Quelle: Cover und Bildzitate: MIG Filmgroup
Quelle: Cover und Bildzitate: MIG Filmgroup

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1984, original: Nineteen Eighty-Four (1956)

Columbia Pictures Corporation, Holiday Films Producktions Ltd. MIG Filmgroup (DVD); gefilmt in schwarz/weiß;

Produktionsland: GB; Länge: 90 min

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Darsteller Team
Edmond O´Brien als Winston Smith Regie: Michael Anderson
Michael Redgrave als O´Connor Produktion: N. Peter Rathvon und R. G. Bettison
Jan Sterling als Julia Drehbuch: R. G. Bettison und William Templeton
Donald Pleasence als Parsons Kamera: C. M. Pennigton-Richards
Mervyn Johns als Jones Schnitt: Bill Lewthwaite
 Carol Woverridge als Parsons Tochter  Musik: Malcom Arnold und Cecil Millner

Besprechung:

Inhalt:

"Das Jahr 1984. Die Welt ist nach einem Atomkrieg in drei große totalitäre Staatensysteme zerfallen, die seit Jahrzehnten mit wechselnden Bündnissen Krieg gegeneinander führen. Die ehemalige USA und Westeuropa bilden Ozeanien, geführt von der faschistoiden Einheitspartei INGSOC unter der Leitung des „Großen Bruders“. Eine kleine Gruppe, die „Innere Partei“ herrscht über die Masse, die sich in „Äußere Partei“ und Proletarier aufteilt. Durch 24stündige Totalüberwachung, die Einführung einer auf das Minimum reduzierten Sprache, Gedankenverbrechen, sogenannten Two Minute Hates und anderer Mittel, die von subtil bis brutal unmenschlich reichen, gelingt es dem inneren Zirkel, die schlecht versorgte Menge auf Kurs zu halten.

 

Widerstand regt sich nur wenig und doch: der im Korrekturbüro des Wahrheitsministeriums (Geschichtsfälschung) in London  angestellte Winston Smith hegt einen tiefen Hass gegen den Großen Bruder und seine Helfershelfer. Heimlich führt er, obwohl dies streng verboten ist, ein Tagebuch, in dem er seinen freiheitsliebenden Gedanken freien Lauf lässt. Während einer Two Minute Hate hält eines Tages eine Parteigenossin, Julia, Blickkontakt zu ihm. Anfangs empfindet Winston tiefen Groll gegen die junge, hübsche Frau, ist sie doch Mitglied der Anti-Sex-Liga, einer Organisation, die für die Abschaffung des Orgasmus und die verbindliche Einführung von künstlicher Befruchtung eintritt. Bald steckt sie ihm jedoch einen Zettel mit den Worten „ich liebe Dich“ zu. Insgeheim wird ein Treffen arrangiert und die beiden treffen sich außerhalb des vom Krieg gezeichneten London in einem Wald, der zu einer wundervollen hügeligen Landschaft führt. Hier haben sie zum ersten mal Sex miteinander.

Winston mietet in den Vierteln der Proletarier ein kleines Zimmer, welches die Liebenden zu ihrem Domizil ausbauen. Selbst Kaffee, Zucker und Tee, Luxusgüter in einer Welt, in der die Menschen mit Haferbrei, künstlichem Fleisch, billigem Gin und schlechten Zigaretten ernährt werden, kann Julia organisieren. So schaffen sie sich ihre kleine Traumwelt, bis diese eines Tages jäh zerstört wird..." (Quelle: 1984)

 

Fazit:

Der Film 1984 von Michael Radford mit Richard Burton und John Hurt in den Hauptrollen ist für mich einer der besten politisch/dystopischen Filme überhaupt. Dass es allerdings bereits 1954 eine BBC-TV Fassung und 1956 eine weitere Adapation gegeben hatte, war mir unbekannt, bis ich vor einiger Zeit die DVD Box Science Fiction Classic Box Vol. 3 in meinen Händen hielt. Die enthält nämlich die 1956er Version des Stoffes. Während die BBC Verfilmung mit dem unvergesslichen Peter Cushing in einer der Hauptrollen für Entrüstungstürme beim Publikum sorgte und sogar im britischen Parlament auf die Tagesordnung kam, geriet der hier zu besprechende Streifen im Vergleich dazu geradezu harmlos.

Das tut meinem guten Gesamteindruck des Werkes allerdings nicht wirklich einen Abbruch. Obwohl Regisseur Michael Anderson (Fans durch seine sehr guten SciFi Filme In 80 Tagen um die Welt, Logans Run: Flucht ins 23. Jahrhundert, oder Millenium, die vierte Dimension ein Begriff) sich ein wenig gemäßigter im Umgang mit den Schrecken der Orwell'schen Horrorvision eines Polizeistaates gab, wird doch sehr deutlich, mit wie viel Gefühl er an den Stoff heranging. Szenen wie die berühmte Two Minute Hate etwa sind m. E. sehr ansprechend und eindrucksvoll fotografiert und halten sich, wie der größte Teil des Films, an die Romanvorlage. Andererseits trug Anderson der Zeit und seinem Publikum Rechnung, indem er zuzüglich zum pessimistischen Schluss  noch ein etwas optimistischeres Ende anbot. Welche Version dabei für den U.S. Markt und welche für den britischen gedacht war, ist bis heute umstritten.

 

 

Die von mir erwähnte Science Fiction Box enthält jedenfalls ein Ende, das vom Roman insofern abweicht, als dass Winstons und Julias Willen letztlich nicht von O´Connor gebrochen werden kann, auch wenn sie ihre Liebe in der Stunde der schlimmsten Folter verraten haben. Hierbei ist selbstverständlich zu berücksichtigen, dass Anderson 11 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges und mitten im Kalten Krieg hier wohl durchaus auch auf Nummer sicher gehen wollte. Auf der einen Seite nimmt sich 1984 durch diese Änderung etwas. Denn das Schreckensszenario einer allmächtigen Partei, die bis ins Innerste des menschlichen Verstandes eindringt und ihn sich ohne jegliche Widerstandsmöglichkeit ihren Wünschen entsprechend zu formen vermag, ist für sich genommen schon Horror pur. Andererseits ist Orwell' s Welt in sich rein destruktiv, so dass ein Hoffnungsschimmer am Ende auch etwas für sich hat. Jeder von Euch, der sich den Film vielleicht noch anschaut, möge für sich entscheiden. Das romannähere Ende ist auf der DVD leider nicht enthalten, dafür aber in der Tube anschaubar, wenn auch in miserabler Qualität.

 

Auch Jan Sterling, die die Julia gab, war eine mehrfach ausgezeichnete Schauspielerin. So wurde sie etwa 1955 für ihre Rolle in „Es wird immer wieder Tag“ mit dem Golden Globe ausgezeichnet und für den Oscar nominiert. Michael Redgrave war für mich persönlich allerdings eine weniger gute Wahl für Winstons Nemesis O`Conner von der Inneren Partei (Anmerkung: in der 1984er Version heißt O´Connor übrigens O`Brien). Ihm fehlen die eiskalten Augen und die gnadenlose Distanziertheit eines Richard Burton. Damit wirkt Redgrave für meinen Geschmack leider viel zu harmlos.

Last but not least wäre Donald Pleasence noch erwähnenswert, der sowohl in der BBC-TV-Verfilmung von 1954, als auch in der hier zu besprechenden Version zu sehen war. Pleasence dürfte vielen von Euch aus vielen Filmen bekannt sein. Er war ein renommierter Theaterschauspieler, der als arbeitswütig galt. Das führte dazu, dass er im Laufe seiner Karriere in mehr als 200 Filmen mitwirkte, die qualitativ mehr oder weniger ansprechend waren. Er war unter anderem neben Edmond O`Brien in Die phantastische Reise zu sehen, aber auch in Klassikern wie „40 Wagen westwärts“, „James Bond 007: Man lebt nur zweimal“, oder in George Lucas' THX 1138.

 

 

Schauspielerisch finde ich das Werk konservativ, aber gut umgesetzt. Mit Edmond O´Brien, der 1955 einen Golden Globe und einen Oscar für „Die barfüßige Gräfin“ erhielt, gewann man einen großartigen Hauptdarsteller. Bekannt geworden war der am 10.September 1915 in New York geborene Mime (+8.Mai 1985) 1939 durch „Der Glöckner von Notre Dame“. 1953 folgten das Kostüm- und Sandalenspektakel „Julius Cäser“ (4 Oscars), und 1954 „Die barfüßige Gräfin“. Weitere Klassiker, in denen er prominent mitwirkte waren 1962 „Der Gefangene von Alcatraz“, sowie „Der längste Tag“ und „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ mit Hollywoodlegende John Wayne in der Hauptrolle. 1966 folgte ein letzter Ausflug in die Science Fiction mit Die phantastische Reise .

 

Abschließend möchte ich auch hier gesondert auf die Filmmusik des Komponisten Malcom Arnold aufmerksam machen, der in seiner Karriere nicht nur 132 Filmmusiken, sondern auch 9 Symphonien komponierte. Entsprechend hörenswert gestaltet sich meiner Auffassung nach die Vertonung von 1984. Allerdings sei angemerkt, dass ich sowieso eher auf klassisch inspirierte Filmmusik stehe. Von einem Musiker, der die Filmmusiken für Meisterwerke wie „Die Brücke am Kwai“, „Die Herberge zur 6. Glückseligkeit“ oder „Neun Stunden zur Ewigkeit“ verfasste, ist btw. allerdings auch nicht weniger als eindrucksvolle Musik zu erwarten.

Insgesamt liegt uns hier also nicht die früheste, aber eine frühe Verflimung des Orwell`schen Stoffes vor, die ich für absolut sehenswert befinde, wenn sie auch weder an die Version von 1954, noch an die von 1984 heranreicht. Mir gefällt, dass es zuzüglich zum romannahen, noch ein alternatives, etwas optimistischeres Ende gibt. Zusammen mit der guten Regiearbeit, tollen Schauspielern und der Filmmusik lohnt sich ein Blick auf diesen Film also.

 

Zur DVD:

Hier noch für alle Interessierten einige Infos zur oben abgebildeten DVD Box. Diese enthält sechs Filme auf 2 DVDs in ordentlicher, aber nicht überragender Bildqualität. Leider sind nur deutsche Tonspuren enthalten, Extras gibt es keine. Für rund 10€ erhält man dafür folgende, teilweise als Klassiker zu bezeichnende Filme: Notlandung im Weltraum, Ein Riss in der Welt, The Last Man on Earth, Geburten verboten und Sam Hell ist - Der Jäger. Für den genannten Preis bietet MIG also insgesamt ein rundes Paket, so dass ich den Kauf an dieser Stelle ohne weiteres allen empfehlen möchte, denen noch einige dieser Filme in der Sammlung fehlen. Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass allein schon die ersten zwei genannten Titel als Einzelkauf mit mehr als 20€ zu Buche schlagen würden.

persönliche Bewertung: 4(+)/6