Quelle: DVD Cover und Bildzitate: Warner Brothers
Quelle: DVD Cover und Bildzitate: Warner Brothers

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

2001: Odysse im Weltraum, original: 2001: A Space Odyssee (1968)

MGM, Warner Brothers, CIC, Stanley Kubrik Productions; gefilmt in Super Panavision und Metrocolor

Produktionsland: USA; Länge: 143min

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Darsteller Team
Keir Dullea als Dr. David „Dave“ Bowman Regie: Stanley Kubrik
Gary Lockwood als Dr. Frank Poole Produktion: Stanley Kubrik
William Sylvester als Dr. Heywood R. Floyd Drehbuch: Stanley Kubrik, Arthur C. Clarke
Douglas Rain als englische Stimme von HAL Kamera: Geoffrey Unsworth
Peter Schiff als deutsche Stimme von HAL Schnitt: Ray Lovejoy
 Robert Beatty als Dr. Ralph Halvorsen  Musik: R. Strauss, Györgi Ligeti, Aram Chatschaturjan
Leonard Rossiter als Dr. Andrei Smyslov Spezialeffekte: John Dykstra

Besprechung:

Inhalt:

2001: Odyssee im Weltraum verfügt über mehrere Handlungsebenen, die im Film selbst durch einleitende Überschriften gekennzeichnet sind. Aus diesem Grund ist es überaus schwer, eine kurze Inhaltsangabe in der üblichen Form dieser Seite zu geben. Anstatt meiner klassischen Einleitungen folgen hier entsprechend nur jene Überschriften, die ich einmal aus der Wikipedia zum Film zitiert und mit einem kleinen Text zum besseren Verständnis versehen habe:

 

Der Morgen der Menschheit (The Dawn of Men)

ist eine nur etwas über 3 Minuten lange Sequenz, die im Fazit näher beschrieben wird. Der schwarze Monolith, ein Bindeglied zwischen Anfang und Ende, taucht hier zum ersten Mal auf. Sie enthält einen gewagten Schnitt: ein Affenmensch wirft einen Knochen in die  Luft, der sich um die eigene Achse dreht. An dieser Stelle erfolgt ein Cut und ein moderner Erdsatelit, der in seiner Form an jenen Knochen erinnert, erscheint auf dem Bildschirm. Somit überspringt Kubrik mit nur einem Schnitt Hunderttausende Jahre an Evolutionsgeschichte.

 

Mondstation Clavius (Tycho Magnetic Anomaly-1)

 

In diesem Teil wird die Entwicklung des Menschen hin zum hochtechnisierten Wesen, das den Weltraum erobert und Außenposten gegründet hat, gezeigt. Ein weiterer (oder der?) schwarze Monolith wird auf dem Mond 15 Meter unter der Oberfläche entdeckt und ausgegraben...

 

Die Reise zum Jupiter (Jupiter Mission 18 Month Later)

 

Eine fünfköpfige Crew, davon drei im künstlichen Kälteschlaf befindlich, ist in einem riesigen Forschungsraumschiff, dass vollumfänglich von der künstlichen Intelligenz HAL 9000 kontrolliert wird, auf dem Weg zum Jupiter. Kein Elektronengehirn der Serie 9000 hat sich bis dato je geirrt. Kurz vor Erreichen des Gasriesen meldet HAL plötzlich einen Systemfehler, der von den beiden diensthabenden Offizieren jedoch nicht verifiziert werden kann. Als offensichtlich wird, dass HAL sich geirrt hat, diskutieren Dr. Bowman und Dr. Poole die Abschaltung der K.I., da auf sie kein Verlass mehr sei. Was sie nicht ahnen ist, dass die HAL Einheiten soweit entwickelt sind, dass sie über ein Bewusstsein mit einem Überlebenstrieb verfügen...

 

Wiedergeburt (Jupiter and Beyond the Infinite)

 

 

Dr. Bowman hat inzwischen HAL abgeschaltet und eine Nachricht gefunden, die besagt, dass man 18 Monate zuvor einen schwarzen Monolithen auf dem Mond  entdeckt habe und dieser der unwiderlegbare Beweis für die Existenz intelligenten Lebens (außer dem  der Menschheit) im All sei. Eine Untersuchung des ca. vier Millionen Jahre alten Artefaktes sei fehlgeschlagen, doch sei eine intensive Strahlung direkt auf Jupiter gerichtet. Dies wäre auch der Grund für die ganze Forschungsmission gewesen. Bowman findet den Monolithen schließlich und dieser ist ein Tor zu einer Reise in die tiefsten Abgründe menschlichen Seins...

 

Fazit:

Es gibt so gut wie nichts, dass nicht schon über 2001: Odysee im Weltraum geschrieben wurde. Für Steven Spielberg war der Film „…der Urknall“ seiner Filmemacher-Generation.

Im 2001 Filmlexikon ist zu lesen: „Kubricks fantastisches Kinoabenteuer vereint technische Utopie und kulturphilosophische Spekulation zu einer Weltraumoper von überwältigendem Ausmaß. Der kühne gedankliche Entwurf des Films (eine Entwicklungsgeschichte der Menschheit voller Skepsis und bitterer Ironie) wird mit nicht minder kühnen optischen Effekten und einer revolutionären Tricktechnik realisiert, die das Genre des Science-Fiction-Films in den folgenden Jahren entscheidend prägten.“ (Filmlexikon ) Die gute und interessante Filmseite Filmsucht.org, die seit der Anfangszeit von www.greatscifi.de in meiner Linkliste zu finden ist, bewertet ihn etwas kritischer mit 5/10 Punkten und den Worten: „Die inhaltliche Sperrigkeit, die fast schon klinische Tonalität und die immerhin dreistündige Laufzeit zehren an der Geduld handlungsorientierter Filmfans.“ (Filmsucht.org)

 

Für Altfans wie mich ist der Film mit seiner noch heute überragenden Technik, der meisterhaften Regiearbeit, den anspruchsvollen Schnitten und Bildern einer, wenn nicht gar  DER Science Fiction Film überhaupt. Ohne 2001: Odysse im Weltraum wären Klassiker wie Lautlos im Weltraum und vor allem die erste Star Wars Trilogie, sowie Kampfstern Galactica nicht denkbar gewesen. Der Tricktechnik-Visionär John Dykstra hatte seinerzeit ganz neue Verfahren entwickelt, um Kubriks Meisterwerk zu realisieren.

Wie so oft im „Leben eines Klassikers“ wurde der Streifen allerdings in seiner Entstehungszeit ganz anders bewertet. Kubriks Witwe erinnert sich: "Er wurde zur Sau gemacht….Grantig, fies und voller Schadenfreude. Es war eine furchtbare Lehre für Stanley. Und alle schimpften: Das wäre ja nur was für Leute, die Drogen nehmen." (www.daserste.de/information/wissen-kultur).Das ist nicht allzu ungewöhnlich und unter Bezugnahme seiner Entstehungszeit sowie dem Wissen, dass Science Ficton in jener Zeit allgemein nicht sehr gut angesehen war, auch verständlich. Junge Zuschauer jedoch waren zumeist von den überragenden Spezial Effekten angetan und fanden die Geschichte um HAL, der um sein Überleben zu  sichern die Crew des Forschungsraumschiffes, das er steuert, tötet, spannend und gelungen. Sie schickten Kubrik Tausende Fanbriefe und gerade ihnen ist es zu verdanken, dass 2001: Odyssee im Weltraum letztlich ein kommerzieller Erfolg wurde.

 

 

Der Film verfügt über eine sehr ungewöhnliche Struktur, beginnt er doch im Morgengrauen der Menschheit, einer grauen Vorzeit des Lernens, vornehmlich des Gebrauchs von Waffen zum töten der eigenen Art. Dann folgt ein fast „irrwitziger“ (WB DVD Klappentext) Schnitt und wir befinden uns im Weltraum. Nun entspinnt sich eine Geschichte um die Evolution von Mensch und Maschine¸ symbolisiert im Konflikt zwischen der Crew, die der Technik in Form von HAL 9000 fast vollkommen ausgeliefert ist, und dem Superhirn, welches sich noch nie geirrt habe. Das lange Ende wartet mit psychedelischen Bildern auf, die wiederum einen Aufbruch symbolisieren, einen erneuten evolutionären Schritt hin zum Mitglied der großen kosmischen Familie des Universums. Der Mensch als Teil des Ganzen, nicht als Krönung der Schöpfung. Dies ist nur eine von vielen möglichen Interpretationen des Films  und genau das macht den Film letztlich für meine Begriffe so wertvoll. Natürlich hat Kubrik hier ein technisches Meisterwerk geschaffen, ohne das es die Science Fiction in der heutigen Form gar nicht gäbe.

 

Doch darüber hinaus gehört 2001 auch zu den ersten Titeln, die mehr als nur reine Unterhaltung sein wollten. Das hatte zur Folge, dass viele Kinozuschauer den Film einfach nicht verstanden. Und tatsächlich fällt dies auch relativ schwer. Wenn man sich ein wenig in einschlägigen Foren umschaut, stellt man schnell fest, dass viele jüngere Fans eher gelangweilt auf Odyssee im Weltraum reagieren. Denn es gibt nun einmal so gut wie keine Action und man kann sich nicht einfach berieseln lassen, wie das beispielsweise bei vielen der Marvel- oder auch den neuen Star Trek Filmen der Fall ist. Die Tricktechnik wird selbstverständlich auch nicht mehr als die überragende Arbeit eines visionären Trickteams  empfunden, hat doch der Computer längst die handgemachten Modellfotografien eines John Dykstra abgelöst. Dennoch sehen gerade die Weltraumsequenzen auch heute noch so organisch aus, dass sie sich meiner Meinung nach nicht nur mit jedem modernen Film messen können, sondern sich sogar im positiven Sinne enorm von den heutigen CGI-Weltraumsequenzen unterscheiden.

 

Ich habe den Film gerade gestern wieder einmal auf meinem HD Fernseher geschaut und muss sagen, ich habe es sehr genossen. Dabei meine ich nicht nur die fantastischen Weltraumszenen: die Schlusssequenz der Reise durch das Schwarze Loch, durch das durch den schwarzen Monolithen symbolisierte Tor hin zu einer neuen Menschheit, ist atemberaubend in Szene gesetzt. Ich fühlte mich wie im rasenden Tempo auf einer Autobahn, die mit Millionen bunter Lichter bestückt ist und die an mir vorbei ziehen, bis dann ein harter Cut folgt und der Hauptdarsteller sich mit seinen Ichs in einem luxuriösen Zimmer wiederfindet.

Nach wie vor fühlte ich mich als Zuschauer von der ersten Sekunde an gebannt, verfolgte den heute mehr denn je aktuellen Kampf zwischen Mensch und Maschine, die soweit entwickelt ist, dass sie Angst vor dem Sterben empfindet. Hier stellt sich die Frage, wie weit der Mensch wirklich in der Entwicklung von Maschinen und künstlicher Intelligenz gehen darf. Ab wann kann man einer KI echte Gefühle zuschreiben, Überlebenswillen, eine Seele? Das sind interessante und wichtige Fragen, die nachwirken und sich übertragen lassen. Und genau das macht 2001: Odyssee im Weltraum, wie oben bereits angedeutet, so wertvoll. Deshalb hat er das Prädikat „besonders wertvoll“ mehr als verdient.

Jungen SciFi Fans mag das nicht immer gleich einleuchten. Der größte Teil der Kinowelt ist vergleichsweise so leer wie bunt. Doch das ist nicht weiter schlimm. Es muss und darf reine Unterhaltungsfilme geben und man darf sie mögen. Ich habe zum Beispiel Transformers - Ära des Untergangs trotz seiner armseligen Story aufgrund der überragenden 3D-Technik und der sehr guten Special Effects als Popcorn Kino sehr genossen. Darüber hinaus bietet die Science Fiction  aber noch so viel mehr: sie regt zum Nachdenken an, kann ein Essay über den Menschen an sich, die Philosophie, Psychologie oder einfach ein Abbild der jeweiligen Zeit sein, in der ein Buch oder Film entsteht. Sie bricht mit Konventionen, erschafft Neues und ist dabei so vielseitig, wie kaum ein anderes Genre.

 Natürlich gab es auch vor Kubrik gute und sehenswerte Science Fiction Filme. Die unglaubliche Geschichte des Mr. C. etwa, in dem es um das Sein eines (oder des?) Menschen ging, die Erkenntnis, dass er mehr als nur ein Körper ist. Auch Godzilla, in dem die Japaner ein Stück weit ihr Hiroshima Trauma verarbeiten konnten. Der Tag an dem die Erde stillstand zeigt die Menschheit als Art, die alles vernichtet, was sie nicht versteht. Wir sehen also, Autoren und Regisseure haben die Science Fiction schon früh als Mittel zum Zweck, als Transportmittel für mehr oder weniger subtile Botschaften verstanden. Doch nie zuvor wurde der Sience Fiction Film als reines Unterhaltungsmittel so sehr in die zweite Reihe verbannt, wie in diesem Werk. Erst 1972 wurde mit Solaris ein ähnliches Ziel, wenn auch visuell wesentlich weniger beeindruckend, verfolgt und erreicht. Stattdessen tritt die Kraft der Bilder, der Imagination und Interpretation in den Vordergrund. Von dieser Art Film dürfte es heute gerne etwas mehr geben.

persönliche Bewertung. 6/6