Cover und Bildzitate: Paramount Home Entertainment
Cover und Bildzitate: Paramount Home Entertainment

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Extant, original: Extant (2014 - 2015)

 

Amblin Entertainment, CBS Television Studios, 22 Plates; Blu Ray: Paramount Home Entertainment; 26 Folgen á ca. 42 Minuten in zwei Staffeln; Produktionsland: USA;

Idee: Mickey Fisher; Produzenten: Steven Spielberg, Mickey Fisher, Halle Berry u. a.; Musik: Marcelo Zarvos, Jeff Russo, Ben Decrer

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Darsteller:  
Halle Berry als Dr. Molly Woods Goran Visnic als Dr. John Woods (1. Staffel)
Goran Visnic als Dr. John Woods (1. Staffel) Grace Gummer als Julie Gelineau
Michael O'Neill als Alan Sparks (1. Staffel) Hiroyuki Sanada als Hideki Yasumoto (1. Staffel)
Camryn Manheim als Dr. Sam Barton (1. Staffel) Jeffrey Dean Morgan als JD Richter (2. Staffel)
David Morrisey als Tobias Shepers (2. Staffel) Kirsey Clemons als Lucy (2. Staffel)
Cleo Anthony als Ares (2. Staffel) Henderson Wade als Adhu (2. Staffel)

Besprechung:

Inhalt:
In der näheren Zukunft: Die Astronautin und Wissenschaftlerin Dr. Molly Woods versucht sich nach einer dreizehnmonatigen Solomission auf der Raumstation Seraphin wieder einzuleben. Während ihrer Zeit im All hüteten Ihr Mann, der Kybernetiker Dr. John Woods und der von ihm geschaffene „Humanic“ Ethan das Haus. Ethan ist weit mehr als nur ein Android. Äußerlich sieht er wie ein normaler Junge aus, ist aber eine hochentwickelte K.I. Er lernt vollkommen selbständig und ist so in der Lage Emotionen wie Angst oder Liebe zu entwickeln. Als Molly trotz jahrelanger Versuche nicht schwanger wurde, nahmen sie und John die künstliche Lebensform als „Ersatz-Sohn“ auf.

 

Die Wiedereingliederung fällt der Astronautin schwer. Außerdem treten nach einigen Wochen auf der Erde seltsame Symptome auf. Dr. Woods lässt sich daraufhin von ihrer besten Freundin und Ärztin, Dr. Sam Barton (Camryn Manheim), untersuchen. Sie stellt überrascht fest, dass Molly schwanger ist. Das scheint jedoch unmöglich, denn die inzwischen über 40jährige Frau gilt seit einem Unfall als unfruchtbar. Außerdem befand sie sich allein auf der Raumstation. Wie wurde Molly schwanger? Und was bedeuten die seltsamen Erinnerungen, in der sie ihren lange verstorbenen Verlobten sieht? Warum scheint sich ihr Körper auf eine Art zu verändern, die sich nicht allein durch eine Schwangerschaft erklären lässt? Und aus welchem Grund interessiert sich der super reiche Industrielle Hideki Yasumoto (Hiroyuki Sanada) plötzlich für Johns Arbeit, nachdem ihm Forschungsgelder doch verweigert wurden? Fragen über Fragen, die zu einer unglaublichen Antwort führen und Molly in Ereignisse verwickeln, die ihr Leben für immer verändert werden.


Fazit:Steven Spielbergs Amblin Entertainment sind im Science-Fiction-Genre eigentlich ganz gut im Geschäft. Da wurden in den letzten Jahren Serien wie Falling Skies, Terra Nova, Under the Dome und neuerdings Extant produziert. Alle diese Shows zeichnen sich durch einen hohen Produktionsstandard aus und beginnen extrem gut. Warum schafft es das Studio dann nur immer wieder, dass fast jedes SF-Projekt vorzeitig abgesetzt wird? Im ein oder anderen Fall mag das noch nachvollziehbar sein, doch für die hier zu besprechende Serie will einfach keine konkrete Begründung greifen. Ich habe mir die existierenden 26 Episoden intensiv angeschaut, nachdem ich das Glück hatte, die beiden Staffeln als Blu Ray sehr günstig erstehen zu können. Schon die erste Folge begeistert. Was Mickey Fisher da geschrieben und mit Hilfe von Steven Spielberg als Executive Producer umgesetzt hat, ist aller Ehren wert. Bereits die ersten Bilder präsentieren eine hervorragend in Szene gesetzte  Halle Berry in fantastisch designten Kulissen. Dem Zuschauer wird eine so grandios aussehende cgi-gerenderte Raumstation geboten, dass sich schon rein optisch ein angenehmes Blockbuster-Gefühl  einstellt. Das trifft eigentlich auf das gesamte Produktionsdesign zu, dem man Spielbergs Handschrift absolut ansieht. Vor allem Parallelen zu A.I. - Künstliche Intelligenz sind stilistisch erkennbar, aber auch Minority Report und andere seiner Werke lassen grüßen.

Themen wie die Erforschung des Weltraums, außerirdische Lebensformen, künstliche Intelligenz und Vernetzung in der Zukunft sagten den Regisseur und Produzenten immer schon zu. So ist es eigentlich kein Wunder, dass ein Projekt, dass all dies miteinander in einer sinnvollen Geschichte zu vereinen sucht, auf Steven Spielbergs Interesse stieß. Und tatsächlich: man mag es kaum glauben, doch Autor Mickey Fisher ist genau dies mit seinen Drehbüchern (er arbeitete an allen 26 Episoden intensiv mit) tatsächlich gelungen. Die Haupt- und Nebenplots entwickeln sich im Laufe der ersten Staffel langsam genug, dass man ihnen zu folgen vermag, bleiben aber stets spannend. Die beiden Hauptstränge um Dr. Molly Woods dreizehnmonatigen Solo-Aufenthalt auf einer Raumstation, von der sie unwissend schwanger wiederkehrt und ihrem Ehemann Dr. John Woods als Enwickler des „Humanic“ Ethan, werfen zahlreiche Fragen auf. Diese werden im Laufe der ersten Staffel durch weitere Fragestellungen ergänzt, die sich in Season zwei nach und nach aufklären. Dabei entwerfen die Produzenten nebenbei eine für uns absolut nachvollziehbare, offenbar nicht allzu weit entfernte Zukunft, die überwiegend bereits heute bekannte Technologien zur Basis hat. Heute allgegenwärtige technologische Errungenschaften wie Handys, Softtouch, gebogene Bildschirme, selbstfahrende Autos, Internet, VR u.v.m. werden sinnvoll und konsequent weitergedacht. Das vermittelt dem Zuschauer trotz aller Science-Fiction- und Mysteryelemente den Eindruck, sich in einer glaubwürdigen Welt zu bewegen. Dieser Umstand ergänzt die ohnehin spannende Geschichte nahezu perfekt.

 

Leider brachte die erste Staffel nicht den gewünschten Erfolg. Waren die Einschaltquoten anfangs zwar noch hervorragend, sackten sie schnell auf einen durchschnittlichen Wert ab. CBS und Amblin entschieden sich darauf hin, einige Nebenstränge fallen zu lassen und sich auf die beiden Kerne, außerirdische Lebensformen und Künstliche Intelligenz zu konzentrieren. Das hatte auch einige Personalentscheidungen zur Folge, die nicht in allen Belangen wirklich nachvollziehbar waren. So fällt beispielsweise die interessante Figur des Hideki Yasumoto, gespielt von Hiroyuki Sanada (u.a. Helix) unter den Tisch. Trotz dieser Umstellung gelang es aber, die Serie sinnvoll fortzusetzen und auf dem hohen Niveau der ersten Season zu halten.

Im Gegenteil wurde die Geschichte in eine bislang unvorhersehbare Bahn gelenkt, die es den Produzenten und Drehbuchautoren um Mickey Fisher ermöglichten, etwas politischer zu werden. So werden unter anderem auch politische und philsophische Themen wie Umgang mit Flüchtlingen, Rassenhass und Angst vor dem Unbekannten diskutiert. Interessant ist auch die über der gesamten Staffel schwebende Frage, was aus der Menschheit werden könnte, wenn sie sich so weiterentwickelt wie bisher. Die Antwort, die Extant zu geben versucht, ist zwar letztlich nicht negativ, wirft aber auch ein zwielichtiges Bild auf die Menschheit. Wir Menschen neigen eben dazu, uns als Krönung der Schöpfung zu verstehen. Aber ist dem so?

 

Vor diesem Hintergrund ist der Misserfolg dieser eigentlich hervorragenden Serie kaum zu verstehen. Vielleicht war dieser Entwurf der Zukunft einfach zu komplex. Vielleicht wurden zu viele Themen aufgegriffen, war der Background zu ernst. Wir werden es wohl nie erfahren. Wenigstens wurde die zweite Staffel zufriedenstellend zu Ende geführt, so dass die wichtigsten Fragen beantwortet sind. So zählt Extant auch nach seinem vorzeitigen Aus zu einer der besten Serien der letzten Jahre, die leider viel zu früh ein Ende fand. Aber wer weiß? In Zeiten wie heute, in denen der Markt von Streamingdiensten beherrscht wird, besteht selbt für eine lange abgesetzte Serie noch ein Funken Hoffnung.

persönliche Bewertung: 5/6