Quelle: Cover und Bildzitate: CBS/Netflix
Quelle: Cover und Bildzitate: CBS/Netflix

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Star Trek Discovery, deutsch: Star Trek Discovery (seit 2017)

 

CBS Television Studios, Living Dead Guy Productions, Roddenberry Entertainment, Secret Hideout, deutsche Ausstrahlung: Netflix; 15 Episoden in bisher 1 Staffel, á ca.

45 Minuten, Produktionsland: USA; Idee: Alex Kurtzman, Bryan Fuller; Produktion: Rod Roddenberry, Trevor Roth, Alex Kurtzman und andere, Musik: Jeff Russo

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Darsteller  
Sonequa Martin Green als Michael Burnham Michelle Yeoh als Captain Philippa Georgiou
Jason Isaacs als Captain Gabriel Lorca Doug Jones als Lt. Saru
Maulik Pancholy als Dr. Nambue Anthony Rapp als Lt. Paul Stamets
James Frain als Botschafter Sarek Mary Wiseman als Cadet Sylvia Tilly
Chris Obi als T’Kuvma Sam Vartholomeos als Ensign Connor
Kenneth Mitchell als Kol Shazad Latif als Lt. Tyler

Besprechung:

 

Fazit zum Pilotfilm:

Lange haben wir darauf gewartet und nun ist es endlich soweit: die ersten beiden Episoden der neuesten Star Trek Serie: Star Trek Discovery stehen auf Netflix online. Nach dem ersten, misslungenen Teaser, den Concept Arts und schließlich den nachfolgenden Trailern wusste ich nicht genau, was mich erwarten würde. Also habe ich mich entschieden, mich von den laufenden Diskussionen fernzuhalten und mir erst nach der Erst-Sichtung eine Meinung zu bilden. Dies war eine gute Entscheidung, wie sich nun herausgestellt hat.

 

Sicherlich: an einigen Stellen mag die Serie nicht so aussehen, wie es sich der Altfan gewünscht hätte. Bereits das Opening zeigt sich in einem modernen animierten Gewand, wie wir es ähnlich aus aktuellen Produktionen kennen. Ich hätte mir hier vielleicht eine etwas emotionalere Einstimmung gewünscht. Doch schlecht gelungen ist das Intro keinesfalls. Die Musik ist zudem eine gelungene Mischung aus neu und alt und vereint die klassische Star Trek Melodie von Alexander Courage mit der von Jeff Russo.

 

Die Vulkanier verabschieden sich endgültig von ihrem eher religiös anmutenden Stil und werden in der funktionalen Kleidung der J. J. Abrams Kinofilme präsentiert, die wesentlich besser zu diesem Volk passt. Als größter Streitpunkt unter den Fans erwies sich im Vorfeld die Visualisierung der Klingonen. Den Art-Designern wurde vorgeworfen, sich hier zu weit vom Original entfernt zu haben. Tatsächlich sind die Übereinstimmungen allerdings wesentlich größer, als die Unterschiede. Sowohl die Maske, als auch die Schiffsformen sind martialisch strukturiert und lassen ihren Ursprung gut erkennen. Als wesentlich wichtiger empfinde ich als passionierter Klingonen-Fan jedoch, dass die Kultur als solche mit viel Liebe zum Detail dargestellt wird und sich hervorragend in unser bisheriges Wissen über die Krieger-Rasse einfügt. So werden etwa nicht nur die Legenden um Kahless, den Unvergesslichen geschickt in den Plot eingewoben, es wird auch ausführlich echtes Klingonisch gesprochen. Das freut nicht nur das Fan-Herz, sondern trägt auch zur recht guten Atmosphäre bei.

 

Diese hätte mit einer etwas besseren Tricktechnik hier und da sicherlich noch wesentlich dichter ausfallen können. Obwohl die im Weltraum angesiedelten Digital Effects insgesamt ansehnlich sind, wirken einige Szenen auf mich doch etwas künstlich und steril. Das ist in den letzten Jahren leider gängig geworden und in aktuellen Science Fiction Produktionen wie Killjoys, oder dem ansonsten grandiosen The Expanse, immer wieder zu beobachten. Ob hier Kosteneinsparungen vorgenommen wurden, oder es sich um ein (inzwischen) akzeptiertes Stilmittel handelt, lasse ich mal dahingestellt sein.

Die schauspielerischen Leistungen gehen durchweg in Ordnung. Vor allem die Hauptfiguren Michelle Yeoh als Captain Georgiou, Sonequa Martin Green als Erster Offizier Michael Burnham und Doug Jones als Wissenschaftsoffizier Lt. Saru sind gut gewählt. Vor allem Jones hat es in seiner toll kreierten Maske schwer, macht seine Sache aber hervorragend. Die Nebenfiguren bleiben hingegen blass, was allerdings (ohne zu spoilern) am Charakter der Pilotfolge liegen könnte.

 

Wer die ersten beiden Teile der neuen Star Trek Serie gesehen hat versteht, warum sich CBS so unerbittlich mit den Machern des Fanfilm-Projektes Star Trek Axanar gestritten hat. Die Parallelen sollten keine Überraschung sein und waren bereits in den ersten Trailern auszumachen. Obwohl ich mich gut unterhalten fühle, bleibt allerdings der etwas bittere Beigeschmack, dass Axanar das Thema vielleicht doch besser umgesetzt hätte. Vor allem das etwa zwanzig minütige Prequel ließ darauf schließen, dass hier etwas wirklich Großes hätte entstehen können. Dem Pilotfilm zu Star Trek Discovery fehlt hingegen die Identifikation mit den Helden, die bisher in allen anderen Star Trek Serien so wundervoll gelang. Allerdings bleibt noch viel Raum für die Entwicklung der Figuren, so dass ich hoffe, dass man sich hier nicht nur an dem derzeit angesagten Konzept der Charakter-Ambivalenz und -Dysfunktionalität orientiert. Gerade in der heutigen Zeit benötigt es Leitfiguren, wie sie bei Star Trek gute Tradition sind.

 

Alles in allem bleibt, trotz dieser kleinen Kritik am Inhalt des Drehbuchs, ein positiver Gesamteindruck. Maske, Setdesign und Special Effects sind weitgehend ansehnlich, die schauspielerischen Leistungen sind gut und die Musik sorgt für Atmosphäre. Werden die Beziehungen zwischen den Figuren noch besser ausgelotet, so dass wir im Verlauf der ersten Staffel auch hinter die Fassade unserer Helden blicken dürfen, könnte sich hier ein würdiger Nachfolger des altehrwürdigen Star Trek Franchise abzeichnen. Aber das sehen wir dann in meiner Final-Besprechung zur Staffel.

 

persönliche Bewertung: 4/6

Fazit zur ersten Staffel:

Nun sind also alle 15 Episoden der neuen Star Trek Serie Discovery gelaufen. Die heißen und teils mit harten Bandagen geführten Diskussionen der Fans haben in der Zwischenzeit einen neuen Höhepunkt erreicht. Die Meinungen reichen von „Das beste Star Trek aller Zeiten“, bis zu „Das ist kein Star Trek“.  Die Wahrheit liegt meiner Ansicht nach, wie so oft, wohl in der goldenen Mitte. Wie schon in meiner Besprechung zum Pilotfilm angedeutet, bringe ich Verständnis für die Gruppe auf, die mit einigen der neuen Designs nichts anzufangen weiß. Objektiv betrachtet gab es beispielsweise keinen Grund, die Klingonen einer Generalüberholung zu unterziehen. Aus Sicht der Produzenten hingegen schon. Die neuen Klingonen stellen, wenn man so will, eine Design-Kompilation aus Abrams Kinofilm Star Trek Into Darkness und den traditionellen Klingonen dar. Hinzu kommt ein vollkommen neues Kostümdesign, dass die Individualität der 24 einzelnen Häuser stärker herausstellen sollte. Dieses Kalkül ging nur teilweise auf. Vor allem die alteingesessene Fangemeinde – zumindest ein lauter Teil in den Foren und den deutschsprachigen Facebookgruppen – tut seit Wochen und Monaten ihren Unmut über das veränderte Aussehen ihrer Lieblings-Alienrasse kund. Andererseits mögen offenbar viele neu Hinzugekommene und ein gar nicht mal so kleiner Teil der Altfans die Optik der Kriegerrasse.

Dies allein ist allerdings nicht der Grund, warum der neueste Star Trek Ableger nicht von jedem als „echtes Star Trek“ angesehen wird, obwohl dieser Terminus natürlich schon rein sachlich falsch ist (es handelt sich nun einmal um ein offizielles Prequel zu Star Trek The Original Serials). Als alter Kirk-, Spock- und Pille-Fan sehe ich jedenfalls keinen Grund, Discovery nicht als waschechtes Star Trek zu klassifizieren. Schauen wir uns also die drei wesentlichen Kritikpunkte einmal näher an:

 

Der Sporenantrieb

Die neue Antriebsform stellt wohl eines der unbeliebtesten Features der neuen Serie dar. Als Fantasy verteufelt und in den Abgrund der Schlote von Kronos gewünscht wird argumentiert, dass ein solcher Antrieb weder wissenschaftlich sei, noch überhaupt je in Star Trek Erwähnung gefunden hätte. Ich gebe zu, ich bin auch kein allzu großer Freund dieser Idee, doch dasselbe gilt für einen Warp 10- oder auch den in Star Trek Voyager thematisierten Slipstreamantrieb. Davon ab, dass selbst der klassische Warpantrieb aufgrund seiner physikalischen Voraussetzungen wohl nie mehr als ein theoretisches Konstrukt bleiben wird, ist ein Flug mit Warp 10, der es einem Raumschiff ermöglicht, quasi überall im Universum gleichzeitig zu sein, völlig undenkbar. Die Tatsache, dass man hier den Terminus „Warp“ verwendet, macht die Idee nicht weniger wissenschaftlich oder glaubwürdig.  Dasselbe gilt grundlegend auch für den Slipstreamantrieb – und erst recht für andere Antriebsformen in der Science Fiction allgemein, die aber ohne große Schwierigkeiten akzeptiert werden. Im Übrigen werden in Bezug auf das Pilzsporennetz, dass das Weltall in der Serie durchflutet, Erinnerungen an die recht schlüssig postulierte Dunkle Materie wach, die tatsächlich das gesamte Universum durchziehen und rund fünf Sechstel seiner Gesamtmasse ausmachen soll. Fantasy-Anteile sind in Star Trek übrigens nicht so ungewöhnlich, wie angenommen. Denken wir nur einmal an gewisse Lebewesen wie den „Weltraumwal“, oder die Star Trek The Next Generation Pilotfolge Mission Farpoint. Oder wie wäre es mit dem omnipotenten "Q"?

 

Die kriegerische Handlung

Ein weiterer großer Vorwurf ist die kriegerische Handlung, die nichts mit den Prinzipien der Sternenflotte zu tun habe. Dieser Einwand scheint auf den ersten Blick logisch, wird auf dem zweiten aber ad absurdum geführt. Beispielsweise basierte Star Trek Deep Space Nine seit dem Ende der dritten Staffel genau auf dieser Prämisse. Die Serie um die Raumstation hatte lediglich den Vorteil, den Plot nicht so stark komprimieren zu müssen. Im Durchschnitt standen den Autoren für jede der sieben Staffeln 25 Episoden zur Verfügung, Raum genug, sich zwischendurch vom Kriegsgeschehen zu entfernen und andere Aspekte des Franchise zu beleuchten. Der Trend wurde in Star Trek Voyager fortgeführt. Ebenfalls am Ende der dritten Staffel wurden hier die Borg eingeführt, was den Actionanteil der Serie bis zum unbefriedigenden Finale drastisch erhöhte. Last but not least erlebten wir in Star Trek Enterprise seit dem Ende der zweiten Staffel die Ereignisse um den Xindi-Konflikt hautnah mit, der sich über die gesamte dritte – und den Anfang der vierten Season zog. Kriegerische Konflikte sind also gängiger Autorenalltag in Star Trek und keine unrühmliche Ausnahme, wie wir sehen.

Das Fehlen der Star Trek Prinzipien

Hinzu gesellt sich die Tatsche, dass Star Trek Discovery den Klingonen-Krieg im Grunde nur als actionreichen Aufhänger für eine politik-philosophische Betrachtung der aktuellen Weltereignisse heranzieht. Zunächst einmal wird der Krieg von einem religiösen klingonischen Eiferer angestrebt und von einem Mitglied der Föderation versehentlich, aber selbstverschuldet, ausgelöst (die Allegorie auf den Nah-Ost Konflikt liegt nahe). Nun beleuchtet die Serie über den Rest der Staffel hinweg die Frage, wie weit eine als zivilisiert geltende Staaten- (oder hier Planeten-) -gemeinschaft bereit ist zu gehen, wenn sie sich bedroht fühlt. Die Sternenflotte riskiert ohne Skrupel Menschenversuche, um sich mit dem Sporenantrieb einen Vorteil im Krieg zu verschaffen, Captain Lorcas brutales und rücksichtsloses Vorgehen bleibt ungesühnt und letztlich schreckt man sogar vor einem Plan zum Völkermord nicht zurück. Die Heldin Michael Burnham wird von den Ereignissen überrollt und quasi innerlich zerrissen. Sie trägt die schwere Last- die Bürde - auf sich, den Krieg begonnen und haben. Im Gegensatz zu anderen Protagonisten der Serie erweist sie sich jedoch als lernfähig und stellt eben genau jene unbequemen Fragen, die sich viele Staatengemeinschaften in der realen Weltpolitik derzeit auch gefallen lassen müssen. Wie radikal darf man sein, um das zu schützen, was in einer Gesellschaft als sozialer und religiöser Konsens gilt? Wie weit darf man gehen, um „das Andere“ von den eigenen Grenzen fernzuhalten, auch wenn man das Auftauchen des Fremden selbst mitverschuldet hat? Und: ist es gerechtfertigt, alle Prinzipien der Menschlichkeit über Bord zu werfen, um einen Sieg über das vermeintlich Böse zu erringen, oder wird man letztlich auf diese Art nicht zum dem, was man eigentlich bekämpfen wollte? Dazu gesellen sich Fragen wie die nach der garantierten Unversehrtheit des Individuums (schließlich akzeptiert die Sternenflotte nicht nur Versuche an einer anderen Spezies, sondern auch an Lt. Com. Paul Stamets) und die sehr menschliche metaphysische Frage, was Liebe ertragen kann.

 

Dies alles sind von jeher Kernthemen in Star Trek gewesen, denen sich die Autorinnen und Autoren annahmen. In Discovery mögen diese Intentionen nicht mit der ersten Episode ans Tageslicht treten, doch sie werden von Folge zu Folge bis hin zum Finale immer klarer herausgearbeitet. Damit erweist sich Star Trek Discovery als eine neue Star Trek Serie in bester Franchise-Tradition. Sicherlich gibt es gerechtfertigte Kritik. Es hätte weder unbedingt eines Sporenantriebs bedurft, noch wäre ein so drastisches Umstyling der Klingonen zwingend nötig gewesen. Hier und da gibt es das ein oder andere Plothole und nicht jede Episode ist gleichsam gut gelungen. Doch Insgesamt ist man bei CBS  auf dem richtigen Weg, allen Unkenrufen der lauten Kritikergemeinde zum Trotz. Denn Star Trek Discovery ist endlich wieder ein Erfolg und führt zu einer Belebung des Fandoms. Das beweisen nicht zuletzt die guten Bewertungen auf ImdB (7,4) und Rotten Tomatoes (88%). Auf Metacritic fällt die Gesamtbewertung mit 72% war noch etwas niedriger aus, aber insgesamt immer noch sehr ansehnlich. Am Wichtigsten ist jedoch, dass das Fandom eine lange benötigte Frischzellenkur erhält. Keine Serie lief auf Netflix so erfolgreich an, wie Discovery und in den USA freut sich der CBS eigene Streamingdienst All Access über den großen Erfolg und hat schon lange grünes Licht für die zweite Staffel gegeben. Ab 2019 werden sich dann, so wurde angekündigt, Antworten auf einige kanonische Fragen ergeben. Wir dürfen gespannt sein.

persönliche Bewertung Staffel 1: 4(+)/6