Quelle: DVD Cover und Szenenfotos: Breu Media
Quelle: DVD Cover und Szenenfotos: Breu Media

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2063, Original: Space: Above and Beyond (1994-1995)

FOX Network, Breu Media, New KSM; 1 Pilotfilm á ca. 90 min und 22 Folgen á ca. 45 min; Produktionsland: USA; Idee: Glen Morgan, James Wong; Produktion: Glen Morgan, James Wong; Musik: Shirley Walker __________________________________________________________________________________________________________________________________

Darsteller:  
Kristen Cloke als Capt. Shane Vansen Rodney Rowland als Lt. Cooper Hawkes
Morgan Weisser als Lt. Nathan West Joel de La Fuente als Lt. Paul Wang
Lanei Chapman als Lt. Vanessa Damphousse James Morrison als Lt. Col. Tyrus Cassius McQueen
Tucker Smallwood als Commodore Glen van Ross  

Besprechung:

Inhalt

Wir schreiben das Jahr 2063. Die Menschen leben in relativem Frieden.  Nach langen Forschungen veröffentlicht der Mega-Konzern Aero Tech die Nachricht, dass es außer der Menschheit kein intelligentes Leben im All gibt. Doch dies stellt sich als folgenschwerer Irrtum heraus. Denn eines Abends wird der erste der beiden von dem mächtigen Unternehmen besiedelten Planeten von einer unbekannten Macht angriffen und die Kolonie vollständig zerstört, während man auf der Erde noch nichtsahnend das nächste Kolonisierungsschiff bemannt.

 

Zu dieser Zeit bereitet sich der junge Nathan West mit seiner großen Liebe auf den Start ins All, in ein neues Leben vor. Neun Stunden vor dem Abflug teilt der Gouverneur Nathan jedoch mit, dass dieser entlassen ist. Seinen Platz soll ein künstlich gezeugte Mensch, ein  InVitro einnehmen. Dieses, ursprünglich zu Kriegszwecken künstlich erzeugte Menschengeschlecht, drängt nach zwei Generationen voller Schikanen und Sklavenarbeit nun endlich auf seine Rechte und findet politische Unterstützung, die Nathan nun mit aller Macht zu spüren bekommt

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Wests verzweifelter Versuch, sich illegal an Bord des Raumschiffes zu schmuggeln, findet ein jähes Ende und Nathans Freundin Kylen startet schließlich ohne ihn. Noch bevor das Schiff jedoch in seiner neuen Heimat landet, wird auch dieses angegriffen und der Erde somit der Krieg erklärt. Nathan ahnt davon nichts und meldet sich zu den Marines, weil es heißt, eine Fliegerstaffel würde zur neu gegründeten außerirdischen Kolonie als Schutz abkommandiert. Mitten in der Ausbildung kommen die schrecklichen Neuigkeiten über den Äther, dass eine außerirdische Rasse namens „Chicks“, friedliche Kolonisten erbarmungslos abgeschlachtet haben. Ein mörderischer interplanetarer Krieg entbrennt. Nathan muss sich nun auf seine Kameraden vom 58. Marine-Flieger-Corps stützen, denn sie sind seine einzige Chance, diesen Krieg zu überleben und Kylen wiederzusehen.

Fazit:

1993 war ein gutes Jahr für das Science-Fiction-TV und insbesondere für die Space Opera. Babylon 5 und Star Trek: Deep Space Nine liefen im TV und sowieso war Star Trek in aller Munde. Hinzu kamen weitere sehr erfolgreiche Konzepte wie etwa Akte X, die Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockten und oft zu modernen Klassikern avancierten. Also trat Fox, dessen Zugpferd eben jene berühmt gewordene Serie namens Akte X war, an zwei der Hauptautoren der X-Files heran, um eine eigene Space Opera im Stil von Top Gun zu entwickeln. Glen Morgan und James Wong wollten aber mehr: eine Verbindung von Alien und der beeindruckenden Show „Nam – Dienst in Vietnam“ sollte es sein. Was die beiden Autoren dann mit Space 2063 schufen, hätte nicht weniger als eine der besten Shows der 90er Jahre werden können. Leider stellte Fox die Serie aufgrund zu hoher Produktionskosten vorzeitig ein.

 

Die sehr hohen Kosten sieht man der Serie noch heute an jeder Stelle an, wenn die Optik inzwischen auch angestaubt wirken mag. Alle Raumschiffsequenzen wurden z.B. von der Special Effects-Firma Area51 in Full CGI entwickelt, ein in den frühen 90er Jahren noch sehr junges Verfahren für das TV. Entsprechend weisen diese Szenen, allen voran die Weltraumschlachten, für die damalige Zeit ein sehr hohes qualitatives Niveau auf. Und Action gibt es in dem Pilotfilm und den insgesamt 22 Episoden reichlich. Auch die Sets sind hervorragend und hochwertig designt und vermitteln ein martialisches, militaristisches Feeling, das der Serie einen nahezu einzigartiges Feeling verleiht. Visuell gehört Space 2063  also sicherlich zu den besten Serien ihrer Zeit.

Doch wie sieht es inhaltich aus? Die jungen Helden der Serie sind Teil einer Marine-Einheit, die sowohl im Weltraum, als auch auf Planeten eingesetzt wird. Zwischen Shane Vansen, Nathan West, Vanessa Damphousse, Paul Wang und dem InVitro Cooper Hawkes, der anfangs der Außenseiter der Truppe ist, da er durch künstliche Befruchtung in einem Tank erzeugt wurde, entwickelt sich ein starkes Band. Hinter diesem, auf den ersten Blick schlicht wirkenden Soldaten-Beziehungs-Geflecht verbirgt sich allerdings wesentlich mehr. Die Figuren sind tiefgründig geschrieben und bekämpfen mehr als einmal innerhalb der 23 Episoden sowohl die Dämonen ihrer Vergangenheit, als auch der Gegenwart. Hinzu kommt, dass Glen Morgan und James Wong in diesen wenigen Folgen ein unglaublich dichtes Franchise geschaffen haben und man sich unwillkürlich fragt, was die Zuschauer wohl noch erwartet hätte, wenn nur mehr Zeit zur weiteren Entwicklung geblieben wäre.

 

Auch die Backstory wirkt wohl durchdacht. Die Menschheit hat schwere Fehler begangen. Sie züchtete die InVitros als Kanonenfutter für einen Krieg, den sie selbst verursacht hat. Verslavte Replikanten, Androiden mit weit entwickelter künstlicher Intelligenz, lehnten sich gegen ihre Herren auf, nachdem sie den Wert von Freiheit erkannt haben. Anstatt das Leben in all ihren Formen zu ehren und zu respektieren, schuf man sich weitere vermeintliche Diener, die „Tanks“ (InVitros).

 Zu Beginn der Serie liegt sowohl der Aufstand der künstlichen Menschen, als auch die zumindest offizielle Befreiung der InVitros viele Jahre zurück. Die Auswirkungen jener schlimmen Epoche sind aber noch immer spürbar. Als weitere Prämisse erdachten Wong und Morgan eine Kolonisierung des Alls, die wiederum im kriegerischen Chaos endet. Ein interplanetarer Krieg entbrennt, den ein fast allmächtiger Konzern mitzuverantworten hat. In diesem Wirrwarr lernen sich die Protagonisten während ihrer Militärausbildung kennen. Jeder von ihnen hat eigene Motive, eigene Ziele. Es sind Individualisten. Im Laufe ihres ersten Einsatzes lernen die jungen Soldaten und Soldatinnen aber, dass sie nur überleben können, wenn sie zusammen halten. Genau dieser Zusammenhalt ist ein Hauptthema der Serie.

 

Die genannten Hintergründe ermöglichten dem Autorenteam überaus intensiv geschriebene und spannungsgeladene Geschichten, die mehr oder weniger einem übergreifenden Storybogen folgen. Sehr in Erinnerung geblieben ist mir zum Beispiel die gruselige Episode 7x01 „Das trojanische Pferd“, in der es um eine Psychowaffe der Chicks geht. Auch 1x09 „Gedenket der Toten“ geht sehr unter die Haut. Immer wieder wird dem Zuschauer der Un- und Wahnsinn des Krieges innerhalb eines komplexen SciFi Szenarios vor Augen geführt. Die oben erwähnten Handlungsstränge werden dabei in Subplots weiter vorangetrieben und ausgebaut. Und obwohl die Motive der  "Wildcards" , der Replikantenkrieg, der Umgang mit den InVitros und der interplanetare Krieg oberflächlich gesehen nicht direkt miteinander verknüpft sind,  schaffen es die beiden Autoren doch, ihre Geschichten elegant zu verbinden. Zusammengehalten wird das Ganze von unseren Helden und ihrem Anführer und Ruhepol, Colonel McQueen, ebenfalls ein InVitro.

Die Rolle wird von James Morrison denkwürdig ausgefüllt. Er spielt seinen McQueen mit der notwendigen Konsequenz, aber auch Sympathie für seine Untergebenen, demonstriert aber auch die Distanz, die ein Offizier seiner Truppe gegenüber zu halten hat. So ganz durchschaubar ist er nie. So bleibt die Figur sehr interessant. Gleiches gilt für Rodney Rowland, der den „Tank“ (anderes Wort für InVitro) Cooper Hawkes gleichsam gut spielt. Er gibt einen jungen Mann, der sich seiner selbst nicht bewusst ist und darunter leidet, als künstlich erzeugter Mensch nie eine Familie gehabt zu haben. In der berührenden Folge „Meuterei“ (1x04) findet er endlich ein lang gesuchtes Familienmitglied, eine Schwester, muss sie aber töten, um den Rest der Mannschaft zu retten. Er ist vielleicht die tiefschürfendste Figur der Serie, obwohl alle Charaktere ihre Leichen im Keller haben. Es ist äußerst interessant, herauszufinden, was es denn genau ist.

 

Das alles ist, wie oben erwähnt, mit einer gehörigen Portion Action im Sinne eines Kriegsdramas gewürzt. Die Szenarien reichen von Bodenkämpfen über Raumschlachten, Belagerungen und Angriffsszenarien bis hin zu einer „Hexenjagd“ auf InVitros im Militär, die gerade noch rechtzeitig unterbunden werden kann. Für mich ist Space 2063 -  Above And Beyond insgesamt nach wie vor eine der vielversprechendesten Serien überhaupt und ich bedaure, dass es nur diese insgesamt 23 Folgen gibt, die ich mir in gewissen Abständen immer wieder gerne anschaue.

persönliche Bewertung: 6/6