Quelle: Cover und Bildzitate: Paramount Home Entertainment
Quelle: Cover und Bildzitate: Paramount Home Entertainment

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4400 - Die Rückkehrer, original: The 4400 (2004 - 2007)

 

Renegade 83, American Zoetrope, CBS Paramount Network, 4400 Producktions, Paramount Network Television,

 

DVD: Paramount Home Entertainment; 44 Episoden in 4 Staffeln á ca. 42 Minuten; Produktionsland: USA; Idee: René

 

Echevarria, Scott Peters; Produzenten: Ira Steven Behr, Scott Peters, Francis Ford Coppola; Musik: Opening: Amanda Abizaid, Tim P.

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Darsteller:  
Joel Gretsch als Tom Baldwin Jaqueline McKenzie als Diana Skouris
Patrick John Flueger als Shawn Farrell Chad Faust als Kyle Baldwin
Conchita Campbell als Maia Mahershala Ali als Richard Tyler
Megalyn Echinkunwoke als Isabelle Tyler Richard Kahan als Marco
Billy Campbell als Jordan Collier Summer Glau als Tess
Peter Coyote als Dennis Rudland Laura Allen als Lily Moore Tyler
   

Besprechung:

Inhalt:

Innerhalb von sechzig Jahren verschwinden 4400 Menschen spurlos. Im Jahr 2004 tauchen sie plötzlich alle zusammen in Seattle wieder auf – und sie haben sich verändert. Jeder einzelne von ihnen verfügt über eine besondere, übersinnliche Fähigkeit. So kann etwa ein kleines Mädchen hellsehen, ein junger Mann heilt mit den Händen, eine junge Frau kann anderen ihren Willen aufzwingen. Die Fähigkeiten sind so vielfältig wie der entführte Personenkreis und können sowohl zum Nutzen, aber auch gegen die Menschheit eingesetzt werden. Von Angst angetrieben, werden die Rückkehrer monatelang in Quarantäne gesperrt, bis schließlich Homeland Security als verantwortliche Behörde hinzugezogen wird.

 

Die Agents Tom Baldwin und Diana Skouris leiten von nun an die Überwachungen und Ermittlungen gegen diejenigen, die straf- oder auch nur auffällig geworden sind. Doch beide sind nicht unbelastet. Toms Neffe Shawn ist ebenfalls einer der 4400. Sein Sohn Kyle war am Tag der Entführung mit Shawn zusammen und liegt seitdem im Wachkoma. Die einsame Diana adoptiert die kleine Maia, die vor sechzig Jahren entführt wurde und deren Eltern inzwischen nicht mehr leben. So sind beide ständig zwischen ihrer Loyalität zum Land und ihrer Liebe zur Familie hin und hergerissen. Als schließlich der Multimillionär Jordan Collier, ebenfalls ein Rückkehrer, das 4400- Zentrum eröffnet, bricht ein regelrechter Kult los. Denn der smarte Collier behauptet, sie alle wären von einer zukünftigen Menschheit entführt worden, die sie mit besonderen Fähigkeiten ausstattete, um die Menschheit zu retten. Ist an Jordans Behauptungen etwas dran? Ist er ein Messias, der zusammen mit den 4400 die Menschheit in eine bessere Zukunft führt? Tom glaubt kein Wort, bis ihn ein ganz besonderes Erlebnis eines Besseren belehrt...


Fazit:

4400 – Die Rückkehrer gehört zu jenen Serien der Mitt-2000er, dessen vorzeitige Einstellung ich bis heute zu tiefst bedauere. Ursprünglich unter der Schirmherrschaft von Regie-Legende Francis Ford Coppola als Miniserie geplant, entwickelte die Show schon bald eine Eigenständigkeit, die für höchste Spannung sorgte. Die von René Echevarria und Scott Peters entwickelte Idee wurde dabei von Showrunner Ira Steven Behr geschickt aufgegriffen und mit weiterentwickelt, wobei nicht unerwähnt bleiben darf, dass die Ideengeber immerhin an zweiundvierzig von vierundvierzig Episoden als Autoren beteiligt waren. Behr dürfte Fans durch seine Arbeit für Star Trek: The Next Generation und vor allem Star Trek: Deep Space Nine ein Begriff sein. Nach seiner Zeit dort wechselte er zunächst zu Dark Angel, bevor als Executive Producer für das bislang letzte Reboot der Twilight Zone (2002) tätig wurde. 2004 stieß er schließlich zum hier besprochenen Projekt, dem er bis zu seinem vorzeitigen Aus treu blieb. Nach Echevarria, Peters und Craig Sweeny (u.a. als Autor für „Medium“, „Elementary“ und „Limitless“ tätig) ist es Ira Steven Behr, der mit fünfzehn Skripten den größten Einfluss auf die Show nahm.

Tatsächlich ist es vor allem der interessante und geschickt entwickelte Storybogen, der 4400 – Die Rückkehrer so sehenswert macht. Science Fiction-, Mystery- und dramatische Elemente werden auf interessante Weise miteinander verwoben. Es sind nicht nur die Schicksale der Entführten, die mich als Zuschauer in den Bann ziehen. Auch die Figuren rund um Homeland Security sorgen für Spannung und reichlich Emotionen. Hinzu kommen die mysteriöse Herkunft und die zahlreichen Fähigkeiten der Rückkehrer, die für immer neue Überraschungen gut sind. Grandiose schauspielerische Leistungen runden das gute Gesamtbild ab. Tom Baldwin, hervorragend verkörpert von Joel Gretsch (u.a. Taken) ist ein sehr ambivalenter Charakter. Seine Familie ist durch die Geschichte seinen Sohnes Kyle (mit Chat Faust sehr passend besetzt) und seines Neffen Shawn Farrell (Patrick John Flueger) direkt in die Ereignisse um die 4400 verstrickt. Nie sind seine Prioritäten völlig klar und als Zuschauer bin ich mir nie ganz sicher, wo seine Loyalität wirklich liegt. Das ist für mich große Erzählkunst.

Auch die Geschichte rund um Jaqueline McKenzies Figur Diana und ihre 4400-Adoptivtochter Maia, die in die Zukunft blicken kann, soll nicht unerwähnt bleiben. Die inzwischen zweiundzwanzigjährige Conchita Campbell passt als kleine Maia hervorragend zur Homeland Security Agentin Diana und sorgt für so manchen Gänsehauteffekt innerhalb der vier Staffeln. Leider blieb der jungen Schauspielern bis heute der große Durchbruch verwehrt. 2006 war sie in „Scary Movie 4“ zu sehen und 2013 in der ebenfalls hervorragenden Serie „Bates Motel“.

Wenn wir schon beim Belobhudeln sind, dürfen die starken Nebenrollen wie die des Jordan Collier (gespielt von Billy Campbell) oder auch Summer Glau, die in sieben Folge als schizophrene Tess zu bewundern war, nicht fehlen. So ziemlich jeder SciFi Fan kennt die hübsche fünfunddreißigjährige Schauspielerin. Klangvolle Namen wie Firefly, Terminator – The Sarah Connor Chronicles, Alphas oder Arrow schmücken ihr Portfolio. Ihre Paraderolle als außergewöhnliche und oft etwas seltsame Persönlichkeit füllt Glau hier auf beste Weise aus. Billy Campbell gibt als undurchsichtiger Guru, der zwar auf seine Weise das Beste für die Menschheit will, dafür aber durchaus über Leichen geht, ebenfalls eine ausgezeichnete Darbietung. So darf man insgesamt resümieren, dass hier ein wirklich superber Cast zusammengestellt wurde, dessen Mitglieder es verstehen, ihren Figuren Persönlichkeit und Einzigartigkeit zu verleihen.

 

Auch von der technischen Seite her kann sich die Serie absolut sehen lassen. Zahlreiche Außendrehs wechseln sich mit glaubwürdigen Sets und oft schön gefertigten Spezialeffekten aller Art ab. Computer-, Pyrotechnik- (wie etwa die riesige Explosion in Staffel drei) Stunt- und Kameratricks aller Art zeugen von einer Serie, bei der man nicht am falschen Ende sparte. Für siebenunddreißig Episoden zeichnet Robert Biagi als Visual Effects Coordinator verantwortlich, der schon bei der Kultserie Andromeda seine Hand im Spiel hatte. Später koordinierte er die Visual Effects unter anderem für das V – die Die Besucher Remake von 2009, Amblin Entertainments Falling Skies und Alphas. Den Posten des Special Effects Supervisor besetzte man immerhin für vierundzwanzig Episoden mit dem nicht minder bekannten Philip Edward Jones, Fans aus Replicant, Battlestar Galactica, oder Sanctuary ein Begriff.

 

Gedreht wurde in British Columbia in Kanada. Als Locations suchte man sich unter anderem Vancouver, das Chan Centre for the Performing Arts der Universität British Columbia, dessen Adresse übrigens identisch mit der des 4400 Zentrums in der Serie ist, oder Richmond aus. Insgesamt besteht die Liste aus fünfzehn Locations rund um Vancouver. Die Stadt wird für US-amerikanische Serien sehr gerne als Drehort gewählt, weil die Anmietung der Locations dort kostengünstiger, als in den USA ist. Andererseits ist sie architektonisch amerikanischen Städten nicht unähnlich, so dass sich der Durchschnittszuschauer sogleich heimisch fühlt. Diese Tatsache machen sich seit vielen Jahren viele Produktionsfirmen zunutze, so dass nicht nur US- Größen wie Universal oder  Amblin Entertainment hier drehen, sondern unter anderem auch die BBC (etwa Orphan Black).

 

Man merkt 4400 – Die Rückkehrer an, mit wie viel Enthusiasmus und Elan sie geschrieben und produziert wurde. Tatsächlich weist die Show bis heute eine sehr solide Fanbase auf und es gab in den letzten Jahren mehrere Versuche im Internet, sie wiederzubeleben. So wurde etwa eine Petition, die Netflix auffordert als neuer Produzent zu fungieren, immerhin von knapp 79000 Fans unterzeichnet. Schade ist vor allem, dass die vierte Staffel mit einem Cliffhanger endet, so dass man als Fan wieder einmal vor der unangenehmen Tatsache steht, letztlich unbefriedigt den Fernseher auszuschalten. Um die Story doch noch abzuschließen, sind zwischen 2008 und 2010 vier Bücher, allerdings leider nicht in deutscher Sprache erschienen. Vielleicht wäre es eine schöne Aufgabe für Cross Cult, hier einmal eine Übersetzung anzubieten. Bis sich also jemand erbarmen sollte, bleibt nur abwarten und Tee trinken. Verdient hätte sie es auf jeden Fall, denn hier wurde großartiges Storytelling betrieben, das auch noch mit hohen Produktionsstandards umgesetzt wurde.

persönliche Bewertung: 5/6