Quelle: DVD Cover und Szenenfotos: Universal Pictures
Quelle: DVD Cover und Szenenfotos: Universal Pictures

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frankenstein, Original: Frankenstein (1931)

Universal Pictures, Carl Laemmle Pres.; gedreht in schwarz/weiß; Produktionsland: USA; Länge: 71 min

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Darsteller Team
Colin Clive als Dr. Henry Frankenstein Regie: James Whale
Das Monster: Boris Karloff Produktion: Carl Laemmle jr.
Mae Clarke als Elizabeth Drehbuch: J. L. Balderston, F. E. Faragoh, P. Webling (Theater)
John Boles als Victor Moritz   Kamera: Arthur Edeson
Frederick Kerr als Baron Frankenstein Schnitt: Clarence Kolster
 Edward van Sloan als Prof. Waldman  Musik: Bernhard Kaun

Besprechung:

Inhalt:

Der junge fanatische Wissenschaftler Henry Frankenstein hat eine Strahlung entdeckt, die totes Fleisch in lebendes verwandeln kann. Nachdem erste Tests an Tieren erfolgreich waren, stiehlt der Biologe zusammen mit seinem ergebenen Diener Fritz Leichen von frisch beerdigten oder erhängten Menschen, um Teile davon zu verwenden, um den für seine Experimente geeigneten Körper zu erschaffen.

 

Es stellt sich als recht schwierig heraus, ein gesundes Gehirn zu erhalten. Frankensteins ehemaliger Mentor, Professor Waldman, hält jedoch Vorlesungen über die Abnormität von Verbrechergehirnen, bei denen er den Studenten ein normales und ein abnormales, in Alkohol eingelegtes, Gehirn vorführt. Fritz bricht nachts in die Universität ein. Aufgeschreckt durch ein Geräusch, zerbricht jedoch der Behälter mit dem gesunden Gehirn, so dass der wenig intelligente Diener auf das verbrecherische Gegenstück zurückgreift. Frankenstein transplantiert dieses, ohne das Wissen um den wirklichen Besitzer, in seinen Versuchskörper.

 

Als eines Nachts ein großes Gewitter über das Labor des Wissenschaftlers zieht, ist die Stunde gekommen. Waldman, Henry's Verlobte Elizabeth und sein bester Freund Victor werden Zeugen, wie Frankenstein's Monster zu leben beginnt. Doch die Katastrophe ist vorprogrammiert...


Fazit:

Ich kann mir gut vorstellen, dass sich einige von Euch fragen werden, was denn der Film Frankenstein auf GreatSciFi.de zu suchen hat. Schließlich handelt es sich bei diesem Klassiker und seinem Sequel Frankensteins Braut um Wegbereiter des Horror-Genres. Da habt Ihr natürlich Recht, Frankenstein ist ein Horrorfilm.

Doch der Typus des "mad scientist" in Person von Frankenstein, der in einem Anflug von Wahnsinn seinem Prometheus-Komplex nachgibt und das Monster erschafft, ist m.E. eines der grundlegenden Elemente der frühen Science Fiction, das sich unter anderem im allseits beliebten Star Trek Charakter Data wiederfindet. Ist denn Dr. Noonien Soong, der Erfinder Data's, so anders als Frankenstein?  Nicht zuletzt wird auch die Vorlage, Mary Shelleys  Roman Frankenstein or the Modern Prometheus von 1818,  von Andreas Friedrich in seinem lesenswerten Aufsatz in Reclam' s Filmgenres: Science Fiction“ (S.34ff.) als wahrscheinlich erster Science Fiction Roman überhaupt bezeichnet.

Nachvollziehbar vergleicht Friedrich eben das Monster  mit „Data“ aus Star Trek: The Next Generation, „der trotz seiner herausragenden geistigen Fähigkeiten nach einer Vermenschlichung seines Denkens und Handelns strebt.“ Ähnlich ergeht es dem neu erschaffenen Wesen, dass im Grunde nur versucht, menschlich zu sein. Auch A.I. greift diesen Plot später wieder auf, um ihn aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Bei „Frankenstein“ gipfelt der Blickwinkel des künstlichen Menschen letztlich im Sequel „Frankensteins Braut“ von 1935, in dem Frankenstein das Grundrecht aller Menschen für sich einfordert: lieben zu dürfen und geliebt zu werden. Für mich besteht also kein Zweifel daran, dass der Klassiker von 1931 das SciFi-Horror-Urgestein überhaupt ist.

Wie viele andere etwas ältere Fans habe ich den Film zum ersten Mal im Fernsehen mit meinen Eltern gesehen. Meine Mutter liebte die Frankenstein-Movies genau so wie etwa die Planet der Affen-Saga. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Angst, die mir langsam den Nacken herunter kroch. Das Ende war für mich damals ein Schocker. Den Filmfiguren Dracula und Frankenstein habe ich ungezählte Albträume zu verdanken, dennoch faszinierte mich schon immer das Phantastische. Und auch wenn ich heute älter bin und das Fernsehen uns mit Serien wie „The Walking Dead“ gewalttechnisch immer weiter abstumpfen lässt (nicht dass mich jemand falsch versteht, ich liebe TWD!), so haben gerade die alten Klassiker, allen voran die Frankensteinverfilmungen nichts von ihrem Grusel für mich verloren.

 

Die Bildsprache ist nach wie vor brillant und das schwarz/weiß, oft als Nachteil deklariert, ist hier, wie ich meine, sogar sehr vorteilhaft, weil der geschickte Einsatz von Licht und Schatten den jeweiligen Szenen noch mehr Unwirkliches verleiht. Unvergessen bleibt zum Beispiel genau jenes Licht-und-Schatten-Spiel im Labor während des Schaffungsprozesses.

Natürlich tragen Boris Karloff und Colin Clive maßgeblich zum Horror bei. Clive versteht es ausgezeichnet, den verrückten Wissenschaftler zu geben. Sein Schrei, „Er lebt! Er lebt!“ verbunden mit seinem völlig außer Kontrolle geratenen Lachen, oder Karloffs erster Auftritt, in dem er sich dem Licht entgegen reckt, sind an Atmosphäre kaum zu überbieten. Man vermag Dr. Frankenstein nie richtig einzuschätzen. Ist es sein Ego? Wissenschaftlicher Forschungsdrang? Oder ist der gute Mann einfach nur wahnsinnig?

 

Dem entgegen steht das sehr nuancierte Spiel Karloffs. Ca. fünf Stunden wurde der fast 1,91m große Schauspieler für seine Auftritte geschminkt. Die von Jack Pierce geschaffene Maske sollte zu einer Ikone der Popkultur werden, so dass man heute die Romanfigur Frankenstein eher mit dem Monster, nicht aber mit dem Wissenschaftler an sich assoziiert. Hatten viele Schauspieler seinerzeit Angst, dass man sie nicht mehr erkennen könne, nutzte Karloff sein durch die Maske geschaffenes erschreckendes Aussehen, um der Figur einen eigenen Charakter zu geben. So schlug er z.B. eine Verlängerung der Augenlider vor, so dass der Blick der Figur stets etwas schläfrig wirkt. Das hat auch zur Folge, dass man das Monster gar nicht unbedingt immer als solches empfindet.

 

Der 1887 in London geborene und am 2.2. 1969 verstorbene Boris Karloff, der eigentlich William Henry Pratt hieß, zeigt uns eine Figur, die trotz seines „abnormen Gehirns“, wie oben bereits angedeutet, einfach nur menschlich sein will. Man empfindet tatsächlich Mitleid. Ich finde das nach wie vor eine großartige schauspielerische Leistung, zumal der Akteur ja, fast wie in einem Stummfilm, völlig ohne Dialoge auskommen musste. Diese Kunst verhalf dem bis dato fast unbekannten Schauspieler zu Weltruhm, der auch heute noch ungebrochen anhält und ihn zum Prototypen des Monster-Darstellers macht, ähnlich wie Christopher Lee in den 70er Jahren der Prototyp des Grafen Dracula wurde.

 

Mit einem Budget von 262000 Dollar spielte der Film nebenbei erwähnt sage und schreibe 12 Millionen Dollar ein. Damit spielte er mehr als das 45fache (!!!) seiner Produktionskosten ein und gehört somit zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten. Für mich ist Frankenstein ein absoluter Klassiker und gehört zu den Top-100 Filmen, die man im Leben gesehen sollte.

persönliche Bewertung: 6/6