Robocop, original: Robocop: The Series (1994-1995)

 CTV Canada, digidreams Studios, Orion Pictures (trademark); 1 Pilotfilm á ca. 90 min und 20 weitere Folgen á ca. 45 min, Produktionsland: Kanada;

Idee: Stephen Downing, Produktion: J. Miles Dale; Musik: Ending Theme: Joe Walsh und Lita Ford: "Future to this Life"

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Darsteller:  
Richard Eden als Robocop Alex Murphy Yvette Nipar als Officer Lisa Madigan
Blu Mankuma als Sergeant Stanley Parks Andrea Roth als Diana Powers
David Gardner als "der alte Mann", OCP Ceo
Sarah Campbell als Gertrude „Gadget“ Modestro
Ed Sahely als Charlie Lippencott Jennifer Griffin als Nancy Murphy
Peter Costigan als Jimmy Murphy John Rubinstein als Chip Chayken

Besprechung:

Inhalt:

Die nahe Zukunft, das alte Detroit, Michigan. Hier wirkt der vom Megakonzern OCP erschaffene Robocop als Polizist und Vorbild und sorgt für ein sicheres Alt-Detroit, das inzwischen fast zu einem Slum verkommen ist. Die Reichen leben in dem neu geschaffenen Vorort Delta City.

Robocop ist halb Mensch, halb Maschine. Die Maschine wird vom Gehirn des im Einsatz erschossenen Cops Alex Murphy gesteuert. Dieses hat entgegen der ursprünglichen Programmierung die Erinnerung an das frühere Leben des Cops nicht verloren. So setzt Robocop alles daran, seine Familie vor den immer brutaler agierenden Verbrechern in Alt-Detroit zu schützen, obwohl er weiß, dass er nie wieder mit seiner Frau und seinem Sohn vereint sein kann. So fährt Robocop Tag und Nacht durch die Straßen der Stadt, denn „irgendwo geschieht gerade ein Verbrechen“ und dieses gilt es, zu verhindern.

 

Fazit:

Zwischen den 70er und 90er Jahren gab es eine ganze Reihe von Science-Fiction-Serien, die es nicht über ein oder zwei Staffeln hinaus geschafft haben. Viele dieser Shows waren wenig durchdacht oder verfügten nicht über ein angemessenes Budget, wie zum Beispiel die nur sechsteilige Show Space Rangers. Andere, wie Space 2063Kampfstern Galactica oder Buck Rogers in the 25th Century waren von Anfang an grandios, wurden aber aufgrund zu hoher Kosten abgesetzt.

Und dann gibt es noch Konzepte, denen man ihr großes Potential durchaus ansieht. Die Umsetzung mag nicht immer rundum perfekt sein. Dennoch bereitet das Anschauen Spaß, so dass man gerne Folge für Folge einschaltet. Leider, aber dennoch nachvollziehbar, entscheidet letztlich der schnöde Mammon. Sind den Sendern die Einschaltquoten zu niedrig, wird vorzeitig die Reißleine gezogen. Da trifft es auch bisweilen kultverdächtige Shows wie Earth 2 oder  Spacecops.

Was auf diese beiden zutrifft, lässt sich durchaus auch über Robocop – The Series resümieren. Allerdings stand die Serie aber auch von Anfang an unter einem schlechten Stern. Der damals gerade erschienene Robocop 3 sollte, wie die beiden Vorgängerfilme, ein großer Erfolg werden und die Serie auf dieser Welle sozusagen mitschwimmen lassen. Statt eines Klassikers lieferten die Produzenten aber zweitklassigen Bockmist ab. Zudem standen die liebgewonnenen Hauptdarsteller Peter Weller und Nancy Allen für Teil 3 nicht mehr zur Verfügung. Selbiges trifft auch auf die Serie zu, obwohl mir  das in diesem Fall erstaunlich wenig ausmacht. Richard Eden erweist sich als ebenbürtiger Robocop zu Peter Wellers Vorstellung und mit Yvette Nipar als Lisa Madigan wurde gleich ein ganz neuer Partner für unseren allseits beliebten „Robo“ eingeführt.

Die Serie ignoriert klugerweise die Ereignisse aus Robocop 2 und 3 und setzt etwa zwei bis drei Jahre nach dem ersten Film an. Robocop erinnert sich inzwischen vollständig an sein altes Leben und beschützt seine Familie unerkannt aus dem Hintergrund. „Der alte Mann“ von OCP, diesmal gespielt von David Gardner, ist kein geldgieriger Mistkerl mehr, sondern durch die vorangegangen Ereignisse menschenfreundlicher geworden, obgleich ihm die Gewinnmaximierung noch immer über alles geht. Schon der Pilotfilm „The Future of Enlargement“ wartet mit einer Überraschung auf, stammt das Drehbuch doch aus der Feder von Michel Miner und Edward Neumeier, die schon das Buch für Robocop 1 vorgelegt hatten. Ihr Entwurf zum Sequel wurde abgelehnt, doch viele der Ideen fanden ihren Weg in den erstaunlich guten Pilotilm.

Hier wird auch gleich eine weitere Figur eingeführt, Diana, die ermordet wird, um ihr Gehirn für die zentrale Steuerung des sogenannten Metronet (im Grunde das Internet) zu missbrauchen. Diana wird im Laufe der leider einzigen Season zu Robos wichtigster Verbündeten. Tatsächlich weist der Pilotfilm zudem viel von dem bissigen Zynismus auf, der schon den ersten Teil der Filmserie auszeichnete. Dieser teils schon gemeine Humor zieht sich im Übrigen fast durch die gesamte Staffel. Mir hat dieses Stilmittel sofort gut gefallen, das „Universum“ der Filme wurde recht gut auf die aufwendig produzierte Serie übertragen.

 

Was in den Filmen stets etwas zu kurz kommt, findet hier endlich ihre Berechtigung: Alex Murphy`s Seelenleben. Der hat sich zwar inzwischen mit seinem Schicksal arrangiert, vermisst aber seine Frau und seinen Sohn, der ihm immer wieder über den Weg läuft. In einer Folge schließt sich Junior beispielsweise einer brutalen Bande an, die sich als Sicherheitstrupp tarnt, ein anderes Mal wird er gar entführt, um Robo zu erpressen. Des Weiteren finden die Autoren erfreulicherweise die Zeit, Alex` Eltern einzuführen, was eine interessante Episode nach sich zieht.

 

Witzige Ideen wie „Crime Inside“ eine perverse Fernsehserie, die Gangster während der Ausübung ihrer Verbrechen zeigt, runden die Storys ab. Selbst als ein Ladenbesitzer zusammengeschlagen und bedroht wird, hält die Kamera voll drauf, eine wundervoll zynische Szene, die nicht an Kritik an der steigenden Gewaltgier der Medien spart. Überhaupt verfügt Robocop - die Serie bei aller Action und Familienfreundlichkeit, die in den 90er Jahren noch zur Grundlage eines erfolgreichen Konzepts gehörten, durchaus über Tiefsinnigkeit. Die Zeichentrickfigur „Commander Cash“ etwa treibt die Idee, dass die Welt durch einige Megakonzerne regiert wird und selbst traditionell staatliche Institutionen wie die Polizei oder Sozialeinrichtungen gewinnorientiert privatisiert sind, auf die sprichwörtliche Spitze. Die immer wieder eingeflochtenen kleinen Zeichentrickfilmchen mit Commander Cash sind so bissig und fies, dass sie zu meinen persönlichen Highlights gehören.

 

Rein technisch mag die Serie aus heutiger Sicht etwas altbacken wirken. Kamerafahrten und Schnitte sind in unseren Tagen wesentlich rasanter, die Szenen blutiger und brutaler, der Bodycount höher. Doch Robocop gehörte in ihrer Zeit sicherlich zu den nicht billig produzierten Projekten und hat dem Fan einiges zu bieten. Die Stunts sind prima und die Spezialeffekte mehr als nur zweckmäßig. Darüber hinaus haben sich die Produzenten um sympathische Schauspieler bemüht, die ihre Jobs ernst nehmen, ihre Rollen aber nicht zu ernst spielen. Gerade Robos Gegner glänzen durch völlig beabsichtigtes Overacting, was der Show einen typischen 90er Jahre Charme verleiht.

Alles in allen verfügte diese Weiterführung des Franchise über eine Menge Potential. Doch der große und berechtigte Misserfolg des dritten Kinofilms trug auch entscheidend mit dazu bei, dass der Serie kein Erfolg beschieden war.  Bis heute werden die 22 Episoden daher unterschätzt. So blieb das Projekt letztlich hinter seinen Erwartungen zurück und fiel jahrelang dem Vergessen anheim, bis Digi Dreams sie aus der Versenkung holte und endlich einem breiteren Publikum zugänglich machte. Denkt was ihr wollt: für mich ist Robocop die Serie ein vergessenes Stück Kult eines Franchise' das leider seit seinem Bestehen immer wieder mit falschen Entscheidungen zu kämpfen hat.

Zur Disc:

Im Gegensatz zu den bisherigen Releases handelt es sich bei dieser Veröffentlichung von Digi Dreams um eine digital remastered Version, die sogar erstmals Extras wie ein Sneak Peek, deutsche und englische Trailer und witzigerweise einen japanischen Werbespot enthält, in dem Robocop zu sehen ist. Die Box mit 6 DVDs und insgesamt rund 1025 min Laufzeit ist für den sehr fairen Preis von etwa 10€ zu haben.

persönliche Bewertung: 4/6