Quelle: Cover und Bildzitate: Pidax
Quelle: Cover und Bildzitate: Pidax

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Onkel vom Mars, original: My favorite Martian (1963 - 1966)

Jack Chertok Television Productions, CBS Television, deutsche Veröffentlichung: Pidax, Produktionsland: USA; 107 Folgen á ca 25 Minuten;

Idee: John L. Greene, Produzent: Jack Chertok, Musik: George Greeley

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Darsteller:  
Ray Walston als Onkel Martin J. Pat O'Malley als Mr. Burns
Bill Bixby als Tim O'Hara Roy Engel als Polizist
Pamela Britton als Mrs. Lorelei Brown Lee Krieger als Officer Walker
Alan Hewitt als Detective Bill Brennan Harry Lauter als Detective Smithers

Einleitung:

Anstatt, wie üblich, eine persönlich gehaltene Besprechung, möchte ich heute ausnahmsweise einen netten und kompetenten Kollegen zu Wort kommen lassen, der maßgeblich dazu beitrug, dass wir die deutsche Fassung der Kultserie Mein Onkel vom Mars endlich in Deutschland in unseren Händen halten können. Ekmar Brand hat es in Zusammenarbeit mit Peter Greenwood und Pidax geschafft, uns diesen Klassiker in Deutsch und Englisch in guter Bild- und Tonqualität zugänglich zu machen. Was wäre also naheliegender, als den Mann zu Wort kommen zu lassen, dem wir dieses kleine Sammlerglück verdanken? Hier also die ausführliche Geschichte zu: Mein Onkel vom Mars.

 

Gastbeitrag von Ekmar Brand:

MEIN ONKEL VOM MARS ist zurückgekehrt

Es war einmal vor langer Zeit... es gab nur drei Fernsehprogramme. Trotz weniger Fernsehsender, war das Fernsehprogramm sehr vielfältig. Während man heute auf Hunderten von Fernsehsendern nur noch uninteressanter langweiliger Einheitsbrei für die breite Masse läuft, gab es früher bei den Fernsehsendern der Bundesrepublik Deutschland ein sehr interessantes und buntes "Best of" aller Film- und Fernsehproduktionen aus In- und Ausland zu sehen. Einige Serien werden damals unverständlicherweise nur ein einziges Mal und nie wieder gesendet, z.B. MENSCHEN IM WELTRAUM, INVASION VON DER WEGA, SEALAB 2020, ROBINZAK, DER MANN VOM ANDEREN STERN und MEIN ONKEL VOM MARS, um nur ein paar Serien zu nennen.

 

Als die Serie MEIN ONKEL VOM MARS im ZDF lief, war ich gerade mal 10 Jahre alt. Von einigen Folgen zeichnete ich auch den Ton mit einem Kassettenrekorder auf. Die Serie regte damals sehr stark unsere kindliche Phantasie an. Meine Klassenkameraden und ich spielten in jeder freien Minute die Folgen nach und dachten uns neue Abenteuer aus.  Ich war meistens Onkel Martin, mein Bruder war Tim, mein Kumpel war der Polizist Brennon und dessen jüngerer Bruder war mein frecher Neffe Andy, die ständig irgendwelche Sachen anstellte. Die Nachbarstochter war Lorelei. Andy und ich hatten natürlich die Fähigkeit, Antennen auszufahren und uns (in unserer Vorstellung) unsichtbar zu machen. Um die nötigen Antennen zerlegten wir ein paar alte Radios. Telekinetische Kräfte besaß ich ebenfalls (okay, ich gebe zu: ich hatte ein bisschen mit einer Angel geschummelt).

 

Nach 32 Folgen gab erstmal ein halbes Jahr Pause, dann folgen im ZDF 16 Zeichentrickepisoden, in denen dann die marsianische Familie um einen rosa Mars-Hund ergänzt wurde. Trotz großer Popularität verschwand die Serie anschließend jahrzehntelang in der Versenkung. 

 

Die deutsche und einzige Ausstrahlung von MEIN ONKEL VOM MARS ist schon über 40 Jahre her. Im ZDF sendete man (leider) nur die Farbfolgen, und zwar vom 15. Mai 1976 bis 9. April 1977. In den alten Fernsehzeitschriften wie "Gong", "Hör zu" und „Bild + Funk" wurden in Leserbriefen immer wieder Wiederholungswünsche nach dieser Kultserie laut. Leider blieb das ZDF bis heute auf beiden Ohren taub, obwohl das ZDF Jahre später auch MORK VOM ORK (1978-1982) und ALF (1986-1990) sendete, wo ebenfalls ein Außerirdischer auf der Erde notlandete. Umso größer ist nun die Freude, dass Pidax diese Fernsehserie endlich auf DVD veröffentlicht.

 

Zur Serie:

MEIN ONKEL VOM MARS ist eine Sitcom, die von Jack Chertok Television produziert wurde. In den USA liefen 107 Episoden von 29. September 1963 bis 1. Mai 1966 bei CBS im Fernsehen. Der Humor der Serie war wegweisend für andere Sitcoms. Mit ähnlicher Situationskomik ließen sich die Fernsehserien BEZAUBERNDE JEANNIE (1965–1970) und VERLIEBT IN EINE HEXE (1964–1972) von MEIN ONKEL VOM MARS inspirieren, wo die Titelfigur ebenfalls übernatürliche Kräfte hatte, jedoch nicht mit überlegener wissenschaftlicher Technik, sondern mit Magie.

 

Wie fing alles an, und worum ging es?

Die Amerikaner starten einen Testflug mit einer X-15. Ein Raumschiff vom Mars muss ausweichen und macht eine Bruchlandung auf der Erde. Der Reporter Tim O'Hara, gespielt von Bill Bixby (Genre-Fans bekannt als David Bruce Banner in DER UNGLAUBLICHE HULK) findet einen Marsianer (gespielt von Ray Walston) in dem abgestürzten UFO und bringt in in sein Haus. Tim will einen Bericht über den Marsmenschen schreiben, aber schließlich gelingt es dem Marsianer, der nun unter dem Decknamen Onkel Martin lebt, Tim zu überzeugen, dies nicht zu tun. Martin sieht äußerlich wie ein normaler Mensch aus, hat hat viele besondere Kräfte. Er kann Antennen aus seinem Kopf ausfahren und sich unsichtbar machen, er kann Gedanken lesen, und er kann mit Hilfe seines Levitationsfingers telekinetische Kräfte ausüben. Außerdem ist er wesentlich intelligenter als ein Erdmensch. Martin besitzt eine ganze Reihe von Erfindungen, unter anderem eine Zeitmaschine für Reisen in die Vergangenheit und wieder zurück sowie einen besonderen Fotoapparat, mit dem er Zukunftsfotos schießen kann. Martin und Tim haben zwei extrem neugierige Nachbarn: Mrs. Lorelei Brown (Pamela Britton) und der Polizist Bill Brennan (Alan Hewitt), dem immer alles verdächtig vorkommt. Tim hat das marsianische Raumschiff in seiner Garage versteckt. Martin versucht, sein Raumschiff zu reparieren, was aber nicht einfach ist, weil es auf der Erde keine Ersatzteile gibt. Deshalb muß es alles neu erfinden. In vielen Folgen der dritten Staffel benutzt Martin eine Zeitmaschine. In dem Eröffnungszweiteiler "Die Reise nach St. Louis" der dritten Staffel werden Martin und Tim durch die Zeitmaschine unfreiwillig in den Wilden Westen versetzt. Hierbei begegnen Martin und Tim den Vorfahren von Mrs. Lorelei Brown und Sheriff Brennan (die natürlich verblüffende Ähnlichkeit mit ihren Versionen in der Gegenwart haben). Der Regisseur Robert Zemeckis nahm sich also wohl offensichtlich diesen Zweiteiler als Vorbild für ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT III (1990), denn es gibt viele interessante Parallelen. In der TV-Serie MEIN ONKEL VOM MARS ist grundsätzlich alles möglich, was unmöglich erscheint, gewürzt mit einer schönen Prise Humor.

 

Der Titelsong:

Die deutsche Fernsehversion bietet eine Besonderheit, und zwar den Titelsong vom Orchester Amper & Strittmatter (Quirin Amper Jr. und Fred Strittmatter):

 

"Mein Onkel vom Mars macht die tollsten Sachen.

 

Mein Onkel vom Mars bringt die Leute zum Lachen.

 

Fliegt die Welt in die Luft, wer war's?

 

Mein Onkel, Mein Onkel vom Mars!

 

Wer kommt mit 'nem lauten Knall,

 

mit dem Raumschiff aus dem All?

 

Wer ist vielen nicht geheuer,

 

wegen seiner Abenteuer?

 

Wer kann sich in Luft auflösen,

 

als wäre er niemals da gewesen?

 

Mein Onkel vom Mars, mein Onkel vom Mars."

 

Quirin Amper Jr. war der Vater von Robert Amper und Thomas Amper. Robert Amper ist in der deutschen Fanszene bekannt durch seine RAUMSCHIFF HIGHLANDER-Fanfilme. In der US-Version gab es nur eine instrumentale Titelmusik mit anderer Melodie.

Die Desilu Studios

 

Die Fernsehserie Mein Onkel vom Mars wurde damals in den Desilu-Studios (wo später auch Raumschiff Enterprise entstand) auf kinotauglichem 35-mm-Filmmaterial gedreht, was sogar eine Abtastung in HD möglich machte (für die DVD-Veröffentlichung herunterkonvertiert in SD). Das Drehbuch zu der Episode "Geliebter Räuber" schrieb übrigens der bekannte RAUMSCHIFF ENTERPRISE-Autor Gene L. Coon.

 

Die Pilotfolge (damals noch in Schwarzweiß gedreht) wurde von Pidax für die DVD-Veröffentlichung erstmals deutsch synchronisiert. Die anderen Folgen haben den alten Ton, wie wir ihn noch vom ZDF kennen. Welche Unterschiede gibt es zwischen beiden Synchronfassungen? Da die deutschen Originalsprecher nicht mehr leben oder schon zu alt sind, wurden alle Rollen der Pilotfolge mit anderen Sprechern neu besetzt. Die Pidax-Synchronisation hält sich mehr ans Original, dazu wurden auch die deutschen Stimmen im Synchronstudio mit alten Mikrofonen neu aufgenommen, um mehr Authentizität mit Nostalgiewert zu schaffen, wobei auch die Zuschauer-Lacher vorhanden sind (die es beim ZDF nicht gab und ich persönlich die ZDF-Variante ohne Lacher bevorzuge). Die Musik wurde instrumental belassen. Die ZDF-Fassung klingt sehr modern und hat eine Top-Qualität, sogar weitaus besser als irgendeine aktuelle Fernsehsynchronisation von heute. Der deutsche Titelsong von Orchester Amper & Strittmatter ist 15 Sekunden länger als die US-Titelmusik, deshalb gab es leichte Probleme mit den unterschiedlichen Längen der Musiken, die bei Vor- und Abspann zum Bildmaterial angepasst werden mussten, wozu der deutsche Song dann leicht versetzt wurde, aber es fehlt nichts von Dialogen, und gekürzt wurde auch nichts.

 

Die Snychronisation

Die deutschen Synchronstimmen sind bei beiden Synchronfassungen top!  

 

Vom Pilotfilm selber existieren es drei verschiedene Fassungen:

 

1. US-TV-Fassung (bei Pidax erstmals in deutscher Sprache veröffentlicht), Länge: 24:41

 

2. Unaired Pilot (in Australien als DVD-Extra erschien), Länge 27:26

 

3. Extended Pilot (wird zurzeit von Peter Greenwood restauriert), Länge: ca. 45:00

 

Worin unterscheiden sich die unterschiedlichen Fassungen der Pilotfolge? Im Unaired Pilot sieht man zusätzlich die Bergung des UFOs und wie es in Tims Garage versteckt wird. Im Extended Pilot wird man einen fehlenden langen Handlungsstrang sehen, wie Martin mit seinem Raumschiff einen Startversuch unternimmt und schließlich ein zweites Mal notlanden muss.

 

Wie ging es weiter, und wie sieht die Zukunft aus?

74 Schwarzweiß-Episoden wurden bisher nicht Deutsch synchronisiert, aber die Folgen diese Folgen können jetzt ebenfalls kommen, weil Pidax das komplette Filmmaterial der Serie Dank Peter Greenwood von Jack Chertok Television vorliegen hat. Da eine komplette deutsche Synchronisation sehr aufwendig ist, ist es sehr wichtig, dass alle interessierten Leute sich die Serie auf DVD kaufen, damit auch der Rest kommen kann (einschließlich des Extended Pilots), weil dies von den Verkaufszahlen abhängig ist. Ich bin überzeugt, dass die Sache sehr gut laufen wird und dass wir uns noch über viele neue DVDs freuen werden!

Die Zeichentrickserie

Nach der Live-Action-Sitcom wurde eine Zeichentrickserie von Filmation (DIE ENTERPRISE, SEALAB 2020) produziert, sie und lief 16 Episoden lang zwischen 1973 und 1975 bei CBS auch unter dem Titel MY FAVORITE MARTIANS, sowie im Jahr 1977 unter dem Namen MEIN ONKEL VOM MARS im ZDF. Ende der 90er Jahre lief sie neu synchronisiert bei "SF - Der Science-Fiction-Kanal" (DF1) unter dem neuen Titel MARSIANER MIT PFIFF. Ich fragte damals bei DF1 nach, warum man nicht die alte Synchronisation vom ZDF verwendete und bekam als Antwort, dass man nicht wusste, daß es davon schon eine deutsche Synchronisation gab. Die neue deutsche Synchronisation der Zeichentrickserie gab es nur exklusiv im Pay TV zu sehen, und eine Wiederholung ab es bis heute ebenfalls nicht. Für die Zeichentrickserie benutzte man teilweise einige Drehbücher der nicht mehr gedrehten 4. Staffel der Realserie. Das ZDF benutzte bei der Zeichentrickserie den gleichen deutschen Titelsong wie bei der Realserie (ergänzt mit einigen Geräuschen aus der Zeichentrickserie), bei DF1 dagegen gab es den englischen Originalsong zu hören. Die englischsprachigen Sprecher und ihre Rollen waren Jonathan Harris als Martin, Howard Morris als Tim O'Hara, Lane Schiemer als Andromeda, Jane Webb als Katy O'Hara. Howard Morris sprach zusätzlich auch Bill, Tiny, Crumbs, Chump und Okey. Jane Webb lieh zusätzlich den Charakteren Lorelei, Jan, Coral und Miss Casserole ihre Stimme. Das ZDF verwendete die gleichen Sprecher wie bei der Realserie.

 

Als die Fernsehserie "Bezaubernde Jeanny" in den 80er Jahren mit zwei Fernsehfilmen fortgesetzt wurde, gab es bei Jack Chertok Television Bestrebungen, dies auch mit Mein Onkel vom Mars zu tun. Als sich 1990 Bill Bixbys Gesundheitszustand extrem verschlechterte, wurde das Projekt nicht mehr realisiert. Walt Disney Productions kaufte von Jack Chertok Television die Kinofilm-Rechte und produzierte dann 1999 den Spielfilm Der Onkel vom Mars mit Christopher Lloyd (bekannt aus der Zurück in die Zukunft-Trilogie) in der Hauptrolle. Der Original-Marsianer Ray Walston hatte in dem Kinofilm einen Cameo-Autrit.

 

persönliche Bewertung Ekmar Brand: 6/6

 

persönliche Bewertung Reinhard Prahl: 5/6