werken und der Fortsetzung zur Creature Reihe Die Rache des Ungeheuers entstand. Jack Arnolds Filme zeichnen für mich neben der guten Machart auch die Botschaften aus, die der Regisseur nicht müde wurde zu vermitteln. Im Grunde erfahren wir mehr Verständnis und Sympathie für die, oft durch Atomversuche oder übereifrige Wissenschaftler erschaffenen Monster, als für diejenigen, die gegen sie kämpfen. Die Kreaturen tun nur, wozu die Natur sie erschaffen hat. Erst der Mensch macht sie mit seiner ständigen Sorge und Angst vor dem Unbekannten zu Ungeheuern. So verwundert auch jene Szene nicht, in der unser Held Dr. Hastings das Arizona Agricultural Institute aufsucht und dort eine große Menge Arachida-Gift untersuchen lässt, die so groß ist, dass eine Spinne etwa „einhundert Mal so groß“ wie eine normale Tarantel sein müsste, um es produzieren zu können.

Als der Professor des Institutes erklärt, das Gift der Spinne sei normalerweise nicht gefährlicher als das einer Hornisse, antwortet Hastings:

 

 

„Sie machen aus der Tarantel ein Haustier“. Die Antwort des Professors lautet daraufhin:

 

„Nein!

 

Da missverstehen Sie mich.

 

Aber sie ist ein Stück unserer Welt,

 

wir müssen sie nehmen wie jedes andere, von Gott geschaffene Wesen.

 

Jedes hat seine Funktion innerhalb der Welt.“

 

Das sind nachdenkenswerte Worte, vor allem, wenn man die Zeit berücksichtigt, in der der Film entstand. Amerika war durch seine Siege im zweiten Weltkrieg zur Weltmacht aufgestiegen und bekämpfte den Kommunismus mit allen Mitteln. Ein Jahr vor dem Entstehen des Titels, am 07.04.1954 war der Begriff „Dominotheorie“ von Dwight D. Eisenhower aufgeworfen worden, der die Angst vor der „Roten Bedrohung“ immens schürte. Kampfmittel wie die Atombome, 1952 die Wasserstoffbombe, oder Napalm, das erst seit 1944 eingesetzt wurde, waren in aller Munde und wurden von den Amerikanern als notwendig vermarktet. In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass der namenlos bleibende Wissenschaftler am Arizona Agricultural Institute in seiner kleinen Ansprache nicht im Sinne des Kontextes der Szene explizit von Tieren spricht, sondern ausdrücklich „jedes andere, von Gott geschaffene Wesen“ meint. So kann diese kleine Szene nicht nur als ein Appell, ein Aufruf zum sorgfältigen Umgang mit unsere Heimatwelt verstanden werden. Der Satz beinhaltet auch den Wunsch nach Toleranz Andersdenkenden gegenüber. Warum sollte eine Nation, ein Land nicht eine andere Regierungsform als die Demokratie wählen, wenn die Menschen damit im Endeffekt damit zufrieden sind? Jack Arnolds Filme sind voll von solchen Anspielungen und genau das macht sie dann auch zu viel mehr, als eben nur Monster-B-Movies, sie sind Klassiker!

 

Ich möchte gar nicht allzu viele Worte über die ungewöhnlichen Perspektiven verlieren, die auch hier wieder eingesetzt werden, Ihr findet dazu Infos in meinen anderen Filmberichten zu Arnolds Werken, Der Schrecken vom AmazonasMetaluna 4 antwortet nicht und Die unglaubliche Geschichte des Mr. C. Der Blick durch das Fenster unserer Heldin Stephanie etwa, der uns erst einen entfernten Blick auf Tarantula gewährt, dann aber den Horror, das Monströse vollends offenbart, als das Tier durch das Fenster ins Innere blickt und näher rückt, bis nur noch ein riesiges Spinnenauge erkennbar ist. Da fühlt sich der Altfan wohltuend an Meisterwerke wie „King Kong“ erinnert, von dem derartige Szenen durchaus inspiriert sein könnten. Arnold war bekanntermaßen ein großer Fan des damals schon als Klassiker geltenden Werkes von Regie-Legende Ernest B. Schoedsack.

 

In der Herstellung der Spezialeffekte war man damals überaus erfinderisch. So wurde für die Tarantula-Aufnahmen tatsächlich eine echte Spinne verwendet, die man durch eine Miniaturlandschaft stapfen ließ. Das hatte den Vorteil, dass Erstens die Größenverhältnisse stimmten, Zweitens korrekte Schatten entstanden, die dem Film Glaubwürdigkeit verliehen und man Drittens das Tierchen mit einer Luftdüse in die jeweils gewünschte Richtung treiben konnte. Weiterhin wurden typische Mittel wie die (Rück-)Projektionskunst angewandt, die in den 50er Jahren auf einem Höhepunkt angelangt war, aber bereits seit den 20er Jahren zum Einsatz kam. Heute wird zur Erreichung desselben Ziels der Computer oder das Blue- oder Greenscreen-Verfahren eingesetzt, wobei die Ergebnisse in Arnolds Filmen auch ohne derartige Hilfsmittel schon grandios sind.

Zum Abschluss soll das Make Up Department des Films unter der Leitung von Bud Westmore, einem Mitglied des berühmten Westmore Clans, dem auch Michael Westmore angehört, (berühmt für seine Star Trek Masken), nicht unerwähnt bleiben. Tarantula bietet abseits der weit verbreiteten Angst vor Spinnen, noch ein weiteres Horror-Element an. Das von Prof. Gerald Deemer entwickelte Nährstoffpräparat, welches er zusammen mit seinen beiden Kollegen Paul und Eric entwickelte, löste nämlich nicht nur den unglaublichen Riesenwuchs der namensgebenden Tarantula aus, es verursacht beim Menschen auch eine aggressive Form der Akromegalie, einem unkontrollierten Zellenwuchs, der zu furchterregenden Deformationen führt. Die zu diesem Zweck von Westmore entwickelten Prothesen müssen auf die damaligen Zuschauer wahrlich beängstigend gewirkt haben, eine Tatsache, die Arnold gleich geschickt nutzte, um eine weitere Botschaft zu platzieren. Deemer erwähnt im späteren Verlauf, als er selbst schon sterbenskrank ist, dass erfolgreiche Tierversuche noch lange keine Wirksamkeit beim Menschen belegen und kritisiert somit unverhohlen die leider auch heute noch gängige Praxis, die erwiesenermaßen längst von Computerprogrammen hätte abgelöst werden können.

All das macht dieses Werk für mich zu einem der besten SF-Monsterfilm-Klassiker seiner Dekade. Mit seinen guten Hauptdarstellern John Agar, Mara Corday und dem profilierten und bekannten Charakterdarsteller Leo G. Carroll („Der Henker von London“, „Rebecca“, „Vater der Braut“, „Der Fremde im Zug“ „Der unsichtbare Dritte“ u.v.m), einer sehr gelungene Filmmusik von Joseph Gershenson, einer zwar schlichten, doch mit Anspielungen voll gepackten Story und den gelungenen Spezialeffekten ist Tarantula also m.E. auch heute noch mehr als nur einen Blick wert.

persönliche Bewertung 5/6