Quelle: DVD Cover und Bildzitate: Universal Home Entertainment
Quelle: DVD Cover und Bildzitate: Universal Home Entertainment

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Wunder in der 8. Straße, original: Batteries not included (1987)

Universal Pictures, Amblin Entertainment; DVD: Universal Home Entertainment;

Produktionsland: USA, Länge: 102 Minuten

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Darsteller Team
Hume Cronyn als Frank Regie: Matthew Robbins
Michael Carmine als Carlos Produktion: Steven Spielberg, Ronald L. Schwary
Jessica Tandy als Faye Drehbuch: M. Robbins, B. Bird, B. Maddock, S. S. Wilson
Frank Mc Rae als Harry Kamera: John McPherson
Elisabeth Peña als Marisa Schnitt: Cynthia Scheider
 Dennis Boutsikaris als Mason  Musik: James Horner

Besprechung:

Inhalt:

Wir schreiben das Jahr 1987. Die 8. Straße, einst eine Perle New Yorks der 50er Jahre, ist dem Untergang geweiht. Abrissbirnen und Bagger beherrschen das Bild, Trümmer übersäen die Straßen. Nur ein Haus steht noch. Hier leben die beiden Diner-Besitzer Faye und Frank, die ihr Lokal seit mehr als 40 Jahren betreiben. Der ehemalige Boxer Harry, die schwangere Latein-Amerikanerin Marissa und der erfolglose Künstler Mason bewohnen die restlichen Appartements. Standhaft weigern sie sich, Ihr Heim der Geldgier des skrupellosen Baumagnaten Lacey zu opfern. Der lockt die Mieter nicht nur mit viel Geld, sondern hat auch eine Schlägerbande engagiert, die Druck auf sie ausüben soll. Straßengangmitglied Carlos, dem Lacey eine Anstellung versprochen hat, führt die Bande an. Immer wieder dringen sie in Franks Lokal ein und zertrümmern die Einrichtung. Die anderen werden brutal eingeschüchtert.

Eines Abend, als Faye im Bett liegt, geschieht jedoch ein Wunder. Ein kleines Objekt schaut durch das Fenster, dringt in die Wohnung ein und zapft den Strom des Hauses an. Als die alte Dame erwacht und dem Rätsel nachgeht, erblickt sie auf dem Dach etwas wahrhaft fantastisches. Zwei kleine Maschinenwesen von einem anderen Planeten, haben es sich im alten Taubenstall gemütlich gemacht. Sie benötigen Strom und Metall, um zu existieren. Faye gewährt ihnen nicht nur Unterschlupf, sondern findet schnell heraus, dass es sich tatsächlich um Lebensformen handelt. Diese sind ihnen nicht nur freundlich gesinnt, sondern auch fähig, alles zu reparieren, sogar Frans zerschlagenen Diner. Als die restlichen Anwohner Wind von der Sache bekommen, wächst die Gruppe schließlich zu einer Familie zusammen, die es sich zum Ziel setzt, die liebenswerten Wesen aus dem All zu beschützen. Und tatsächlich stellt sich heraus, dass diese sich auch noch vermehren. Doch Lacey hat seine Pläne. Und um die zu verwirklichen, muss das Haus in der 8. Straße verschwinden, koste es, was es wolle...

 

Fazit:Ich habe mir lange überlegt, welchen Film ich im Weihnachtsjahr 2016 besprechen soll. Nach den schrecklichen Ereignissen in Berlin am 19. Dezember halte ich es für besonders wichtig, sich auf die vielen kleinen, individuellen Wunder der Weihnachtszeit zu besinnen. Viele Menschen zieht es heimwärts und die Lieben werden endlich wieder besucht. Man sitzt vielleicht gemeinsam zusammen und genießt Familienzeit. So empfindet man, mit etwas Glück, endlich wieder ein wenig der Wärme, die unserer Gesellschaft heute immer mehr verloren geht. Ich finde, nicht alles im Leben will und sollte rationalisiert werden. Familie, Zusammenhalt, das Ein- und Gedenken an diejenigen, die nicht (oder nicht mehr) unter uns weilen, sind Attribute, die es zu leben lohnt. Ja, es gibt auch eine andere Seite dieser Zeit. Doch ich möchte an dieser Stelle nicht das wenige wirklich Gute kleinreden, dass uns bleibt. Weihnachten kann – und sollte - eine Zeit der kleinen Wunder sein.

Am 18. Dezember 1987 startete in den USA ein Film, der genau diesen „Sense of Wonder“ thematisiert. Er verlangt uns nicht nur den Glauben an „das Wunderbare“ an sich ab, das zum Genre gehört, wie dass Salz in der Suppe. Regisseur Matthew Robbins und Executive Producer Steven Spielberg steckten in den Streifen auch alle Themen hinein, die für mich persönlich in die Weihnachtszeit gehören. Da sind zunächst einmal die beiden Senioren Frank und Faye Riley, die in der 8. Straße im letzten, nicht abgerissenen, Haus leben. Hier betreiben sie seit über 40Jahren einen Schnellimbiss. Ihr Sohn ist vor vielen Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Seitdem lebt Faye in ihrer eigenen kleinen Welt, während Frank versucht, das beste aus der Situation zu machen. Im selben Haus lebt der vereinsamte, ehemalige Boxprofi Harry, der das Sprechen verlernt zu haben scheint. am liebsten Werbung im Fernsehen schaut und gerne Dinge repariert. Zu ihnen gesellen sich die schwangere Marisa, die von ihrem Freund verlassen wurde, sowie der junge, erfolglose Künstler Mason. Diese Charaktere sind teilweise ebenso skurril, wie liebenswert. Obwohl sie zunächst kaum Gemeinsamkeiten zu haben scheinen, vereint sie doch ein unerwartetes Ereignis.  Treue, Herzlichkeit, Zusammenhalt, Güte und Vertrauen lässt die ungleichen Menschen schließlich zu einer Familie zusammenwachsen.

 

Sie erleben die Ankunft eines echten Wunders in Form zweier Mini-UFOs, die sich als lebendige Maschinen herausstellen. Die beiden kleinen, niedlichen Raumschiffe erfüllen den Film auf wunderbare Weise mit Leben. Das Special Effects Departement IL&M gestand den beiden nicht nur lebensstrotzende Scheinwerfer-Augen zu, sondern auch Formen, die sie für den Zuschauer klar als männlich und weiblich definieren lassen. Witzige Gadgets, wie Hände, oder Halteseile ergänzen die putzigen Alien-Maschinen auf witzige und herzergreifende Art. Die seltsamen Wesen stellen sich gar als reproduktionsfähig heraus. Aus dieser besonderen Fähigkeit ergibt sich schließlich eine noch niedlichere Nachkommenschaft, die einem das Lächeln in die Augen treibt. Gemeinsam tritt man gegen den fiesen Baumagnaten Lacey an, der den Straßenang-Jungen Carlos engagiert hat. Der erfüllt seine Aufgabe, die Gruppe aus ihrem Heim zu vertreiben schließlich zu gut, was dem Plot noch einmal eine dramatische Wendung verleiht.

Wie oben kurz angedeutet, ist das technisch hervorragend umgesetzt. Die Stop Motion Effekte sind ebenso grandios gelungen, wie die Rückprojektionen und Modellaufnahmen. Zusammen mit ausgefeilten Kameraeinstellungen und einer sehr guten Beleuchtung ergibt sich eine Optik, die heute vielleicht nicht mehr ganz taufrisch, dafür aber nach echtem Filmhandwerk der alten Schule aussieht. Die Musik schrieb der fantastische James Horner. Der leider im Jahr 2015 verstorbene Ausnahmemusiker komponierte den Score für einige legendäre Filme des Genres. so gehören unter anderem  Star Trek II und III, Aliens, die Rückkehr, oder Avatar dazu. Insgesamt sind seine Kompositionen in über 130 Streifen zu hören. Die Musik zu Das Wunder in der 8. Straße ist für Horner typisch: gefühlvoll, orchestral arrangiert, in Spannungsmomenten akzentuiert eingesetzt und in den richtigen Momenten rührend. So wird der Eindruck eines Weihnachtsfilmes noch verstärkt.

 

Abgesehen von seinem knuffigen Plot und den hübschen Slapstick Einlagen, lebt das Werk von den guten Leistungen der Schauspieler. Hume Cronyn, der hier den alten Diner-Besitzer Frank gibt, ist ein großer Name. In den 40er Jahren glänzte er durch Rollen in Filmen wie „Das siebte Kreuz“, für die er für einen Oscar nominiert wurde. Als Drehbuchautor zeichnete er für Hitchcocks „Sklavin des Herzens“ und „Cocktail für eine Leiche“ verantwortlich. Er war mit der britischen Schauspielerin Jessica Tandy verheiratet, die hier als seine etwas schrullige, leicht verrückte Ehefrau Faye zu sehen ist. Sie legt soviel Souveränität und Würde in diese Rolle, dass sie für mich einer der Höhepunkte des Films ist. Tandy war eine beliebte und äußerst talentierte Akteurin. 1944 spielte sie neben ihrem Gatten in „Das siebte Kreuz“. 1963 übertrug Alfred Hitchcock ihr eine der Hauptrollen in seinem All Time Klassiker „Die Vögel“. Für ihre Hauptrolle im brillanten „Miss Daisy und ihr Chauffeur“ erhielt sie 1990 schließlich einen wohlverdienten Oscar. Hume Cronyn und Jessica Tandy blieben von 1942 bis zu ihrem Tod 1994 ein Paar.

 

Nun könnte man Spielberg und Robbins durchaus einen Hang zum Kitsch vorwerfen. Wer nicht feiert und die ganze Zeit zwischen dem ersten Advent und dem 06. Januar sowieso für die schlimmste des Jahres hält, ist tatsächlich mit diesem Film nicht gut bedient. Wer außerdem keine Affinität zum jugend- und kindgerechten Film hat, sollte ebenfalls die Finger davon lassen. Für diejenigen unter Euch, die auf Weihnachtsfeeling stehen, ist Das Wunder in der 8. Straße genau das Richtige. Seinen ganzen Charme entfaltet der Film nämlich in diesen Tagen, im Kreise der Familie.

persönliche Bewertung: 5/6