Quelle: Cover und Bildzitate: Paramount/CBS
Quelle: Cover und Bildzitate: Paramount/CBS

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Star Trek: Enterprise, Original: Star Trek: Enterprise (2001 - 2005)

 

Paramount; 1 Pilotfilm á 90min und 96 Folgen á ca. 45min in 4 Staffeln; Produktionslans: USA

 

Idee: Rick Berman und Brannon Braga, Produzenten: Rick Berman und Brannon Braga; Musik: Diane Warren, Paul Baillargeon, David Bell, Jay Chattaway, John Frizzel, Dennis McCarthy, Marc McKanzie, Kevin Kiner und Brian Tyler

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Darsteller  
Scott Bacula als Cpt. Jonathan Archer John Billingsley als Doktor Phlox
Jolene Blalock als Subcommander T' Pol  
Dominic Keating als Lt. Malcom Reed
Anthony Montgomery als Ensign Travis Mayweather Linda Park als Ensign Hoshi Sato
Connor Trinneer als Commander Charles Tucker III Jeffrey Combs als Shran

Besprechung:

 

Inhalt:

Im Jahr 2151 startet das erste Warp 5 Raumschiff der Erde, der Prototyp Enterprise NX01, in die unendlichen Weiten des Alls um neue Zivilisationen zu erforschen, neue Welten zu entdecken und dorthin zu gehen, wo noch niemand zuvor gewesen ist. Der Start erfolgt gegen den ausdrücklichen Rat der Vulkanier, denn diese befürchten, die Enterprise könnte aufgrund der jüngsten Ereignisse einen interplanetaren Zwischenfall heraufbeschwören. Denn ein Klingone namens Klaang wurde von zwei Mitgliedern einer militanten Gruppe von Aliens, die der Spezies der Suliban angehören, verfolgt und auf der Erde gestellt. Klaang konnte die Angreifer zwar töten, wurde jedoch schwer verletzt. Nun soll die Sternenflotte den Klingonen nach vulkanischem Willen sterben lassen, da dies der klingonischen Kultur entspräche.

 

Der von der Sternenflottenleitung hinzugezogene Captain Jonathan Archer weigert sich allerdings, den Start zu verschieben. Er sammelt kurzerhand seine Crew und startet mit Klaang an Board in Richtung Kronos, der klingonischen Heimatwelt. Unterwegs geschieht jedoch etwas Unerwartetes: Die Enterprise wird geentert und Klaang entführt. Statt aber das Handtuch zu werfen, findet der eigenwillige Archer heraus, dass die Spur nach Riegel führt.

Er setzt alles daran, den Klingonen wiederzubekommen und nach Kronos zu bringen. Dabei gerät er zwischen die Fronten. Denn die Suliban sind genetisch veränderte Soldaten in einem, wie sie es nennen, „temporalen kalten Krieg“, der das ganze klingonische Imperium in einen Bürgerkrieg stürzen könnte. Archer muss Klaang nach Hause bringen, oder der ganze Alpha-Quadrant könnte ins Chaos stürzen...

 

Fazit:

Im Jahr 2001, kurz nach dem enttäuschenden Abschluss von Star Trek: Raumschiff Voyager , brachte Paramount die fünfte von bislang sechs Star Trek Serien heraus. Am 15.03.2003 startete das Format schließlich auch auf Sat 1 in Deutschland.

Die Show sollte ein Reboot darstellen, da man seit  Deep Space Nine kontinuierlich Zuschauer eingebüßte hatte und sich die negativen Kritiken mehrten. Daher ließ man auch anfangs die Bezeichnung „Star Trek“ außen vor und nannte die Serie schlicht "Enterprise".

Auf optischer Ebene beschritt man neue Wege, die mir jedoch von Anfang an sehr gut gefielen. Der Pilotfilm zeigte darüber hinaus, wie die Sternenflotte auf die Klingonen traf, was mich als eingefleischten Klingonen-Fan sehr erfreute. Mit Scott Bakula hatte man den idealen Captain gefunden. Erstmalig hatte ich den bekannten Mimen in der beliebten SciFi Show Zurück in die Vergangenheit gesehen, die zwischen 1989 und 1993 sehr erfolgreich war. Ich mochte viele der Folgen und mir war Bakula sympathisch. Er strahlte eine gewisse Kompetenz und Stärke, aber auch Wärme und Menschlichkeit aus, ganz anders als Patrick Stewart in seiner Rolle als Jean-Luc Picard.

 

Überhaupt wirkten die einzelnen Charaktere weniger gezwungen. Keine Spur von einer „erwachsen gewordenen Menschheit“ (wie Picard es z.B. in „Encounter at Farpoint" genannt hatte). Stattdessen fehlerbehaftete, ganz normale Menschen, die Catfish und Steak aßen und Vorurteile gegenüber Vulkaniern hatten. Dies war durchaus ein ein erfrischender neuer Ansatz. Trip Tucker (Connor Trinneer, der sich später in T'Pol (Jolene Blalock) verlieben und das erste „Inter-Spezies-Kind zeugen sollte“, war wunderbar unkompliziert, doch sehr intelligent. Dominic Keating, der sich 2004 auf der Fedcon sehr enttäuscht über die Absetzung äußerte, spielte seinen Waffenoffizier Malcom Reed auf „britische Art“ was ein toller Kontrast zu Tucker war. Der Charakterdarsteller John Billingsley legte Phlox sehr humorvoll und weichherzig an. Er passte als Doktor hervorragend und T'Pol zeigte uns die Zerrissenheit der vulkanischen Kultur im 22. Jahrhundert. Alles in allem wurden wieder einmal wunderbare Schauspieler gecastet.

 

Technisch gesehen  waren die Standards, wie üblich, sehr hoch angesetzt. Allein der Stapellauf der NX01 war sehr schön in Szene gesetzt. Dieser Standard wurde nicht nur gehalten, sondern im Laufe der Show eher noch verbessert. Im dritten Jahr bekamen wir während des Xindi-Konflikts, einer der für mich spannendsten Plots in Star Trek überhaupt, einige Special Effects zu sehen, die damals im TV ihresgleichen suchten.

 

Natürlich waren die Sets ebenfalls wieder auf höchstem Niveau entwickelt und gebaut worden. Die Blaumann-Uniformen der Sternenflotte waren seinerzeit allerdings unter Fans ein heiß diskutierter Streitpunkt. Eine weitere Diskussion löste die Dienstkleidung Jolene Blalocks aus. Was bei Seven of Nine noch funktioniert hatte, wirkte bei der Vulkanierin inzwischen vielleicht etwas aufgesetzt. 

 

Der Titelsong „Where my Heart will take me“ stellte ebenfalls ein Novum im Star Trek Universum dar und symbolisierte den Reboot auf musikalische Weise. Die nächste Generation schien tatsächlich erst einmal obsolet. Viele Fans hätten sich allerdings einen Ansatz gewünscht, der wiederum einhundert Jahre nach der Next Generation- Zeit angesiedelt gewesen wäre. Vielleicht wäre eine derartige Umsetzung auch tatsächlich erfolgreicher gewesen. Doch vieles von dem, was wir nun aus der Anfangszeit der Föderation wissen, wäre uns in diesem Fall nie bekannt geworden. Die Idee barg tolle Möglichkeiten, die insgesamt doch recht gut ausgeschöpft wurden.

 

Wie die anderen Star Trek Serien auch, begnügte man sich zunächst mit der Einführung der Figuren und einem Adventure of the Week Konzept. Obwohl das Gefühl, dies alles schon einmal gesehen zu haben, nicht selten aufkam, fiel doch auf, dass die Folgen teils humorvoller daherkamen, als in den Vorgängern. Phlox, das Unikum der Show, steckte mit seinem ewigen Optimismus einfach an. Mit der 11. Episode wurde der temporale kalte Krieg weitergeführt, ein spannender Plot, der zu Beginn der vierten Staffel leider weniger gut aufgelöst wurde, aber dennoch für viel Spannung sorgte.

 

Die für mich schönste Folge der ersten Staffel heißt „Raumpiraten“ (1x19), in der die Crewmitglieder unangenehme Bekanntschaft mit den Ferengi machen, ohne den Namen der Spezies jedoch herauszufinden. Die Folge ist spannend, witzig und einfach gut erzählt. Die zweite Staffel glänzt durch eine der meist kritisierten Folgen überhaupt: „Regeneration“ (2.23), in der der Kinofilm Star Trek VIII eigentlich schlüsslig und spannend fortgesetzt wird. Leider hagelte es zu diesem Zeitpunkt schon arge Kritiken. Die „Fans“ ließen ihrem Ärger im Internet freien Lauf und fühlten sich zur Aufrechterhaltung des heiligen Star Trek Canon verpflichtet. Die Einschaltquoten sanken. Das war schade, denn die Erzählstruktur der Folge ist überaus intelligent von Mike Sussman und Phyllis Strong angelegt. Wir erleben die Wiedererweckung der Borg, die in Star Trek VIII: Der erste Kontakt mit der Borgsphäre von der Enterprise E abgeschossen wurden und fast einhundert Jahre lang in den Eisschichten der Antarktis begraben lagen. Die Enterprise und ihre Crew tritt erst nach etwa zehn Minuten in Erscheinung und muss sich unvermittelt eines Widersachers erwehren, der von Minute zu Minute stärker wird.

 

 

Die dritte Staffel greift auf das aus Deep Space Nine und Star Trek: Raumschiff Voyager inzwischen bewährte Konzept des übergreifenden Handlungsbogens zurück und stellt einen actiongeladenen Höhepunkt der Serie dar. Die Xindi sind so vielschichtig, wie keine Spezies vor ihr und es knistert in vielen Episoden vor Spannung. Die vierundzwanzig Folgen sprühen vor guten Einfällen und ein Spezialeffekt reiht sich an den nächsten.

 

 

Leider konnte all das die inzwischen in Star Trek: Enterprise umbenannte Serie nicht retten. Die Zuschauer wollten keine Star Trek Serie sehen, die vor der nächsten Generation spielte. Viele schalteten zur grandiosen vierten Staffel nicht mehr ein, so dass in Deutschland die Absetzung der Serie längst bekannt war, als die vierte Staffel im Jahr 2006 erstmalig gesendet wurde.

Die letzte Folge bringt uns noch einmal die von Jonathan Frakes gespielte Figur des Commander Riker zurück, allerdings merklich gealtert in einer zweifelhaften Geschichte, die den tollen Charakteren aus Enterprise nicht im Ansatz gerecht wurde. Trotz dieses unnötigen Ausrutschers endet die Serie mit einer für Fans unvergesslichen Szene, der Gründung der Föderation. Was haben wir für tolle Geschichten verpasst? Doch die Fans haben es damals so gewollt. Das Resultat sind die beiden J. J. Abrams Filme, die weißgott nicht schlecht sind. Doch für mich ist Enterprise mehr Star Trek, als es diese beiden Blockbuster je sein könnten.

persönliche Bewertung: 5/6