Quelle: DVD Cover und Szenenfotos: Universal Pictures
Quelle: DVD Cover und Szenenfotos: Universal Pictures

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frankensteins Braut, Original: The Bride of Frankenstein (1935)

Universal Pictures, gedreht in schwarz/weiß, Produktionsland: USA, Länge: 78 Minuten

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Darsteller Team
Boris Karloff als das Monster Regie: James Whale
Colin Clive als Dr. Frankenstein   Produktion: Carl Laemmle jr.
Elsa Lanchester als Merrey Shelley/die Braut Drehbuch: William Hurlbut
Ernest Thesiger als Dr. Prätorius
Kamera: John J. Mescall
Valerie Hobson als Elizabeth Frankenstein Schnitt: Ted Kent
 Una O' Connor als Minnie  Musik: Franz Waxman

Besprechung:

Inhalt:

Die Romanautorin Merry Shelley sitzt in einer stürmischen Nacht 1818 mit zwei Verehrern in ihrem Haus und hat soeben die Erzählung „Frankenstein beendet“. Die Herren sind ob der blühenden Fantasie der Dame ganz begeistert und bitten um eine Fortsetzung. Also erzählt Shelley:

 

 

Frankenstein ist nicht beim Mühlenbrand umgekommen, sondern konnte sich in den Fluss retten, der unterhalb der Mühle verläuft. Er befreit sich, tötet einen Dorfbewohner und flieht. Einsam und verlassen, auf der Suche nach essen und Zuneigung stolpert die Kreatur durch den Wald und findet schließlich eine Hütte, in der ein alter blinder Mann haust. Er nimmt das Wesen freundlich auf, bringt im sprechen, rauchen und Wein trinken bei. Eine Kurze Zeit leben die beiden glücklich zusammen und in Frankensteins Monster regt sich ein angenehmes Wesen.

 

 

Eines Tages betreten zwei Jäger die Hütte, die sofort auf das Monster schießen, obwohl der Blinde es zu verhindern versucht. Die Kreatur wehrt sich, dabei brennt das Haus ab und ein Jäger stirbt. Von nun wird es unerbittlich gejagt, gefangen genommen und entkommt. Der fanatische Nekromanten-Wissenschaftler Prätorius versucht derweil Baron Frankenstein zu überreden, seine Forschungen wieder aufzunehmen, was dieser ablehnt. Doch dann trifft Prätorius das Monster und erkennt, dass er es für seine Zwecke ausnutzen kann, denn das vermeintliche Monster möchte eine Gefährtin und Prätorius verspricht sie ihm. Von nun an ist die Familie Frankenstein in Gefahr, denn Prätorius ist nicht nur fanatisch, sondern wahnsinnig...


Fazit:

Frankensteins Braut gehört zu den Filmen, die generell als besser, als das Prequel bezeichnet werden. Ich sehe das ein wenig anders. Einerseits gibt uns Karloff im zweiten Teil einen recht intensiven Einblick in die Gefühlswelt des angeblichen Monsters. Einsam und sich seiner Hässlichkeit bewusst,sucht unsere „Kunstfigur“ jemanden, der ihn nimmt, wie er ist. Er findet ihn in einem blinden, musizierenden Mann, der nicht das Monster in ihn sieht, sondern einen Freund. Frankenstein lernt, „alone bad, friend good“ und lebt eine kurze Weile glücklich und zufrieden. Die Kreatur entwickelt sich immer mehr zum Menschen, lernt sprechen, rauchen und Wein trinken.

Doch ihm ist keine Ruhe gegönnt und zwei Jäger, die den alten Mann zufällig in seinem Haus aufsuchen, gehen rücksichtslos gegen ihn vor. Wieder auf der Flucht, bleibt ihm nur eine Möglichkeit: mit dem verrückten Dr. Prätorius zusammen zu arbeiten, damit sein „Vater“ ihm eine Braut erschaffe. Doch selbst sie lehnt ihn ob seiner Hässlichkeit ab, so dass sich das vermeintliche Monster letztlich als überaus menschlich entpuppt, indem er dem Baron und seiner Gattin das Leben schenkt. Sie haben, was er nie haben kann: jemanden, der sie liebt.

Frankensteins Braut ist also im Kern eine tragische Liebesgeschichte. Was mich persönlich etwas stört, ist dass der Grusel nicht mehr so zum tragen kommt, wie im ersten Film, der noch durch surreale, fast expressionistische Bilder zu schocken versteht. Die Kameraführung ist zwar toll, aber mir fehlt das elegante Licht- und Schattenspiels des ersten Teils, dass Szenen wie die Erschaffung des Monsters im Labor so atmosphärisch machten. Das ist überaus schade, denn das „Schreckgespenst“ verliert so ganz seinen Schrecken, obwohl es sich um eine konsequente Fortsetzung des Stoffs handelt. Schon im ersten Teil wurde ja klar, dass Frankensteins Monster ein naiv kindliches Individuum ist, das eigentlich nur angenommen sein will.

 

 

Schauspielerisch ist der Film sicherlich noch interessanter, als der Vorgänger. Karloff entwickelt seine Figur konsequent weiter, Colin Clive spielt gewohnt gekonnt und auch Ernest Thesiger ist in seiner schrullig irren Art ein interessanter Antagonist, der Nekromant des Films. Er übernimmt den Part des „mad scientist“, Baron Frankenstein wird zum Opfer degradiert. Hinzu kommt noch ein gewisser Comedy Aspekt, eingeführt durch die Figur Minni, sehr gut gespielt von Una O' Connor. Ihr Charakter trägt dazu bei, den Film familientauglicher zu gestalten, was sich in den nächsten Teilen fortsetzt und letztlich 1948 in „Abott und Costello treffen Frankenstein“ gipfelt, der auch gleichzeitig der Abschluss der Frankenstein-Filme darstellte.

 

Alle Für und Widers nebeneinander gestellt, mag ich persönlich den ersten Teil lieber, weil er für meinen Geschmack einfach gruseliger ist, obwohl dieser alte Horror heute wohl kaum noch einen Hund hinter den Ofen vorlocken würde. Doch Frankenstein ist nun einmal Kult und der zweite Teil ist es ebenso. Ich liebe beide Filme und bin nach wie vor der Ansicht, dass jeder Filmfan die beiden Streifen einmal gesehen sollte. Das trifft allerdings nicht auf die weiteren Verfilmungen zu. Vor allem „Frankenstein trifft den Wolfsmenschen“(1943), „Frankensteins Haus“(1944) und „Draculas Haus (1945) muss man absolut nicht gesehen haben. Deshalb werde ich sie auch nicht in diese Liste aufnehmen. Der letzte Teil der Serie, „Abbott und Costello treffen Frankenstein“ ist halt Kult-Comedy. Es ist ein verspielter, witziger Film für die ganze Familie, der für Fans alter Film durchaus interessant sein könnte.

Für mich persönliche endet die Saga um Frankenstein mit Frankensteins Braut, einem großartigen Film, der meiner Meinung nach zwar nicht ganz ans Original heranreicht, aber immer noch ein großer Genre-Klassiker ist.

persönliche Bewertung: 5/6