Quelle: Promoposter: Netflix, Bildzitate: Paramount
Quelle: Promoposter: Netflix, Bildzitate: Paramount

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auslöschung, original: Annihilation (2018)

DNA Films, Paramount, Scott Rudin Productions, Skydance Media: Ausstrahlungsrechte Deutschland: Netflix

Produktionsland: USA/Großbritannien, Länge: 115 Minuten

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Darsteller Team
Natalie Portman als Lena Regie: Alex Garland
Jennifer Jason Leigh als Dr. Ventress Produktion: Andrew Macdonald
Gina Rodriguez als Anya Thorensen Drehbuch: Alex Garland
Tessa Thompson als Josie Radek Kamera: Rob Hardy
Sonoya Mizuno als Katie Schnitt: Barney Pilling
 Oscar Isaac als Kane  Musik: Geoff Barrow, Ben Salisbury

Besprechung:

Inhalt:

30 Jahre sind vergangen, seit eine Umweltkatastrophe unbekannter Herkunft ein Sumpfgebiet in den USA kontamierte und den gesamten Landstrich mit einem seltsamen, „Schimmer“ genannten, Schild umgab. Die Geheimorganisation Southern Reach wurde mit der Untersuchung des Phänomens beauftragt. Elf Expeditonsteams wurden entsandt, niemand kehrte zurück. Zum Verschwinden der Teilnehmer gibt es zwei Theorien: entweder wurden sie von etwas getötet, oder sie wurden wahnsinnig und töten sich gegenseitig.

 

Um der Wahrheit endlich auf den Grund zu gehen, wird noch einmal eine Gruppe, dieses Mal nur aus Wissenschaftlerinnen bestehend, zusammengestellt, dem auch die Biologin Lena angehört. Sie hat ihren Mann vor einem Jahr an den "Schimmer" verloren und ein besonderes Interesse, die Wahrheit zu ergründen. Zu fünft begeben sich die mutigen Frauen in die Zone, doch schon nach wenigen Tagen wird klar, dass nicht jede von ihnen ihr Ziel erreichen wird. Denn hinter dem Vorhang des Schildes entfaltet sich eine neue Welt, die weder zu verstehen, noch wirklich erforschbar ist. Und doch drängen sie vorwärts, immer tiefer in Area X hinein…

 
Fazit:

Nachdem sich Warner Brothers 2014 mit Interstellar und Sony Pictures 2016 mit Arrival an Stoffe wagten, die sich abseits des Mainstream bewegen, überrascht uns Paramount nun mit dem 40 Millionen Dollar Science Fiction Drama Auslöschung auf angenehme Weise. Abseits von den derzeit die Kinos überflutenden Space Operas, Invasions- und Superheldenmovies konzentriert sich Regisseur und Drehbuchautor Alex Garland (28 Days Later, Dredd, Ex Machina) darauf, dem Zuschauer Kino mit wundervoll in Szene gesetzten Arthouseanklängen zu bieten. Die tiefen und teilweise schönen Bilder bieten dabei den Rahmen für einen narrativ hochklassigen Film, der auf dem ersten Band der Annihilation Trilogie von Jeff VanderMeer basiert. Ich kenne die Romane leider noch nicht. Der Film nimmt allerdings recht klar Bezug auf einige der größten Werke des Science Fiction Films. So erinnert Area X wahrscheinlich nicht ganz zufällig an Andrei Tarkowskis Stalker. Die Erzählstruktur, unterteilt in mit Überschriften versehenen Akten, lässt dagegen Erinnerungen an 2001 – Odyssee im Welttraum aufkommen.

 

Doch auch inhaltlich sind durchaus Parallelen feststellbar. Das Eindringen in die vom „Schimmer“ umgebene Zone, in der seltsame Phänomene vorherrschen, bietet den weiblichen Hauptfiguren die Gelegenheit zu einem Trip in ihr Innerstes, dass sich dem Publikum in Form der sehr unterschiedlichen Motivationen der Protagonistinnen offenbart. Ob es dabei um die Suche nach Wahrheit oder des eigenen Selbstverständnisses geht, dem Wunsch, einmal im Leben etwas wahrhaft Großes zu leisten oder auch nur darum, zu vergessen. Jede der Heldinnen hat ihr Päckchen zu tragen. Gerade dieser Background macht die Zusammenstellung des Teams erst möglich. Denn möglicherweise begibt man sich auf eine Expedition ohne Wiederkehr. Retrospektiven, die sich auf die Hauptfigur Lena beziehen, durchziehen dabei die teilweise schönen, manchmal aber auch gruseligen Szenen. Diese ruhigen Passagen sind es, die uns einen tieferen Einblick in unsere eigene Menschlichkeit – unsere Leidenschaften, Wünsche, Stärken, Schwächen und unser Gewissen  - gewährt.

Anders als im großen russischen Vorbild, werden die sich auf die Figuren konzentrierenden Abschnitte durch einige dem Horrorgenre entliehene Schockmomente durchbrochen, die aber hervorragend in das Gesamtkonstrukt passen und einen spannenden Kontrast bilden.  So versinkt Auslöschung weder in den verquerten Gefühlswelten seiner Charaktere, noch lässt er die Spannungsmomente Oberhand gewinnen. Das Ergebnis ist eine intelligente Mischung, die auf der einen Seite positiv verkopft wirkt, auf der anderen Seite aber auch einen gewissen Unterhaltungswert nicht vermissen lässt.

 

Um Euch unnötige Spoiler zu ersparen, werde ich an dieser Stelle auf eine Analyse der narrativen Inhalte weitestgehend verzichten. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass uns Alex Garland am Ende mit einer Liste von offenen Fragen zurücklässt. Wird die Frage nach der Herkunft des Area X noch direkt zu Beginn beantwortet, bleibt andererseits vollkommen im Dunkeln, warum sich Menschen und Tiere auf die Art verändern, wie sie es tun. Was ist also die Intention dessen – oder desjenigen – der für die Vorgänge in der Zone verantwortlich zeichnet? Geht es darum, zu lernen? Um ein tieferes Verständnis der menschlichen Psyche? Der Wunsch nach einer Umstrukturierung im eigenen Sinne? Oder nichts davon und wir werden schlicht Zeuge des Instinktes, sich fortzupflanzen und zu entwickeln? Ist die Erde gar von einer Invasion betroffen? War die eingangs angedeutete Katastrophe gar keine Katastrophe, sondern ein gezielter Angriff? Oder die Erkundungsmission einer außerirdischen Spezies? Klare Antworten gibt uns das Drehbuch nicht. Es gibt weder ein Happy End, noch überhaupt einen wirklichen Abschluss. Man entlässt uns lediglich mit dem Wissen, dass - was auch immer – noch nicht vorbei ist. Dies ist eine erfrischende Herangehensweise an einen Stoff, der in all dem Mainstream Raum zum Nachdenken, Spekulieren und Diskutieren schafft.

 

Abgesehen von den oben erwähnten Stärken trägt ein gut gewählter Cast zum weiteren Gelingen des Werks bei. Wie bereits angedeutet, könnte Natalie Portman mit ihrem Auftritt als Lena durchaus ihren zweiten Oscar, oder zumindest ihre vierte Nominierung einheimsen. Die mehrfach für ihre Leistungen im Independent-Film Bereich ausgezeichnete Jennifer Jason Leigh glänzt als undurchsichtige Exeditionsleiterin Dr. Ventress und auch die nicht ganz so hoch dekorierten Sonoya Mizuno (Ex Machina), Gina Rodriguez und Tessa Thomson lassen keinen Zweifel an ihren schauspielerischen Fähigkeiten aufkommen. Ein weiteres Highlight bildet der US-Amerikaner Oscar Isaac, Fans aus Filmen wie Ex Machina, Star Wars: Das Erwachen der Macht, X-Men: Apocalypse oder Star Wars: Die letzten Jedi ein Begriff. Ihnen allen ist die Freude anzumerken, in einem außergewöhnlichen Film mitzuwirken, der bisher in den USA leider seine Produktionskosten noch nicht einspielen konnte. Andererseits hat sich Paramount, wahrscheinlich zu Recht, entschieden, den internationalen Vertrieb an den Streamingdienst Netflix zu verkaufen. Es bleibt zu hoffen, dass die Klicks dort so zahlreich sind, dass man auf eine Verfilmung des zweiten Bandes hoffen darf. Denn Auslöschung hebt sich wohltuend vom Four Quarter Kino Disneys ab und bietet, ähnlich wie Arrival oder Interstellar, Stoff für eine nachhaltige Betrachtung.  Gut so!

 persönliche Bewertung: 5/6