Roman, 356 Seiten

ISBN-10: 3954930676

ISBN-13: 978-3954930678

Verlag: Noel Verlag

Preis: 16,90€, Hörbuch: 23,23€ oder 1 Guthaben im Audible-Probemonat

Webseite: https://www.harald-kaup.de/

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Lesetipp: Harald Kaup: 2014 A.D. - Black Eye I: Die Anfänge

 

2014 A.D – Black Eye I ist der mittlerweile fünfzehnte Roman des Indie-Autors Harald Kaup und führt den Leser in eine Zeitlinie ein, die einhundertsechs Jahre vor der zuvor verfassten Space Opera Neuland-Saga (2120 A. D. Neuland ff.) angesiedelt ist. Mit Charme, einer Prise Ironie und einem leichten Hang zum Zynismus erzählt der Autor die Geschichte seines Helden Jan Eggert, einem Säufer, der aufgrund der Intrige eines Kollegen alles verloren hat. Als er sich mit einem Motorrad fast zu Tode fährt, greift die Alienrasse der GENUI ein und rettet ihn. Die Tat ist nicht ganz selbstlos, wie sich herausstellt. Die Außerirdischen werden in ihrer Heimat-Galaxie von einem fürchterlichen Feind bedroht, dem sie als pazifistisches Volk nichts entgegen zu setzen haben. Nach jahrelangen Beobachtungen kamen sie offenbar zum Entschluss, dass die Menschheit über das notwendige Aggressionspotential verfügt, um der Lage in der Black Eye Galaxie Herr zu werden. Ausgerechnet Jan wurde auserkoren, einen riesigen Kugelraum-Kreuzer zu befehligen und sich den SUBB zu stellen, die die GENUI-Kolonie NEW GENUA belagern. Gemeinsam mit seiner Freundin Nina, der Physikern Eleonore Klaffke und einigen anderen gestrandeten Persönlichkeiten, begibt er sich auf das Abenteuer seines Lebens...

Es ist natürlich nichts Neues, einen abgewrackten Säufer zum Helden zu machen. Bereits im Western-Klassiker „Rio Bravo“ (1959) mit John Wayne, Ricky Nelson und Dean Martin, als dem Suff verfallener Sheriff, bediente sich Regisseur Howard Hawks dieses Themas. Das eigentlich abgedrehte an der Geschichte ist, dass Harald Kaup keine Gelegenheit auslässt, es auf die Spitze zu treiben. Munter bedient er Klischees, wo immer sie sich ihm bieten. Ja, seine Figuren agieren stets vorhersehbar, doch gerade das erzeugt beim Lesen ein Bild, welches mir mehr, als nur einmal ein Schmunzeln abgerungen hat. Überhaupt fühlt sich der Plot hanebüchen und an den Haaren herbeigezogen an. Doch sollte man das an dieser Stelle nicht zu ernst nehmen, denn es steht außer Zweifel, dass mit voller Absicht einige der größten SciFi Franchises mit dem Holzhammer persifliert werden. Dieser Ansatz ist in der deutschen Genre-Literatur nicht allzu häufig anzutreffen und gerade deshalb liest sich 2014 A.D. so erfrischend anders.

Der Stil selbst ist insgesamt einfach gehalten. Große Sprachakrobatik darf man also nicht erwarten. Auch die Darstellung der im Roman vorzufindenden Technologien richtet sich nach diesem Prinzip. In altbewährter Manier gibt es zwar eine ganze Reihe von Raumschiffantrieben, Waffen, Vehikel und andere Gimmicks. Von technischen Erklärungen hält sich der Autor allerdings fern. Klar kommen mir Laserwaffen, Torpedos und Tarntechnologie mehr als bekannt vor. Auf seiner Webseite macht Kaup auch gar keinen Hehl daraus, dass er sich technologisch munter bei seinen großen Vorbildern Star Trek und Battlestar Galactica bedient. Das ist allerdings nicht weiter tragisch. Denn der Plot ist stringent und ohne große Ausreißer erzählt und lässt sich auch ohne unnötiges Technogebabbel durchaus genießen.

Mein Kritikpunkt Nummer eins ist weniger der Inhalt, als vielmehr die Form. Leider häufen sich mit zunehmenden Lesen nicht nur leicht vermeidbare Rechtschreibfehler, sondern auch Wortwiederholungen. Die Zeichensetzung lässt ebenfalls zu wünschen übrig. Mit einem guten Lektorat hätten sich derartige Auffälligkeiten leicht vermeiden lassen. Im Gespräch berichtete mir der Autor denn auch, dass der Verlag seit dem unerwarteten Erfolg des Werk nun genauer über die Texte schaut, so dass sich die Fehlerquote bereits mit dem zweiten Teil der Spin-Of Reihe stark vermindert hätte. Das ist auch gut so, denn dem ein oder anderen könnten diese unnötigen Formfehler den Lesespaß verleiden. Das  wäre ob des süffisanten Inhalts dann doch schade.

Alles in allem hinterlässt 2014 A.D. - Black Eye  Die Anfänge einen positiven Gesamteindruck, obwohl ich persönlich eher auf Romane im Stile eines Andreas Eschbach, oder Marc Elsberg stehe. Diese Tatsache hat mich aber in keinster Weise daran gehindert, Spaß zu haben. Wer also etwas einfaches mit Charme für zwischendurch sucht, wird hier bestens bedient. Als Anmerkung sei angefügt, dass ich die oben erwähnte fehlerbehaftete Präsentation des Werks bewusst außen vor lasse. Harald Kaup ist ein Indie-Schriftsteller, der aus Lust und Leidenschaft schreibt. Ein professionelles Lektorat ist nun einmal teuer und viele Verlage investieren erst, wenn sich ein Erfolg abzeichnet. Inzwischen wurden insgesamt rund fünfzigtausend Romane der bislang fünfzehnteiligen Spin-Of Reihe verkauft - genug, um den Noel Verlag zu veranlassen, nun doch vor der Veröffentlichung genauer über den Text zu schauen. Wer sich aber arg an den Äußerlichkeiten stört, zieht bitte einfach im Gedanken einen halben Punkt ab. Für mich zählt hier mehr der Inhalt, der von der ersten Seite an Freude am Schreiben zum Ausdruck bringt.

persönliche Bewertung: 4/6