For the Love of Spock, orignal: For the Love of Spock (2016)

 455 Films, For the Love of Spock Productions, Gravitas Ventures, Dokumention; Blu Ray Deutschland: Studio Hamburg Enterprises;

Produktionsland: Kanada, USA; Länge; 111 Minuten

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Besprechung:

Im Jahr 2014 plante Adam Nimoy, zum fünfzigsten Star Trek Jubliäum mit seinem Vater einen Dokumentarfilm über die Figur Spock zu drehen. Leider verstarb Leonard Nimoy am 27. Februar 2015 und konnte das angedachte Vater/Sohn Projekt nicht mehr beenden. Adam, der selbst eine Zeit lang als Regisseur (Star Trek: The Next Generation, Outer Limits, Sliders) gearbeitet hatte, beschloss darauf hin, nicht nur eine Reise in die Welt einer der vielleicht größten Ikonen der US-amerikanischen Popkultur zu unternehmen, sondern auch in seine eigene Vergangenheit.

Um die Lizenzen für Fotos, Filmmaterial und Musik zu finanzieren, startete Nimoy Anfang 2016 eine Kickstarter Kampagne, der mit insgesamt 9439 Unterstützern ein beispielloser Erfolg beschieden war. Insgesamt wurden 662640 Dollar gespendet, eine Leistung, die für die Leidenschaft der Fans spricht. Am 16. April 2016 wurde der Film auf dem Tribeca Film Festival vorgestellt. Am 02. Juni 2016 kaufte die Firma Gravitas Ventures die Rechte. Zu sehen war die Dokumentation fortan unter anderem bei I-tunes und Netflix. 2017 sicherte sich endlich das Unternehmen Studio Hamburg Enterprises die Rechte für die DVD- und Blu Ray Auswertung in Deutschland. Seit dem 21.07.2017 sind nun beide Formate erhältlich.

Als Fan der ersten Stunde bin ich tief ergriffen von dieser persönlichen und intimen Dokumentation. Intensiv wird die Karriere Leonard Nimoys beleuchtet. Der Werdegang des Spock-Darstellers enthält zwar nicht viele unbekannte Details, ist aber gut zusammengestellt und mit wundervollen Bildern unterlegt. Großartige Filmausschnitte, teilweise auf Conventions gedreht, gesellen sich zu liebevoll ausgewähltem Fotomaterial, das mit interessanten Tonaufnahmen unterlegt wurde. Noch einmal erleben wir den feinfühligen Humor des Schauspielers, der sich nicht zu schade war, auch über sich selbst zu lachen. Doch auch die große Kreativität, sei es als Sänger, Fotograf, oder Autor von tiefsinnigen Gedichten bleibt nicht unerwähnt. Nimoy war ein Tausendsassa, der sich in vielen Kunstrichtungen zu Hause fühlte. So komprimiert und detailliert wurde das Lebenswerk meines persönlichen Lieblings-Darstellers bei Star Trek noch nie beleuchtet.

Besonders berührend ist allerdings die private Seite der Familie. Angefangen mit Kinderfotos aus glücklichen Tagen, die beim Betrachter ein Lächeln erzeugen, änderte sich das Bild der Familienidylle mit dem zunehmenden Erfolg des Vaters. Übereinstimmend berichten Tochter und Sohn von den Problemen, die ein Leben im Blitzlichtgewitter für die Kinder einer Ikone mit sich brachten. Schonungslos ehrlich offenbart der Filmemacher, wie sich die Beziehung zum alkoholkranken Vater verschlechterte und er schließlich selbst zu Drogen griff. Die Versöhnung der beiden ab 2008 stellt einen der Höhepunkte dar und mündet in Familienfotos, die von Nimoys großer Liebe zu seiner Familie zeugen. Geradezu herzzerreißend empfinde ich das Interview mit Leonards älterem Bruder, Melvin, der unter Tränen vom Abschied am Sterbebett berichtet. Abgerundet wird das Werk mit vielen Interviews, die mit Freunden und Weggefährten geführt wurden. William Shatner, George Takei, Zachary Quinto, Chris Pine, J. J. Abrams, Karl Urban, Nichelle Nichols, Walter Koenig – sie alle erweisen dem Kollegen und Freund die letzte Ehre auf eine geradezu unvergessliche Art und Weise.

Beim Anschauen dieser Dokumentation kamen in mir nicht nur Erinnerungen an meine Kindheit und über 40jährige Vernarrtheit in dieses wundervolle Franchise auf. Ich hatte auch das Glück, Leonard Nimoy 2004 auf der Fedcon in Bonn live erleben zu dürfen und ihm sogar im Hotel kurz über dem Weg zu laufen – sehr kurz, zugegebenermaßen. Ein Foto mit ihm war mir nicht vergönnt. Dennoch ist die Liebe zu der Figur Spock und letztlich auch seinem Darsteller tief in mir verankert. For the Love of Spock ist für mich daher mehr, als nur eine Dokumentation über einen Schauspieler. Sie ist persönlich, intim und gefühlvoll, ein trauriger, aber würdiger Abschied von einem geliebten Helden, dem ich als Kind nacheiferte. Mit anderen Worten: For the Love of Spock ist einfach ein Must Have.

persönliche Bewertung: 6/6