Quelle: Cover und Bildzitate: ABC Studios
Quelle: Cover und Bildzitate: ABC Studios

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Flash Forward, original: Flash Forward (2009 - 2010)

HBO Entertainment, ABC Studios, Phantom Four, DVD: ABC Studios,  Produktionsland: USA;

22 Folgen á ca. 45 Minuten, Idee: Robert J. Sawyer, Brannon Braga, David S. Goyer;

Produzent: Brannon Braga, Jessika Borsitzky, Vince Gerardis, David S. Goyer, Mark H. Ovitz;

Musik: Ramin Djawadi

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Darsteller  
Joseph Fiennes als Mark Benford Sonya Walger als Dr. Oliva Benford
John Cho als Demetri Noh Courtney B. Vance als Stanford Wedeck
Peyton List als Nicole Kirby Jack Davenport als Loyd Simcoe
Brían F. O'Byrne als Aaron Stark Zachary Knighton als Dr. Bryce Varley
Christine Woods als Janis Hawk Dominic Monaghan als Simon Campos
 Lee Thompson Young als Al Gough  Gabriele Union als Zoey Andata

Besprechung:

Inhalt:
Am 6. Oktober 2009 erlebt Los Angeles einen einhundert siebenunddreißig Sekunden andauernden Blackout. In der kurzen Zeitspanne wird den Ohnmächtigen ein Blick in die Zukunft am 29. April 2010, 22.00 Uhr offenbar. Die FBI Agenten Mark Benford und Demetri Noh verfolgen gerade eine Gruppe Terroristen in ihrem Dienstwagen, als das Unfassbare geschieht. Als Benford erwacht, regiert um ihn herum das Chaos. Zahllose Autos sind ineinander gekracht, ein Hubschrauber ist in ein Hochhaus gestürzt, ein Tanklastwagen explodiert. Zahlreiche Tote und Verletzte säumen die Brücke, auf der das Unglück geschah. Einige Minuten später wird klar, dass nicht nur die Stadt, sondern die gesamte USA betroffen ist. Mehr noch: als Mark und Demetri einen Tag später ihre Dienststelle erreichen, erfahren sie in einem Meeting, dass es sich um ein globales Ereignis handelte, welches zwanzig Millionen Menschen das Leben kostete.

 

Die Ermittlungen werden aufgenommen, doch schon bald wird klar, dass ausgerechnet Mark Benford der Schlüssel zur Lösung ist. Denn er hat in seiner Zukunftsvision an dem Fall gearbeitet und stand vor einer Pinnwand, an der zahlreiche Hinweise geheftet waren. Bewaffnete drangen ins FBI Gebäude ein und versuchten ihn, für sein Wissen, zu ermorden. Was wird der Bundesagent in sechs Monaten herausgefunden haben? Warum versucht man, ihn zu töten? Wer ist für den Blackout verantwortlich und was sind die Hintergründe für diese abscheuliche Tat? Zusammen mit Demetri stellt sich Benford dieser Herausforderung und versucht nebenbei nicht nur sein, sondern auch das Schicksal seines Freundes und Partners zu verhindern. Denn Noh ist ein Ghost, einer derjenigen, die keine Zukunftsvision hatten. Das bedeutet, dass er entweder schlafen, oder tot sein wird. Tatsächlich erhält Demetri kurze Zeit später einen mysteriösen Anruf, in dem ihm mitgeteilt wird, dass er am 15. März 2010 erschossen werden wird... von Mark Benford...


Fazit:

Flash Forward wurde 2009 als eine der vielversprechendsten neuen Serienkonzepte des Jahres gefeiert. Für die ersten Folgen gab es von den einschlägigen Magazinen und Webseiten hervorragende Kritiken. Diese verschlechterten sich im Laufe der Season jedoch leider zusehends, so dass sich der Disney eigene Sender ABC schließlich zur Absetzung entschied. Die Zuschauerzahlen schienen der Einschätzung, die Serie hätte sich im Verlauf nicht weiterentwickelt und „verloren", recht zu geben. Wurde die Pilotfolge am 24. September 2009 noch von 12,47 Millionen Menschen in den USA geschaut, waren es am 13. Mai 2010 nur noch 4,75 Millionen. Diese Zahlen demonstrieren leider recht eindeutig, wie schnell eine vielversprechende Show ihr Publikum verlieren kann, wenn sie die geschürten Erwartungen der Zuschauer nicht auf die gewünschte Weise erfüllt.

Der Plot basiert auf dem gleichnamigen Roman von Robert J. Sawyer. Für die TV-Umsetzung wurden einige Prämissen geändert, so lässt das Buch seine Protagonisten etwa zwanzig Jahre in die Zukunft blicken, anstatt nur sechs Monate. Außerdem spielt die Geschichte in der Schweiz und die Hauptfiguren sind Wissenschaftler. Das Produktionsteam wollte den Zuschauern allerdings Identifikationsfiguren an die Hand geben und „echte Menschen“ (so Brannon Braga in einem Interview) etablieren. Diese Idee sollte sich in den ersten Episoden als Glücksgriff herausstellen. Davon abgesehen, dass die Pilotfolge äußerst spannend und mit tollen Schauwerten produziert wurde, wartet sie auch mit sympathischen Figuren auf. Vor allem die Haupt-Charaktere, allen voran John Cho (Mr. Sulu in Star Trek, Star Trek Into Darkness, Star Trek Beyond) als Demetri Noh, Jospeh Finnes (u.a. „Shakespeare in Love, Duel – Enemy at the Gates) als Agent Mark Benford und Sonya Walger (Lost, Terminator: The Sarah Connor Chronicles), als seine Ehefrau Dr. Olivia Benford, kommen sehr glaubwürdig und natürlich daher. Doch auch die Nebenfiguren, etwa Abteilungsleiter Stanfort Wedeck (Courtney B. Vance), oder Christine Woods als Agent Janis Hawk werden gut eingeführt und vermitteln dem Zuschauer das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Als besonderes Schmankerl konnte man den Briten Jack Davenport verpflichten, Fans aus Filmen wie „Der talentierte Mr. Ripley“, oder „Pirates of the Carribean“ bekannt. Sein Part als Lloyd Simcoe ist für meinen Geschmack etwas unglücklich, aber durchaus nachvollziehbar angelegt.

Offensichtlich gab es zwar eine übergreifende Idee, dennoch wurden die einzelnen Episoden teilweise um die Figuren herum geschrieben, was in den ersten Folgen noch sehr gut funktioniert. Später verzetteln sich die Autoren allerdings ein wenig. Es gibt einfach zu viele Einzelschicksale, die beleuchtet werden und deren Handlungsstränge man dann vernachlässigen muss, um die Haupthandlung nicht ganz aus den Augen zu verlieren. Tatsächlich geschieht genau das aber in der zweiten Hälfte der Staffel immer öfter, so dass das Kernthema bisweilen etwas in den Hintergrund rückt. Ein anderes Staffel-Konzept, etwa mit zehn, oder zwölf Folgen pro Season, hätte hier sicherlich für etwas mehr Übersichtlichkeit gesorgt und die Zuschauer besser bei der Stange gehalten. Nicht, dass Ihr mich falsch versteht: ich persönlich mag die gezeigten komplexen Charakterstudien. Die Grundidee des kurzen Blicks in die Zukunft offenbart vielseitige Herangehensweisen, in denen man ethisch-moralische, aber auch philosophische und religiöse Fragestellungen etablieren kann. Nur muss das Ganze auch nachvollziehbar bleiben und die Spannung sollte ebenfalls nicht zu kurz kommen. Mich interessiert beispielsweise weniger, wie – und ob - Nebenfigur A die Liebe seines Lebens trifft, während ich der Lösung des Rätsels selbst (gefühlt) kaum einen Schritt näher komme. Die einzelnen Episoden schwenken bisweilen zu oft zwischen Storyentwicklung und Stillstand zugunsten irgendeines unwichtigen Nebenstrangs hin und her.

 

Der Zuschauer an sich ist aber nun einmal ungeduldig und möchte neben Antworten auch Spannung und Kurzweil geboten bekommen, vor allem, wenn sich das Objekt der Begierde grundsätzlich als Mischung aus SciFi, Mystery, Thriller und Cop-Show präsentiert. Mit anderen Worten: so interessant die Frage auch ist, ob sich das Schicksal von Person A oder B nun erfüllt, etwas mehr Stringenz und Action hätte durchaus mehr Pfiff in die Sache gebracht. Trotz dieses Mankos hätte Flash Forward gerne eine zweite Staffel erhalten können. Schließlich gibt es immer Raum für Entwicklung und zum Ende der Season, zieht der Plot dann auch noch einmal mächtig an. Schön finde ich auch, dass die Macher den Fan nicht ganz im Regen stehen ließen, sondern die letzte Folge tatsächlich auf den angepeilten Zieltag, den 29. April 2010, legen. Hier erfahren wir schließlich, welche Zukunftsvisionen sich letztlich bewahrheitet haben und welche nicht. Wir werfen noch einen letzten Blick in die mögliche Zukunft einer Serie, die eine interessante Idee präsentiert, hochwertig produziert wurde und mit tollen Schauspielern aufwartet, leider aber ihr Ziel ein wenig aus den Augen verlor.

 

Ob die Absetzung nun inhaltlich gerechtfertigt war, muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich für meinen Teil finde es wirklich schade, dass man Flash Forward nicht noch eine Chance gegeben hat. Aber Filmstudios sind nun einmal knallhart kalkulierende Wirtschaftsunternehmen, deren hohe Investitionen sich rechtfertigen lassen müssen. Insofern ist durchaus verständlich, dass man hier den Stecker zog, nachdem rund sechzig Prozent der Zuschauer innerhalb von rund acht Monaten abgesprungen waren. Allerdings ist in einer Zeit der Reboots, Remakes und Wiederaufnahmen von Ur-Alt-Konzepten ja alles möglich, oder?

persönliche Bewertung: 4/6