Cover und Bildzitate: Pandastorm (Edel)
Cover und Bildzitate: Pandastorm (Edel)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Andromeda, Original: Gene Roddenberry' s: Andromeda (2000-2005)

 

1 Pilotfilm á ca. 85 min und 108 Folgen á ca. 40 min in 5 Staffeln; Tribune Entertainment, MBR Productions Inc., Fireworks Entertainment, DVD Box: Pandastorm (Edel); Produktionsland: USA, Kandada;  Idee: Gene Roddenberry, Robert Hewitt Wolfe, Produktion: Majel Barrett Roddenberry, Jay Firestone; Musik: Alex Lifeson, Matthew McCauley

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Darsteller  
Kevin Sorbo als Cpt. Dylan Hunt Lexa Doig als Andromeda/Rommie
Lisa Ryder als "Beka" Valentine Gordon Michael Woolvett als Seamus Zelazny Harper
Laura Bertram als Trance Gemini Keith Hamilton Cobb als Tyr Anasazi
Brent Stait als Rev Bem Steve Bacic als Gaheris/Telemachus Rhade
Brandy Leford als Doyle (nur 5. Staffel) Jim Byrnes als Virgil Vox

Besprechung:

Inhalt:

Das Universum ist in der Völkergemeinschaft des Commonwealth vereint. Doch die Allianz bröckelt. Zu viele Zugeständnisse hat die Regierung marodierenden und brutalen Völkern wie den Magog gemacht. Die Hermaphroditen töten  andere Lebewesen auf grausame Weise, um in den Leichen ihre Eier auszubrüten, oder missbrauchen die Überlebenden eines Angriffs als lebende Brutstätten. So haben die von der Erde abstammenden Nietzscheaner im Geheimen eine Allianz gebildet, um die alte Ordnung in einen großen Krieg hinwegzufegen und selbst die Macht zu ergreifen.

 

Von all dem ahnt Captain Dylan Hunt, Kommandant des intelligenten Kriegsschiffes ANDROMEDA ASCENDANT, nichts. Er vertraut seinem ersten Offizier, Freund und Trauzeugen Gaheris Rhade, einem Nietzscheaner, bedingungslos. Als das Kampfschiff den Ereignishorizont eines schwarzen Loches passiert, fängt die künstliche Schiffsintelligenz Rommie eigenartige Signale, die auf eine große feindliche Flotte schließen lassen, auf. Es stellt sich heraus, dass es sich um eine riesige nietzscheanische Kampfflotte handelt, die auf dem Weg ist, das Commonwealth anzugreifen. In diesen Moment meutert Rhade und tötet die der Rasse der Than zugehörige Pilotin, sowie einige weitere Offiziere. Außerdem sabotiert er das Schiff.

 

Auf der Brücke kommt es zu einem Kampf auf Leben und Tod zwischen den beiden ehemaligen Freunden, während dessen Verlauf die Andromeda führerlos dem Ereignishorizont des schwarzen Loches immer näher kommt. Hunt hat Rhade gerade eben besiegt und dessen letzte Worte empfangen, als die Zeit für ihn einfriert und ihn erst 300 Jahre später wieder freigeben wird.  Das Frachtschiff EUREKA der Pilotin Beka Valentine befreit die ANDROMEDA aus ihrer Gegangenschaft  am Rande des Ereignishorizonts. Kaum haben Valentine und ihre Crew das Schiff aus den Fängen des schwarzen Lochs befreit, erwacht Dylan zu neuen Leben. Das erste was er wahrnimmt, sind „Piraten“ auf seinem Schiff, die es zu kapern versuchen. Doch dies wird sich der smarte Captain auf keinen Fall gefallen lassen. Nachdem Hunt den Kaperungsversuch verhindert hat, kommt er mit der fremden Frachtercrew ins Gespräch und erfährt, dass das Commonwealth nicht mehr existiert. Es wurde im Großen Krieg genauso ausgelöscht, wie die Allianz der Angreifer. Nach dem Krieg machten sich die Magog über die Reste der Galaxie her und wüteten fürchterlich. Ein dunkles Zeitalter brach an, viele Errungenschaften, vor allem auch technischer Natur, sind verloren gegangen, so dass die Andromeda nun eines der mächtigsten Schiffe der Galaxien ist.

Dylan ist tief getroffen, doch nun hat er neue Pläne: er will mit der ANDORMEDA das Commonwealth wieder aufbauen. Doch dazu benötigt er eine Crew. Wird es ihm gelingen Beka, den Magog Rev Bem, der aller Gewalt abgeschworen hat, dem Kopfgeldjäger und Nietzscheaner Tyr Anasazi, dem Technik Freak Seamus Zelazny Harper, sowie die seltsame Trance Gemini, deren Herkunft, Volk oder wahre Fähigkeiten niemand kennt, dazu zu überreden, ihm zu folgen?


Fazit:

Wenn ich an die SciFi Serie Andromeda denke, schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Auf der einen Seite sind da drei Staffeln voller interessanter Rassen und Inhalte, die ein wenig an die „dunkle Seite“ von Star Trek erinnern. Das verwundert kaum, denn das ursprüngliche Konzept der Serie stammt von Altmeister Gene Roddenberry. Nachdem dessen Witwe Majel Barrett-Roddenberry die Motive ihres Mannes1998 aufgriff und Robert Hewitt Wolfe bat, diese zu vollenden, wurde in Kanada eine Space Opera vom feinsten produziert. Diese befasst sich im Grunde mit der Idee einer gefallen Föderation, hier das Commonwealth, die von einem tapferen Helden und seinen Mitstreitern nach und nach wieder aufgebaut wird. Andererseits gibt es da die Staffeln vier und fünf, die ohne Wolfes Mitwirkung entstanden und in denen Hauptdarsteller Kevin Sorbo („Hercules“) immer prominenter hervortritt und schließlich zu einer Art Heilsbringer avanciert. Dafür verschwinden wichtige Figuren, so etwa der beliebte Nietzscheaner Tyr Anasazi (Keith Hamilton Cobb), der die Serie zum Ende der dritten Staffel verließ und von nun an in der Soap „Schatten der Leidenschaft“ zu sehen war. Nun ja, jedem das Seine. Auch Brent Stait als geläuterter Magog Rev Bem, verschwand Ende der zweiten Staffeln, offiziell aufgrund von Allergien, die sein Kostüm verursacht hatte.

Welch großen Anteil Sorbo an den im Laufe der Serie entstandenen künstlerischen Differenzen hatte, wird besonders in einem Bericht einer TV Highlights Spezialausgabe zum Thema Andromeda von 2002 deutlich. Hier ist auf Seite 79 nachzulesen: „...denn wenn der HERCULES-Mime seine Popularität in die Produktion einbringen sollte, so mussten die Macher ihm einige Zugeständnisse machen. So heuerte Kevin Sorbo schließlich nicht nur als Hauptdarsteller, sondern auch als (namentlich zunächst nicht genannter) Produzent der Serie an, was ihm ein ausdrückliches Stimmrecht auf die Auswahl der Stoffe und Drehbücher, sowie auf die allgemeine Entwicklung der Serie (auch den Darstellern) einräumt.“ Und etwas tiefer: „Der wachsenden Popularität des Hauptdarstellers wurde inzwischen mit einigen Veränderungen im Produzentenstab von ANDROMEDA Rechnung getragen. Während Autor Robert Hewitt Wolfe die Serie aufgrund künstlerische „Differenzen“ verließ – er wollte angeblich langfristig konzipierte Handlungsbögen, während Kevin Sorbo auf knackige, actionreiche Einzelabenteuer setzen will – trennte sich sich Majel Barrett-Roddenberry nach der ersten Staffel in guten Einvernehmen von der Produktion.“

Sorbo hatte also in kürzester Zeit eigentlich fast die ganze Entscheidungsgewalt an sich gerissen und schrieb sich selbst im Verlaufe der Staffeln immer größere Bedeutung zu, was dann in einer  durchwachsenen vierten Staffel mündete, nach deren Ausstrahlung die Fortsetzung der Show stark in Frage stand. Den negativen Höhepunkt bildet  Staffel 5, die sich nach dem aus Schwangerschaftsgründen vorübergehenden Abgang von Lexa Doig fast nur noch um Dylan Hunt dreht. Als Ersatz für die schmerzlich vermissten Abgänge wurden zwar der sympathische Mime kroatischer Herkunft Steve Bacic als Telemachus Rhade und Brandy Ledford als Doyle gewonnen, doch konnten diese weder den immer schlechter werdenden Handlungsverlauf, noch die schmerzlich vermissten Figuren wirklich ersetzen. So endete dann nach fünf Jahren eine der vielleicht erfolgversprechendsten Space Operas, die seit dem Jahr 2000 im TV lief, doch recht unrühmlich, aber immerhin mit einem spektakulären Finale. Schade, hätte sich Sorbo etwas zurückgenommen, hätte aus Andromeda so viel mehr werden können.

Ein paar Worte zur Entstgehungsgeschichte sollen den Interessierten unter euch an dieser Stelle nicht vorenthalten sein. Ende der 80er Jahre begann Majel Barrett-Roddenberry, Genes literarisches Erbe auszuwerten. Zwei besonders schöne Konzepte, das von Earth: Final Conflict (Mission Erde), aus dem eine großartige fünfjährige Serie mit zahlreichen Mysteryelementen entstand und Andromeda schienen wohl besonders vielversprechend. Zweiteres beruht dabei auf einer recht alten Idee. Anfang der 70er Jahre, nach dem Ende von Star Trek, dachte sich der „Great Bird of the Galaxy“ die Serie Genesis II aus, in der ein Mann namens Dylan Hunt nach einem 15jährigen Kälteschlaf in einem postapokylptischen Amerika erwacht. Hunt muss sich mit einem chaotischen Land ohne politische Strukturen und Gesetze auseinander- setzen und beginnt, zuerst als eine Art Lone Ranger, gegen diese Zustände anzukämpfen, um Recht und Ordnung wieder herzustellen. Der Pilotfilm wurde 1972 mit Alex Cord in der Hauptrolle verfilmt, floppte aber leider trotz einiger guter Ideen. Wie schon zuvor bei Raumschiff Enterprise bekam Roddenberry eine zweite Chance. Das Konzept wurde überarbeitet, unbenannt und mit einem neuen Hauptdarsteller, John Saxon, besetzt.

 

Doch auch Planet Earth scheiterte leider und so verschwanden die Konzepte zusammen mit einigen Neuentwürfen in die Schublade, bis sich Majel Barrett-Roddenberry und Hewitt Wolfe der Motive annahmen. Die Anpassung an die heutige Zeit war dabei eines der größten Probleme. Wolfe drückt das in einem Interview von 2001 so aus: „Gene Roddenberry hat das Ausgangsmaterial in den 70er Jahren geschrieben mit den technischen Möglichkeiten des Fernsehens der damaligen Zeit im Kopf. Wir haben dieses Material der heutigen Zeit angepasst und wollten eine richtige Weltraumserie daraus entwickeln....Einige Details, wie das Schiff funktioniert. Gene hatte auch schon in den 70ern Cyberpunk im Sinn, und auch damals schon war das Schiff eine künstliche Intelligenz.“ (TV Highlights Spezial: Andromeda, 2002)

 

 

Nach den erforderlichen Anpassungen wurde das Konzept Paramount vorgelegt, die wie schon  Misson Erde dankend abgelehnt hatten. Neue Geldgeber wurden schließlich, wie schon für Erfolgsserien wie LEXX - The Dark Zone, Akte X und Stargate, in Kanada gefunden. BLT Productions Ltd, Tribune Entertainment schlossen sich mit MBR Productions und Foreworks zusammen, um das teure Projekt zu stemmen. Die Spezialeffekte sollten am Computer entstehen, so konnten zum einen Ideen verwirklicht werden, die mit herkömmlichen Methoden, etwa Modellen und Motion Control, nicht machbar gewesen wären. Zum anderen sparte die Methode schlicht Geld.

Im Endeffekte stellte sich dies als gute Entscheidung heraus, denn Andromeda hat nicht nur seinen ganz eigenen Look, dieser sieht auch noch wirklich gut aus. Natürlich können die Effekte mit heutigen Produktionen nicht mehr mithalten, konnte sich aber seinerzeit absolut sehen lassen. Schon das namengebende Raumschiff ist optisch ein fast ebenso großer Augenschmaus, wie die dazugehörige Schiffs-K.I. (Lexa Doig). Doch auch die Schiffe der Nietzescheaner oder das Weltenschiff der Magog gehören zu den optischen Highlights. Hinzu gesellen sich Planetenaufnahmen, fremde Völker wie zum Beispiel das Robotervolk des Consesus, dem immer wieder Parallelen zu den Borg angedichtet werden, obwohl der Hintergrund ein ganz anderer ist und viele weitere für eine TV Serie schön anzusehende Effekte. Außerdem erfreuen wir uns an zahlreichen toll choreografierte Fights, die zusätzlich mit Pyro- und anderen Effekten unterlegt sind, sowie einigen Hintergrundstories, die, zumindest in den Staffel 1 bis 3, wirklich spannend waren. schwachen fünften Staffeln wurden die Zuschauer zum Abschluss der Serie mit einem grandiosen Finale versöhnt, hier eine Szene aus der letzten Schlacht mit den Nietzscheanern.

 

Der Cast war seinerzeit, bis auf Sorbo, relativ unbekannt. Umso erfreulicher ist es, dass man sich schnell zusammenfand und ein starkes Team bildete. Lexa Doig war zuvor bereits in William Shatners Tekwar aufgefallen und wirkte im Jahr 2000 in einer Episode von Mission Erde mit. So kam sie ins Gespräch für die Rolle der künstlichen Intelligenz Andromeda, deren Figur sich eigentlich aus drei Teilen, der Schiffsintelligenz an sich, dem Hologram und einem von Harper gebauten Androiden in Form eines Männertraums zusammensetzt. Lisa Ryder erging es ähnlich. Sie spielte eine kleinere Rolle im Pilotfilm der anderen, von Majel Barrett-Roddenberry mitproduzierten Serie. So lernten sich beide kennen und Ryder bekam schließlich die Rolle der Beka Valentine. Keith Hamilton Cobb wurde die Figur des Tyr Anasazi sozusagen auf den Leib geschrieben. Er hatte zuvor einen wichtigen Part in der ebenfalls von Tribune Entertainment produzierten kanadischen Serie Beastmaster gespielt und brauchte sich für seine Rolle gar nicht erst bewerben. Der sympathische Gordon Michael Woolvet übernahm die Rolle des Technikfreaks und einzigen ehemaligen Erdbewohners Seamus Zelazny Harper, der auf der Erde sowohl die Magog Invasion, als auch die Versklavung durch die Nietzeschaner miterlebt hatte. Insgesamt handelte es sich um einen jungen, unverbrauchten und sehr talentierten Cast.

 

Alles in allem gehört Andromeda  aufgrund der stark differierenden Qualitat der einzelnen Staffeln zu den eher schwer zu bewertenden Serien. Staffel 1 bis 3 zeigen sich durchaus erinnerungswürdig und schließen den Magog-Plot spannend und sehenswert ab. Ab Staffel 4 lassen die Drehbücher nach, auch wenn der visuelle Schauwert durchaus gegeben ist.

persönliche Bewertung: 4/6